
Wo steht Unna beim Klimaschutz? Jetzt tickt die Uhr – bis 2045, denn dann will die Kreisstadt „klimaneutral“ sein.
An dieses hehre Ziel erinnert die Stadtpressestelle und verkündet, dass am Mittwoch, 10. Juni, das neue digitales Klimaschutz-Dashboard offiziell gestartet ist: der Unnaer Klimaticker.
Die Plattform, die ab sofort unter unna.de/klimaticker erreichbar ist, informiert darüber, wie die Stadt bis 2045 „klimaneutral“ werden will.
„Der Klimaticker gibt Aufschluss über den aktuellen CO2-Ausstoß in Unna und über die städtischen Planungen zu den konkreten Reduzierungen“, so das Rathaus.
Neben den Planungsdaten und Szenarien, die „weit in die Zukunft reichen“, werden alle geplanten und aktuellen Maßnahmen der Stadt zur Verringerung des CO2-Ausstoßes aufgeführt.
Der Ticker „bietet Politik, Verwaltung und der Bürgerschaft eine verlässliche Informationsquelle“, zeigt sich die Stadt von ihrer Innovation überzeugt.
Unna sei erst die sechste von insgesamt 53 Kommunen im Ruhrgebiet mit einem solchen Klimaticker, stellt die Stadt stolz heraus.
Unnas Weg zur „Klimaneutralität“: Der stärkste Hebel ist der Stadtverkehr
In ihrer Beschreibung des Ist-Zustands hat die Verwaltung eindeutige Hebel erkannt, die aus ihrer Sicht die stärkste Wirkung zeitigen.
„Zwei Bereiche bestimmen den Kurs besonders stark: Verkehr sowie Energie in Gebäuden und Industrie. Hier entscheidet sich, ob Unna sein Ziel erreicht.“
Verkehr: 52 Prozent – ein großer Anteil entsteht „auf der Durchreise“
„Der Verkehr ist der größte Emissionsposten“, stellt die Verwaltung fest. „Ein wesentlicher Teil entsteht durch Autobahn- und Durchgangsverkehr – darauf hat eine Kommune nur begrenzten Einfluss.“
Umso wichtiger sei der Teil, den Unna direkt steuern könne: die Emissionen im Stadtverkehr.
„Genau hier setzt das Mobilitätskonzept an, u. a. durch: mehr Rad- und Fußverkehr, einen stärkeren ÖPNV (Bus und Bahn), den Umstieg auf alternative Antriebe.“
Gebäude & Industrie: 46 Prozent – der Schlüssel liegt vor allem bei der Wärme
Fast ebenso groß ist der Bereich „stationäre Energie“: Heizen, Warmwasser, Strom- und Energiebedarf in Gebäuden und Betrieben. „Sanierungen und Effizienzmaßnahmen zeigen bereits Wirkung – dieses Tempo muss jedoch deutlich erhöht werden“, fordert die Stadt.
Die Kommunale Wärmeplanung liefere dafür den strategischen Fahrplan: „Wie kann Unna die Wärmeversorgung Schritt für Schritt klimafreundlicher gestalten – passend zu Quartieren, Netzinfrastrukturen und lokalen Möglichkeiten?“
Erneuerbare Energien & Energiesparen: zwei Seiten derselben Medaille
Erneuerbare Energien sind laut Stadt ein zentraler Baustein.
„Aktuell decken Photovoltaik und Wind zusammen rund 12 Prozent des Stromverbrauchs. Gleichzeitig ist das Potenzial hoch: Erst 2.420 von 18.300 grundsätzlich geeigneten Dächern sind bislang mit Photovoltaik belegt.“
Ein oft unterschätzter Punkt – und häufig der schnellste Hebel überhaupt – sei das Energiesparen: Jede eingesparte Kilowattstunde muss gar nicht erst erzeugt, transportiert oder bezahlt werden. Das ist meist kurzfristig wirksam, kosteneffizient und entlastet zusätzlich Haushalte und Betriebe.
Landnutzung: 2 Prozent Emissionen – klein in der Bilanz, groß als CO₂-Senke
Die Landnutzung trägt in der Bilanz zwar nur einen kleinen Anteil zu den Emissionen bei, ist aber als CO₂-Speicher sehr wichtig – etwa durch gesunde Böden, Aufforstung oder mehr Grünstrukturen. In Unna werden rund zwei Drittel der Flächen landwirtschaftlich genutzt. Damit liegt hier ein relevanter Ansatzpunkt, um Bindung (Senken) zu stärken.
Was bedeutet „CO₂-Äquivalente“ (CO₂e)?
Nicht nur CO₂ trägt zur Erderwärmung bei, sondern auch andere Treibhausgase – zum Beispiel Methan. Damit man ihre Klimawirkung gemeinsam darstellen kann, werden alle Gase in CO₂-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet: also in die Menge CO₂, die eine gleiche Klimawirkung hätte. So werden alle Emissionen in einer vergleichbaren Einheit dargestellt: Tonnen CO₂e.
So werden die Dashboard-Zahlen berechnet (Bilanzierung nach BISKO)
Damit die Angaben im Dashboard transparent, nachvollziehbar und über die Jahre vergleichbar sind, nutzt die Kreisstadt die bundesweit einheitliche BISKO-Systematik (Bilanzierungs-Systematik Kommunal). Dabei werden zunächst Verbrauchs- und Aktivitätsdaten erfasst – zum Beispiel Energieverbräuche in Gebäuden und Betrieben oder Kraftstoffmengen im Verkehr. Diese Mengen werden anschließend mit standardisierten Emissionsfaktoren verknüpft und in CO₂-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet. Die Ergebnisse werden einheitlich nach Bereichen wie Verkehr sowie Gebäude/Industrie (stationäre Energie) geordnet. So entsteht eine Bilanz, die zeigt, wo Emissionen entstehen, wie sie sich entwickeln und an welchen Stellen Maßnahmen besonders wirksam ansetzen können.
Die Grenzen der Bilanzierung
Die Zahlen sind in der Regel modellierte Berechnungen aus Verbrauchs- und Aktivitätsdaten mit Emissionsfaktoren, keine direkt gemessenen Werte, und sie werden oft mit Zeitverzug veröffentlicht. Außerdem bildet BISKO vor allem ab, was auf dem Stadtgebiet entsteht (sogenanntes Territorialprinzip): Dadurch erscheinen z. B. Emissionen aus Durchgangsverkehr in der Bilanz, obwohl die Stadt sie nur begrenzt steuern kann, während Emissionen aus Konsum und Lieferketten außerhalb des Stadtgebiets nur teilweise sichtbar werden. Je nach Datenlage ist die Auflösung zudem begrenzt – nicht alles lässt sich quartiers- oder verursachergenau zuordnen – und auch CO₂-Senken (z. B. Böden, Wald, Stadtgrün) sind häufig nur eingeschränkt oder mit Unsicherheiten abbildbar.
Die Energie- und Treibhausgasbilanz für die Kreisstadt Unna wird vom Regionalverband Ruhr erstellt. Aufgrund der Datenverfügbarkeit werden die Ergebnisse in der Regel mit rund zwei Jahren Zeitverzug veröffentlicht.
Quelle: Stadt Unna
































„https://app.climateview.global/public/board/b3c558ec-3552-4c72-809d-21c64c4fc702?tab=interventions“
Nach 30 „geplanten“ Maßnahmen habe ich aufgehört zu zählen- werden da Planstellen eingerichtet werden müssen?
Interessant die Überlegung ältere Bürger durch Beratung und Förderung in kleinere Wohnungen zu bringen – wurden doch gerade das Konzept Wohnungsbau Viktoriastraße gekippt.
Das ist so durchschaubar, wie Rundblick versucht, jedweden Klimaschutz schlechtzureden… Der Klimaticker erwähnt die Radspur am Verkehrsring überhaupt gar nicht! Auch inhaltlich hängt das gar nicht damit zusammen. Der Klimaticker ist nur eine Webseite, um die Arbeit der Stadt transparenter zu gestalten.
Hallo Marko, nein, der Rundblick plappert lediglich nicht jeden Unsinn aus öffentlichen Pressemitteilungen nach. Weil die Radspur am Ring nicht von der Stadt erwähnt wurde, dürfen wir sie nicht erwähnen? Wir erinnern gern daran, dass schon reichlich Planungsgeld in diese Spur geflossen ist und die weitere Planung lediglich durch Intervention von Wir für Unna gestoppt wurde. Zum Zweiten kann man das „Klima“ nicht „schützen“, das ist sachlicher Unfug, denn das Klima ist ein statistischer Durchschnittswert. Man kann, soll und muss die Umwelt schützen, und da herrscht in Unna noch viel Nachholbedarf. Thema – Flächenversiegelungen, Genehmigung riesiger Betonbauten, Vernachlässigung öffentlicher Grünflächen wie dem Stadtgarten. Beste Grüße!
Als studierter Klimaforscher möchte ich darauf hinweisen, dass man das Klima schützen kann und dass man jeden statistischen Durchschnittswert verändern kann. Der menschengemachte Klimawandel ist real, da sind sich die über 14.000 Studien aus dem Bericht des Weltklimarats einig. Wenn die Emissionen nicht massiv gesenkt werden, werden sich Unglücke wie im Ahrtal laut einer Studie in Deutschland häufen. Entsprechend werden laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Kosten von Hunderten Milliarden auf Deutschland zukommen, wenn wir nicht umsteuern. Bitte veröffentlicht als Redaktion keine Meinung zum Klimawandel, ohne vorher die Studienlage gelesen zu haben. Gute Recherche ist sehr wichtig für eine Redaktion. Viele Grüße!
Sehr geehrter Herr Albrecht, Ihre wissenschaftliche Expertise in allen Ehren erlauben wir uns zu widersprechen. Zitat Wikipedia: „Das Klima ist der mit meteorologischen Methoden ermittelte Durchschnitt der dynamischen Prozesse in der Erdatmosphäre: als Zusammenfassung der Wettererscheinungen kleinräumiger Örtlichkeiten (Meso- beziehungsweise Regionalklima) oder bezogen auf kontinentale Dimensionen (Makroklima), einschließlich aller Schwankungen im Jahresverlauf und basierend auf einer Vielzahl von Klimaelementen.“ Einen statistischen Durchschnitt als abstrakte Größe kann „man“ nicht „schützen“, das ist semantischer Unfug. Der Mensch kann und muss die Umwelt schützen sowie auf Faktoren einwirken, die das Klima – also den mittleren Durchschnnittswert – beeinflussen. Aber eben nicht „das Klima“. Ein Durchschnittswert benötigt keinen „Schutz“. In diesem Sinne! VG von der Redaktion.
Danke für die Klärung, dass es sich hier bei Ihnen um eine Diskussion der Semantik handelte. Ich hatte Sie so verstanden, dass Sie den Inhalt des Bereichs Klimaschutz generell in Frage stellen, z.B. auch da das Wort „klimaneutral“ in Ihrem Artikel 2x in Anführungsstriche gestellt ist.
@Jörg Albrecht:
Wenn sie angeblich studierter Klimaforscher sind warum legen sie dann nicht einfach einen wissenschaftlichen Nachweis für die unbelegten Behauptungen vor das und wie genau dieser „Klimaticker“ der Stadt Unna das Klima langfristig beeinflußt ???
Die Stadt Unna selber kann es nicht.
Das Studienfach „Klimaforscher“ gibt es als solches gar nicht und ein Wissenschaftler würde nicht einfach profan lediglich die Überflutungen der nah am Fluß gebauten Häuser im Ahrtal (vor 5 Jahre ! ) als einzigen Beleg für Zwangsmobilitätsmaßnahmen in Unna auführen.
Diese Kommentatoren mit einfache wilde pseudowissenschaftliche Behauptungen ohne Nachweis (da gibt es irgendwie hundertausend Studien zu meiner Meinung) verbreiten sich wie eine Seuche.
Im Netz habe ich nirgendwo einen Jörg Albrecht gefunden der „Klimaforschung“ studiert hat. Da sie ihren Vorwurf nicht mit sachliche Fakten untermauern schätze ich sie persönlich eher als ein Internettroll ein.
PS: Die Politiker im Stadtrat von Unna, die besonders fanatisch dieser Klimasekte folgen, setzen sich seit langem für diese Radspur am Radring ein.