
Die aktuellen Verkehrsunfallzahlen für die Stadt Unna geben der Ratsfrakton Linke.Volt wie berichtet Anlass zur Sorge. Sie entnahm der jüngsten Verkehrsunfallstatistik eine gestiegene Zahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten im Jahr 2025.
Deshalb hatte sich die Frakton Ende März mit einem umfangreichen Fragenkatalog an die Stadtverwaltung gewandt. Viele dieser Fragen hatten unsere Redaktion etwas verwundert, da regelmäßig in allen örtlichen Medien über diese Themen berichtet wird, auch bei uns im Rundblick.
So müsse sowohl hinreichend bekannt sein, dass die Stadt keine eigenen Tempokontrollen durchführt (der Ordnungsdienst überwacht lediglich den „ruhenden Verkehr“, also Parksünder – das ist in praktisch jeder Kommune im Land so), als auch müssten Lokalpolitiker hinreichend Wissen darüber haben, wo sich die Unfallhäufungsstellen in den Kommunen im Kreis befinden.
Denn die Kreisverwaltung veröffentlicht dazu jedes Vierteljahr die aktuellen Erhebungen der „Unfallkommission“, die auch unsere Redaktion stets ausführlich wiedergibt und erläutert.
Nun hat die Fraktion Linke.Volt aus ihrer eigenen Anfrage ans Rathaus von diesem noch einmal ganz exklusiv erfahren, dass
- es in Unna mehrere Unfallhäufungsstellen gibt,
- die Unfallkommission regelmäßig Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit berät,
- die Stadt keine eigenen Blitzer betreibt
- und auch keine Präventionsmaßnahmen durchführt, um geschwindigkeitsbedingte Unfälle zu reduzieren. Dies ist seit jeher eine hoheitliche Aufgabe der Verkehrspolizei des Kreises Unna.
Nichtsdestoweniger sieht die Linke.Volt hier auch die Stadt in der Pflicht. Insbesondere bei Prävention und Geschwindigkeitsüberwachung gebe es weiteren Handlungsbedarf.
„Genau daran setzen unsere Anträge an. Wenn Unfälle mit Personenschäden zunehmen, darf Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir brauchen einen stärkeren Fokus auf Prävention, den Schutz vulnerabler Verkehrsteilnehmer und eine strategische Verkehrssicherheitsarbeit in unserer Stadt“, betont Thomas Franta von Volt.
Vor diesem Hintergrund bringt Die Linke.Volt zur nächsten Ratssitzung ein Paket aus drei Anträgen ein, das die kommunale Verkehrssicherheitsarbeit gezielt stärken soll.
Ein Schwerpunkt liegt auf einem klaren kommunalen Bekenntnis zur Vision Zero mit dem Ziel, schwerste und tödliche Verkehrsunfälle langfristig zu vermeiden. Die Fraktion fordert die Stadtverwaltung auf, eine verstärkte Teilnahme an Präventionsnetzwerken zur
Verkehrssicherheit zu prüfen und erfolgreiche Ansätze anderer Kommunen stärker zu berücksichtigen.
Als Beispiel verweist Die Linke.Volt auf die Stadt Lüdenscheid, die mit dem Dekra Vision Zero Award ausgezeichnet wurde, nachdem dort über mehrere Jahre hinweg innerorts keine Verkehrstoten verzeichnet wurden.
„Vision Zero ist kein unrealistisches Ziel. Andere Städte in Nordrhein-Westfalen und im gesamten Bundesgebiet zeigen bereits, dass konsequente Verkehrssicherheitsarbeit Leben retten kann“, so Franta.
Ein weiterer Antrag beschäftigt sich mit der Prüfung eigener kommunaler Geschwindigkeitsmessungen.


Nach Auffassung der Fraktion sollte die Stadt Unna prüfen, ob künftig eigene Geschwindigkeitskontrollen an Gefahrenstellen, Schulwegen oder bekannten Unfallschwerpunkten möglich und sinnvoll umgesetzt werden können. Denn:
„Überhöhte Geschwindigkeit ist weiterhin eine wesentliche Ursache schwerer Verkehrsunfälle.
Kommunale Geschwindigkeitsmessungen könnten Kontrollen durch Polizei und Kreis sinnvoll ergänzen.“
Mit einem dritten Antrag nimmt Die Linke.Volt neue Mobilitätsformen in den Blick.
Die Verwaltung soll prüfen, wie Elektrokleinstfahrzeuge (EKF), insbesondere E-Roller (Scooter), künftig „stärker im Mobilitätskonzept der Stadt berücksichtigt“ werden können.

Was sie darunter konkret versteht, erschließt sich aus dem Antrag nicht. Auf Nachfrage unserer Redaktion schickte uns Lea Emler von Volt folgende Antwort:
„Gemeint ist, dass die Stadt die zunehmende Nutzung von Mikromobilität, also insbesondere E-Scooter, aber auch E-Fahrräder und andere elektrische Kleinfahrzeuge in der Verkehrs- und Stadtplanung stärker berücksichtigen muss.
Diese Fahrzeuge sind mittlerweile fester Bestandteil des Straßenverkehrs und bewegen sich deutlich schneller als ihre nicht elektrischen Varianten. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die Verkehrssicherheit.
Hinzu kommt, dass E-Scooter verkehrsrechtlich zunehmend stärker dem Radverkehr gleichgestellt werden. Mit der Novellierung der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV), die ab 2026 stufenweise in Kraft tritt, dürfen E-Scooter überall dort fahren, wo auch der Radverkehr freigegeben ist.
Bestehende Radwege müssen dann genutzt werden. Außerdem werden unter bestimmten Voraussetzungen etwa das Abbiegen bei Rot per Grünpfeil sowie das Befahren von Einbahnstraßen in Gegenrichtung ermöglicht, sofern dies für Fahrräder freigegeben ist.
Dadurch entstehen neue Herausforderungen und möglicherweise auch neue Unfallrisiken, auf die Kommunen frühzeitig reagieren sollten.
Gerade auf schmalen Rad- und Gehwegen entstehen häufiger Konflikte zwischen Fußgängern, Fahrrädern und E-Scootern. Deshalb braucht es sichere und ausreichend breite Infrastruktur.
Aus unserer Sicht sollte die Stadt solche Entwicklungen frühzeitig begleiten, bevor Unfallzahlen steigen. Das entspricht auch dem Gedanken der Vision Zero, Verkehrssicherheit präventiv und nicht erst nach schweren Unfällen mitzudenken.
Dazu gehören beispielsweise:
* eine bessere Fahrbahnbeschaffenheit und sichere Infrastruktur,
* die stärkere Berücksichtigung von Kleinfahrzeugen als eigene Verkehrsart,
* die Analyse von Verkehrsströmen und Unfallschwerpunkten,
* Mikromobilitätskonzepte bei Neubaugebieten,
* sowie Aufklärungs- und Präventionskampagnen zu Helm, Rücksicht und Verkehrsregeln.“
Hintergrund seien jedenfalls steigende Unfallzahlen und die zunehmende Verbreitung dieser „neuen Mobilitätsformen“. „Wer moderne Mobilität will, muss diese auch sicher gestalten.
Verkehrsplanung darf nicht nur auf das Auto ausgerichtet sein, sondern muss neue Mobilitätsformen mitdenken und sicher integrieren.“
Quelle: PM Fraktion Linke.Volt,



































Es ist ja kein Geheimnis, dass überhöhte Geschwindigkeit zu Unfällen führt.
Aber gerade bei E-Scootern sollte das Augenmerk auf eine Schulung der Nutzer liegen.
Die steigenden Unfallzahlen in Unna haben ganz offensichtlich mit Fehlverhalten von Scooterfahrern, Rad und Pedelecnutzern zu tun.
Wer das anzweifelt, der sollte sich mal 15 Minuten an eine der großen Kreuzungen in der Stadt stellen und den Verkehr beobachten.