
Vor der Entscheidung über eine Aufhebung des nächtlichen Radfahrverbotes in der Unnaer Fußgängerzone am Donnerstag, 16. Juli, in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause erhielten wir folgende Leserzuschrift.
Die Fußgänger dürfen nicht die Verlierer sein
Wie ist es möglich, dass man sich gegenüber den schwächsten Verkehrsteilnehmern – den Fußgängern – derart ignorant verhält und deren berechtigte Interessen zugunsten einer ideologisch geprägten Verkehrspolitik beiseiteschiebt?
Die jüngsten Meinungsäußerungen haben gezeigt, dass sich vor allem Befürworter einer erneuten Freigabe der Fußgängerzone für Radfahrer lautstark zu Wort melden. Dabei wird völlig ausgeblendet, warum es überhaupt zu der Diskussion gekommen ist: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger fühlten sich durch Radfahrer in der Fußgängerzone zunehmend gefährdet. Aus dieser Sorge heraus wurde eine Unterschriftenaktion gestartet und dem Bürgermeister übergeben.
Grundsätzlich ist das Radfahren in der Fußgängerzone verboten. In Unna galt lediglich eine Ausnahmegenehmigung zwischen 21 und 9 Uhr. Doch an diese Regel hielten sich viele Radfahrer schlicht nicht. Die Massener Straße, der Markt und die Bahnhofstraße wurden den ganzen Tag über befahren – oft selbstverständlich und ohne Rücksicht.
Dabei ist die Situation in der Innenstadt alles andere als unproblematisch. Unterschiedliche Bodenbeläge wie Kopfsteinpflaster und Betonsteine, Gefällestrecken sowie Warenständer vor den Geschäften verengen die Wege zusätzlich. Radfahrer werden häufig weder gesehen noch gehört und fahren nicht selten mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an Fußgängern vorbei.
Kinder können sich nicht unbeschwert bewegen, ältere Menschen erschrecken, und Gruppen, die sich unterhalten, müssen oft abrupt ausweichen.
Umso unverständlicher ist der Vorstoß der SPD, die alte Sonderregelung wieder einzuführen. Als Begründung wird angeführt, der neue Radinnenstadtring sei insbesondere im Bereich des Stadtgartens nicht sicher genug. Dabei wurde genau diese Streckenführung vom ADFC mitentwickelt und befürwortet.
Dass ausgerechnet ein rund 200 Meter langer Abschnitt plötzlich als unzumutbarer „Angstraum“ dargestellt wird, überzeugt nicht. Zudem bieten Schulstraße und Schäferstraße – letztere verläuft parallel zur Bahnhofstraße – sichere und gut nutzbare Alternativen mit direkter Anbindung an den Radinnenstadtring.
Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Punkt: Nach den Beratungen im zuständigen Ausschuss haben sowohl die Polizei als auch das Ordnungsamt aus Gründen der Verkehrssicherheit ausdrücklich von einer Rückkehr zur bisherigen Sonderregelung abgeraten. Beide Behörden halten ein dauerhaftes Verbot des Radfahrens in der Fußgängerzone aus Sicherheitsgründen für notwendig und richtig. Diese fachliche Einschätzung sollte in der politischen Diskussion nicht einfach beiseitegeschoben werden.
Ebenso widersprüchlich ist das Verhalten vieler Radfahrer: Tagsüber wird die Fußgängerzone selbstverständlich befahren, doch sobald es um die Umfahrung am Abend oder in der Dunkelheit geht, werden Sicherheitsbedenken angeführt. Diese Argumentation ist schwer nachvollziehbar.
Eine Fußgängerzone muss in erster Linie den Fußgängern gehören. Wer dort unterwegs ist, soll sich sicher fühlen können – unabhängig von Alter oder Mobilität.
Wenn Radfahrer und inzwischen auch E-Scooter-Fahrer mit Tempo durch die Fußgängerzone fahren, verliert sie ihren eigentlichen Zweck. Dann stellt sich tatsächlich die Frage, ob der Begriff „Fußgängerzone“ überhaupt noch gerechtfertigt ist.
Die Interessen der schwächsten Verkehrsteilnehmer dürfen nicht hinter denen der stärkeren zurückstehen. Rücksichtnahme und klare Regeln sind keine Schikane, sondern die Grundlage eines sicheren und respektvollen Miteinanders. Wer diese fachlichen Sicherheitsbedenken ignoriert und die Interessen der Fußgänger erneut hintenanstellt, sendet das falsche Signal. Eine Fußgängerzone sollte ihrem Namen gerecht werden – als sicherer Raum für die Menschen, die zu Fuß unterwegs sind.
Bärbel Risadelli, Unna
- Die Verfasserin ist Geschäftsführerin der Ratsfraktion „Wir für Unna“































Leider am Thema vorbei, Frau Risadelli. Ich habe zur Nachtzeit selten gefährdete Fußgänger und Kinder in der Fuzo gesehen. In den ganzen Jahren ist nicht ein einziger Unfall durch die „Nachtfreigabe“ dokumentiert, auch wenn man das noch so herbeireden will. Ja, die Argumentation über die „Angsträume“ ist tatsächlich nicht so gut. Mit oder ohne Angstraum oder Radring ist es einfach Quatsch, sein Rad des Nachts durch eine leere Fußgängerzone zu schieben. Klar könnte man das, aber es ist Unsinn. Darüber hinaus dürfte es ein äußerst seltener Zufall sein, wenn man nachts von Polizei oder Ordnungsamt erwischt würde. Man sollte schon differenzieren können, wenn man Geschäftsführerin einer Ratsfraktion ist. Alle von Frau R. angeführten Gefährdungsbeispiele ereigneten sich tagsüber. Und auf das unsägliche Gehampel wegen der entscheidenden Stimme der AFD geht Frau R. gar nicht ein. Mit Sachpolitik hat das nichts mehr zu tun.
Für den wesentlichen Teil der Bevölkerung ist von 19.00 bis 9.00 keine Nachtzeit. Um 9.00 Uhr Morgens sitzen bereits die Schüler im Unterricht und die Mitbürger sind bei der Arbeit. Frühschichten fangen in der Regel um 6.00 Uhr an. Spätschichten sind um 22.00 Uhr zuende. Der Begriff Nachtfreigabe ist also gezielt irreführend.
Motorisierte Radfahrer mit ihren inzwischen schweren Fahrzeugen wie Mountainbikes oder Lastenräder haben auch nichts mehr mit den klassischen Radfahrern gemein. Um so weniger Passanten in der Fußgängerzone, um so größer und gefährlicher wird automatisch die Geschwindigkeit der Motor-Radfahrer.
In der Fußgängerzone von Unna wohnen auch Familien und ältere Senioren über den Ladengeschäftszeilen. Sie ist auch ein Wohngebiet. Viele Wohnungsausgänge liegen, ohne Bürgersteig dazwischen, direkt an der Fußgängerzone. Wer möchte schon direkt vor seiner Haustür einen motorisierten Radverkehr von links oder rechts haben wenn er aus der Tür geht? Inzwischen gelten sogar zweisitzige E-Bikes mit Dach und Ladefläche als „Fahrräder“.
Wie viele notleidende Radfahrer wurden denn Nachts zwischen 0.00 und 5.00 gezählt, die schmerzvoll ihr Fahrrad die wenigen Meter durch die relativ kleine Fußgängerzone schieben mußten ? Der wesentliche Teil wird sie wohl eher überqueren. Die müssen nur wenige Meter schieben wenn sie plötzlich aus der Seitenstraße auftauchen.
Warum fängt die Politik in Unna wieder mit diesem unsinnigen Thema an? Sogar entgegen der Empfehlungen der verantwortlichen Behörden.
Wel sie der Meinung ist daß sie mit billiger populistischer Symbolpolitik eher bei den Bürgern punkten kann als wie mit tatsächlicher Realpolitik !!!
Danke Frau Bärbel Risadelli, daß sie sich bei dem Thema für den gesunden Menschenverstand einsetzen. In Unna sollten wieder mehr die tatsächlichen Probleme der Stadt diskutiert werden anstatt solche plumpe politische Ablenkungmanöver.
Danke für den wirklich sinnvollen Kommentar. Es geht nicht darum, daß es wirklich schwere Unfälle gibt. Es geht um das Gefühl der Fußgänger in Unna. Man muss tagsüber sehr wachsam sein. Entspanntes shoppen ist schon lange nicht mehr möglich.
Jetzt in der Ferienzeit werden wir die Innenstadt meiden. Als Alternative für einen gepflegten Innenstadtaufenthalt bietet sich Lünen oder Kamen an.
Tja Beate, in Kamen ist das Befahren der Fußgängerzone auch zur Tageszeit auf Sonderspuren erlaubt.