„Vermögenssteuer brächte Unna 10 Mio. Euro mehr“: Linke sieht sich durch DIW-Studie bestätigt

4
387
Der Unna-Esel als Goldesel vor dem Rathaus. Foto Rinke

„Unna hätte 10 Millionen mehr“, rechnet die Linke vor. Sie sieht sich durch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschat (DIW) in ihrer Forderung nach einer Vermögenssteuer bestätigt.

In einer auf das Lokale herunterrechneten Pressemitteilung der Bundespartei rechnet die Unnaer Linkenspitze vor:

„Während die Bundes-Union Sündenböcke liefert und einen unsozialen Vorschlag nach dem nächsten macht – länger arbeiten, Zahnbehandlungen selbst zahlen, ‚Lifestyle-Teilzeit‘ abschaffen – hat Die Linke einen anderen Ansatz.

„Statt verschiedene Betroffenengruppen um die knappen Mittel streiten zu lassen, wollten wir vom DIW wissen, welche Einnahmen mit unserem Konzept zur Wiedereinführung der Vermögenssteuer zu erwarten sind.

Und die Zahlen sind beeindruckend: für unser Bundesland NRW stünden jedes Jahr Mehreinnahmen von über 20 Milliarden Euro zur Verfügung.

Da die Vermögenssteuer direkt in die Länderhaushalte fließt, wären unsere Kommunen für ihre Aufgaben viel besser gerüstet: Intakte Schulen mit ausreichend Lehrkräften, genügend und gut ausgestattete Krankenhäuser, bezahlbare Wohnungen, ein funktonierender ÖPNV. Das geht nicht über Nacht und dafür braucht es Geld.

Die Stadt Unna würde mit einem Anteil von ca. 10 Mio. Euro profitieren, der Kreis Unna insgesamt von 89 Mio. Euro.

„Die Studie zeigt schwarz auf weiß: die Wiedereinführung der Vermögensteuer würde einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Haushalte direkt bei uns in Unna leisten“, sagt Hestia van Roest, Fraktonsvorsitzende der Linken im Stadtrat Unna. „Die momentane Diskussion über die Grundsteuerhebesätze würde sicherlich anders aussehen, wenn diese Gelder unseren städtischen Haushalt entlasten würden.“

Wie berichtet, muss der Stadtrat noch im April über eine deutliche Anhebung der Grundsteuer entscheiden.

Für die Linke ist es eine Frage der Gerechtigkeit. „Während sich immer mehr Menschen auch in Unna bei alltäglichen Ausgaben weiter einschränken müssen, steigen die Vermögen eines kleinen Teils der Bevölkerung ungehemmt an. Denn Arbeit wird hierzulande im internationalen Vergleich sehr hoch, Vermögen aber gleichzeitig extrem niedrig besteuert.

Diese Ungleichheit nimmt weiter zu, wenn nicht endlich gegengesteuert wird: Es ist mehr als überfällig, dass hier was passiert.“

Die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ist für die Linke vor allem aus zwei Gründen überfällig: „Sie verschafft zum einen den Ländern und Kommunen dringend benötigte Einnahmen, die insbesondere für Investitionen im Bildungsbereich und in der Infrastruktur gebraucht
werden. Zum anderen hilft sie dabei das immer stärkere Auseinanderdrifte zwischen Arm und Reich in diesem Land zu stoppen.

Fakt ist: Während ein kleiner Teil unvorstellbaren Reichtum und damit auch Einflussmöglichkeiten anhäuft, wissen immer mehr Menschen nicht mehr, wie sie über die Runden kommen sollen. Diese Entwicklung birgt enorme Sprengkraft für den Zusammenhalt in der Gesellschaft.“

Ein Großteil der Menschen sehe diese Gefahr und unterstütze die Einführung einer Vermögenssteuer – ganz im Gegensatz zur Mehrheit im Parlament, kritisiert die LINKE. „Wir hoffen mit der Studie einen Beitrag zu leisten, die Diskussion anzuregen und vor allem auch zu versachlichen.“ (Zitat Bundesvorsitzende Heidi Reichinnek)

Hintergrund:

Die Studie wurde von Dr. Stefan Bach und Florian Wichers vom DIW und sowie Prof. Dr. Tony Mudrack von der Hochschule Harz im Auftrag der Fraktion Die Linke im Bundestag, der Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Fraktionen Die Linke in den Landtagen und der Rosa-Luxemburg-Stiftung erstellt.
Untersucht wurden die Aufkommens- und Verteilungswirkungen des von der Linken geforderten
Vermögensteuertarifs: Besteuert werden soll das Nettovermögen natürlicher (nicht juristischer!)
Personen ab 1 Mio. Euro, für Betriebsvermögen gilt ein zusätzlicher Freibetrag von 5 Mio. Euro. Der
Steuersatz steigt linear von 1% bis auf 5% ab 50 Mio. Euro zu versteuerndem Vermögen an und springt
dann ab 1 Mrd. Euro auf 12%. Wenn man von einer Vermögensrendite von 6% ausgeht, dann wird etwa
ab einem Vermögen von 1,2 Mrd. in die Vermögenssubstanz eingegriffen. Für die
Vermögensbewertung bestehen bewährte Verfahren bei der Erbschaftsteuer.
Momentan ist das Aufkommen aus vermögensbezogener Besteuerung insgesamt, d.h. aus
Erbschaft-, Vermögen-, Grundsteuern usw. in Deutschland sowohl im Vergleich zu früher als auch im
Vergleich zu anderen OECD-Ländern gering: In den 1960ern lag der Anteil der vermögensbezogenen
Steuern am BIP bei 2,5%, wovon 0,5% auf die seit 1997 ausgesetzte Vermögensteuer entfielen. Heute
liegt der Anteil der vermögensbezogenen Steuern am BIP bei ca. 1%, deutlich unterhalb der 4% bspw.
in Frankreich oder Großbritannien.
Das Vermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt: Die ärmere Hälfte besitzt gut 1%, das
reichste Prozent hingegen knapp 40% und das reichste Tausendstel gut 20% des gesamten
Nettovermögens in Höhe von 16,5 Bio. Euro. Dabei besteht das Vermögen der Reichsten primär aus
Unternehmensvermögen: Die untere Hälfte besitzt nur 0,3% des Unternehmensvermögen, das reichste
Prozent hingegen 88%. Das Gesamtvermögen wird dabei im Vergleich zur Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung als auch im Bezug auf die Milliardenvermögen aus dem manager magazin eher
konservativ geschätzt.
Die Vermögensteuer der Linken generiert ein Aufkommen von 147,4 Mrd. Euro pro Jahr und selbst
bei Berücksichtigung von Verhaltensreaktionen der Steuerpflichtigen immer noch knapp 100 Mrd.
Euro. Die Verhaltensreaktionen sind umso schwächer, je besser die internationale Koordination, der
Steuervollzug, die Wegzugsbesteuerung usw. gestaltet sind. Belastet werden nur die reichsten 1,9%
der Steuerpflichtigen, wobei zwei Drittel des Aufkommens von Personen mit einem Vermögen von
über 100 Mio. Euro erbracht wird, über ein Drittel allein von den Milliardären. Die durchschnittliche
Belastung des Nettovermögens ist dabei selbst beim reichsten Zehntausendstel mit 5,9% relativ
gering. Die Erhebungskosten sind mit unter 5% des Steueraufkommens ebenfalls gering.
Da die Vermögensteuer seit 1997 ausgesetzt ist und es in Deutschland kein Vermögensregister gibt,
ist relativ wenig über die Vermögenswerte der reichsten Deutschen bekannt. Das Manager Magazin
schätzt das Vermögen des reichsten Deutschen, Dieter Schwarz, 2025 auf 46,5 Mrd. Euro, 2001
waren es noch 4,25 Mrd. Euro. Ausgehend von diesem Vermögenswachstum nach Steuern von über
10% pro Jahr: Wäre das Vermögen von Dieter Schwarz seit 2001 mit der Linken Vermögensteuer
belastet worden, dann würde er heute über ein Vermögen von gut 4 Mrd. Euro verfügen. Umgekehrt
würde es ab heute 240 Jahre dauern, bis das Vermögen Dieter Schwarz durch die Linke
Vermögensteuer auf unter 4 Mrd. Euro reduziert würde.
Die Einnahmen der Länder steigen im Schnitt um 20% gegenüber dem Status quo. Ausgehend von
100 Mrd. Euro Gesamtaufkommen entfallen nach Umverteilung durch den Finanzausgleich bspw. 14,5
Mrd. Euro auf Baden-Württemberg (1.300 Euro pro Kopf) und 2,3 Mrd. Euro auf Sachsen-Anhalt (1.100
Euro pro Kopf).

Quelle: PM Die Linke

4 KOMMENTARE

  1. …und unnütze Projekte hätten bestimt nochmal 2 Mio gespart Und generell mal sparen bestimmt auch noch 1-2. Vielleicht mal vernünftige Politik machen. Und nicht nur an fremde Taschen denken / gehen

  2. Da fragen die Linken das Fratzscher Institut nach einer Bewertung der Vermögenssteuer und wie ist die Antwort einzuordnen?

    Eher als Lachnummer oder beachtenswert.

    Das Handelsblatt meint zu DIW:
    „Nähe zur linksliberalen Regierungspolitik, Einseitige Kommunikation zu Gunsten Umverteilung.“

    Ein eigentlich neutral verpflichtendem Forschungsinstitut wird eine wesentliche links orientierte Ausrichtung und fehlender Ausgewogenheit und Neutralität vorgeworfen.

    In dem Zusammenhang empfehle ich doch als Gegenpart mal die Meinung der Familienunternehmen.
    https://www.familienunternehmen.de/de/news/vermoegensteuer-wuerde-die-wirtschaft-ausbremsen

    Wie viele traditionell gebundene Unternehmen sollen noch, nach grün/links gewollter Deindustrialisierung die Arbeitsplätze ins Ausland verlegen?

    Und die Neiddebatte auf Vermögen einzelner die es geschafft haben ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und dazu noch Vermögen aufzubauen sollte eigentlich dazu führen mal selbst den Hintern hoch zu bekommen statt nach einer DDR 2Punkt Null zu krähen.

    • Natürlich haben Sie Recht.
      Nur überfordern Sie kognitiv mit diesem Kommentar geschätzt 95% aller Linkslastigen.
      Reine Neiddebatte, aber so war diese politische Klientel seit eh und je.

      • Die eine von den LINKEN im Stadtrat Unna ist studentische Hilfskraft. Beim anderen ist kein Beruf zu finden. Auf alle Fälle haben beide selber keine erfolgreiche Berufslaufbahn vorzuweisen und keinerlei Ausbildung oder Grundwissen in wirtschaftliche Zusammenhänge.

        Ein Prozent aller Einkommensteuerpflichtigen, die absoluten Topverdiener, finanzierten zuletzt 21,5 Prozent, die reichsten zehn Prozent 55 Prozent und die reichsten 25 Prozent fast 77 Prozent des gesamten Aufkommens der wichtigsten Steuer in Deutschland, die dem Staat inzwischen in normalen Jahren rund 300 Milliarden Euro an Einnahmen einbringt. Sie tun dies, weil ab etwa 270.000 Euro Jahreseinkommen jeder zusätzliche Euro zu 45 Prozent versteuert wird, ab 57.000 Euro (bis 270.000 Euro) sind es 42 Prozent. Zum Schluss kommt die Erbschaftsteuer.
        Dies geschieht Jahr für Jahr – als eine Art „Abschlagszahlung“ auf die Vermögensakkumulation im Laufe eines Lebens, und am Schluss kommt dann noch eine Erbschaftsteuer dazu, die je nach Verwandtschaftsgrad und Höhe des Vermögens variiert, aber ab einem Vermögen von 26 Millionen Euro sich immerhin auf 30 bis 50 Prozent beläuft.

        Nun setzt sich die LINKE Unna ernsthaft dafür ein die Leistungsträger in Deutschland zusätzlich noch einmal mit 147,4 Mrd. Euro jährlich besteuert werden. Das würde den Wirtschaftsstandort Deutschland weiter schwächen. Milliardäre sind global unterwegs und können sich ihren Standort aussuchen.

        Herr Schwarz beschäftigt weltweit mehr als 360.000 Mitarbeiter (Stand 2022/23). In Deutschland arbeiten davon nur 100.000 Menschen in den rund 3.250 Filialen, Logistikzentren und den Verwaltungsstandorten. Als Teil der Schwarz Gruppe ist Lidl einer der größten Arbeitgeber im Lebensmitteleinzelhandel. Lidl weltweit verzeichnete weltweit im Geschäftsjahr 2024/25 ein Konzerngewinn nach Steuern von 2,3 Milliarden Euro.

        Das Vermögen von Herrn Schwarz ist nicht privat im klassischen Sinn, sondern in der Schwarz-Gruppe gebunden, die wiederum von der Dieter-Schwarz-Stiftung kontrolliert wird. Er ist bekannt dafür, einen Großteil seines Vermögens durch seine Stiftung in Bildungs- und Forschungsprojekte fließen zu lassen.

        Interessant ist das der enge Fraktionspartner der LINKEN, VOLT in Unna, sich nicht an der Pressemeldung beteiligt. Der oberste Boss dieser Kleinstpartei VOLT , Damian von Boeselager, stammt aus einer einflußreichen Finanz- und Adelsdynastie. Seine Familie besitzt in der Region mehrere Schlösser.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here