Grüne, autoarme Altstadt: SPD schlägt 3 Quartiere als „Reallabore“ vor

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Eine grüne und möglichst autoarme Unnaer Altstadt soll das Ziel sein: Um es zu erreichen, schlägt die SPD-Ratsfraktion innerhalb der City drei „Versuchslabore“ vor, konkret „Reallabore“, in denen der Autoverkehr zu Gunsten der Verweilqualität maximal reduziert werden soll.

Es sind in erster Linie das Klosterstraßen-/Schulstraßenviertel, weiter der Bereich an der Alten Burg zwischen Museum und Sparkasse und schließlich der Platz vor dem Standesamt.

Wörtlich beantragt die SPD:

„Der Rat beauftragt die Verwaltung, mit einem so genannten „Reallabor“, wie es im Rahmen des Mobilitätskonzeptes ausdrücklich vorgesehen ist, eine Neuordnung des Verkehrs im Quartier Gerhart-Hauptmann-Straße / Klosterstraße / Schulstraße auf Zeit auszuprobieren.

Ziel ist eine deutliche Erhöhung der Aufenthaltsqualität und der Nutzbarkeit des öffentlichen Raums zur sozialen Interaktion:

Das „Reallabor“ beinhaltet:

Ø ein autoarmes Altstadtquartier, das vorrangig von unnötigem Park-Such-Verkehr entlastet wird.

Ø eine Regelung der Zufahrtserlaubnis in das Quartier für Menschen, die zwingend mit Kraftfahrzeugen einfahren müssen wie Anliegern, Inhabern von Stellplätzen, Pflegedienste, Handwerkern, Lade- und Lieferverkehr etc.

Ø eine Regelung für Fuß- und Radverkehr, die sich möglichst ohne Umwege innerhalb des Quartiers bewegen sollen.

Ø die Integration von ausreichend und sicheren Abstellanlagen für Fahrräder.

Ø eine Aufwertung des Parkplatzes Schulstraße zur grünen Mitte mit Sitzbänken, Spielzone etc.

Ø einen begleitenden Denk- und Planungsprozess, der die Bürger intensiv einbindet.

Zur Begründung argumentieren die Sozialdemokraten:

„Wir brauchen eine einfühlsame und verantwortungsvolle Mobilitätspolitik, um die Aufenthaltsqualität in der Altstadt als Unnas „gute Stube“ für alle Menschen nachhaltig zu erhöhen und damit zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt beizutragen.

Fußgänger, Radfahrer, spielende Kinder, Grünflächen und Verweilzonen sollen zukünftig einen größeren Teil von der begrenzt vorhandenen Fläche erhalten.

… Das historische Quartier rund um den Parkplatz Schulstraße bietet sich aus mehreren Gründen dabei als „Reallabor“ innerhalb eines komplexen Planungsprozesses an:

Der Zustand des Parkplatzes Schulstraße ist miserabel und zieht mit rund 40 Stellplätzen unnötigen sowie meist vergeblichen Park-Such-Verkehr in die Altstadt. Dabei bieten umliegende Parkhäuser für Innenstadt-Besucher ausreichend Kapazitäten.

Die kleine Gartenanlage „Mille Fiori“ … an der Schulstraße ist gleichzeitig von vielen Bürgern als Initiialzündung für eine grünere Altstadt begriffen worden und erfährt breite Unterstützung.

Der SPD ist es wichtig, dass die Entwicklung einer autoarmen und grünen Altstadt von Beginn an alltagstauglich entwickelt und für die Bürger verständlich kommuniziert wird.

Die Beteiligung der Stadtöffentlichkeit ist aus diesem Grund ein wichtiges Element.

Als zwei weitere mögliche „Reallabore“ auf Zeit zur Reduzierung des Park-Such-Verkehrs in den Altstadtquartieren bei gleichzeitiger Schaffung von mehr Grün und Aufenthaltsqualität schlägt die SPD-Fraktion den Platz vor dem Standesamt und den Platz zwischen Sparkasse und Museum vor.“

Quelle: Pressemitteilung SPD Unna

Stichwort: REALLABOR (Wikipedia)

Reallabore (englischliving labs) sind eine neue Form der Kooperation zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft, bei der das gegenseitige Lernen in einem experimentellen Umfeld im Vordergrund steht.[1] Akteure aus Wissenschaft und Praxis kommen dort zusammen, um auf Basis eines gemeinsamen Problemverständnisses wissenschaftlich und sozial robuste Lösungen zu erarbeiten und auszuprobieren.[2] Der Begriff des Labors wird hier über seine klassische natur- und ingenieurwissenschaftliche Bedeutung hinaus erweitert auf einen sozialen Kontext.[3] Mangels Kontrollgruppe ist die Validität des gewonnenen Wissens nur schwer zu beurteilen. Dennoch wurde der Ansatz in den letzten 20 Jahren erheblich weiterentwickelt,[3] denn Lösungen für wichtige Zukunftsfragen kann die Wissenschaft heute nur noch zusammen mit der Gesellschaft erarbeiten.[4]
Es wird erwartet, dass die über Reallabore entwickelten wissenschaftlichen Erkenntnisse leichter von Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft aufgegriffen werden und dass die Gesellschaft dadurch handlungsfähiger wird in Fragen einer nachhaltigen Entwicklung.

4 KOMMENTARE

  1. Im Vergleich zu anderen Städten, gibt es in Unna noch nicht so viel Leerstand in der Innenstadt.
    Dieses könnte sich schnell ändern, wenn man Zufahrten stark einschränkt.
    Bisher konnte man die Strassen in der Altstadt immer ohne Wartezeit überqueren.
    Sicher ist der Suchverkehr ein Problem, ich wohne selber in der Altstadt, aber es sollte nicht rigoros gegen den Autoverkehr angegangen werden.
    Noch hat Unna eine funktionierende Innenstadt, dieses kann sich aber schnell ändern wenn man diese unattraktiv macht.
    Es muss auch weiterhin den Bewohnern möglich sein, ihre Fahrzeuge in der Nähe des Wohnortes zu Parken.
    Die Innenstädte werden zum wohnen immer unattraktiver.

    • Dabei soll das Wohnen in der Innenstadt mit diesen Vorschlägen doch gerade attraktiver werden, Herr Heilek… Sie scheinen nicht überzeugt?

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