Unnas einst blühendes Künstlergärtchen Mille Fiori: Dokumentation des Verfalls – Armutszeugnis für die Stadt

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Verwahrlosung und Verfall prägen den früheren blühenden Künstlergarten Mille Fiori neben Unnas künftiger neuer "Verweilfläche", dem "Minette Pötter Park". Er wird für eine halbe Million Steuergeld komplett neu gestaltet. Das ehrenamtlich gepflegte Künstlergärtchen, jahrelang eine Unnaer Besonderheit, ist Geschichte. (Fotos von Martin Trillhose)

Was nicht zerstört wurde oder verrottet ist, wurde von Wildkraut überwuchert oder ist im trockenen, heißen Sommer 2026 schlicht verwelkt und vertrocknet.

Unnas einstiges farbenfroh blühende Künstlergärtchen Mille Fiori in Schrittnähe zur Fußgängerzone an der Massener Straße, mit dem sich auch die Stadtverwaltung gern bis zuletzt ohne eigenes Zutun schmückte, liegt verdorrt und trostlos darnieder.

Direkt daneben lässt die Stadtverwaltung für minestens eine halbe Million Steuergeld einen neuen „Verweilpark“ errichten.

Mille Fiori ist Geschichte.

  • Alle Bilder von Martin Trillhose, aufgenommen Mitte August 2026

Das gänzliche Gegenteil hatte Unnas Bürgermeister seinen Bürgern öffentlich versprochen.

Als sich das Künstlerehepaar Nowordworski vor drei Jahren aus der aufwändigen ehrenamtlichen Pflege des Gärtchens an der Wilhelm-Sternfeld-Gasse zurückzog, weil die allein ehrenamtlich enfach nicht mehr zu leisten war, stellte sich Dirk Wigant (CDU) bei einem großen Pressetermin vor die Bürger und verkündete, dass diese einzigartige Künstler- und Naturoase mitten in der Stadt selbstverständlich und unbedingt erhalten bleibe.

Das jahrelang unermüdlich engagierte Künstlerpaar sah sich sogar noch gesondert mit einem Blumenstrauß und warmen Worten verabschiedet. Sodann ging es mit dem Gärtchen Mille Fiori seinen Lauf und stetig bergab. Nach drei Jahren ist das Drama nun zu Ende.

Hier unsere Dokumentation des Verfalls.

17. September 2023

Der Garten Mille Fiori in der Unnaer City, den 5 Jahre lang das Künstlerehepaar Nowodworski privat hegte und pflegte, gehört nicht zum „begehbaren Bürgerexperiment Reallabor Schulstraße“. Das liegt bekanntlich direkt nebenan.

Gleichwohl sei dieses Gärtlein, welches das Künstlerpaar nach 5 Jahren nicht weiter privat hegen und pflegen mag, „auch in Hinsicht auf das Reallabor wichtig“, erklärte Bürgermeister Wigant am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss, weshalb die Stadt das Kleinod denn auch unbedingt bewahren möchte.

Dies soll aber erklärterweise nicht in städtischer Regie geschehen, sondern weiterhin durch Bürger privat erledigt werden.

Wigant, der für kommenden Montag (18. September) die offizielle Rückübergabe des Gärtleins an die Stadt ankündigte, verkündigte unter „Mitteilungen“ im öffentlichen Teil des Ausschusses denn auch gleich hoffnungsfroh: Man sei bereits in „guten Gesprächen mit Ehrenamtlern“ und guter Dinge, „dass es ganz ähnlich weiterlaufen könnte“ wie in den letzten 5 Jahren mit den Nowodworskis.

Was eben auch „in Hinsicht auf das Reallabor wichtig“ sei. Für dieses Bürgerexperiment unter dem Motto „Park statt Parkplatz“ endet am 30. September die offiziell ausgegebene Testphase.

19. September 2023

„Sie haben etwas Neues in unserer Stadt angestoßen, das nachhaltig Wirkung zeigt. Dafür sind wir Ihnen sehr dankbar.“ –

Mit diesen Worten, so berichtet die Stadtpressestelle, habe sich Bürgermeister Dirk Wigant am Montag, 18. September, bei dem Ehepaar Frauke und Dietmar Nowodworski für seinen jahrelangen Einsatz für das Beet an der Schulstraße bedankt.

Die Künstler hatten sich der städtischen Fläche, die ungenutzt brach lag, 2019 angenommen und sie seitdem liebevoll zu einem Kleinod in der Unnaer Innenstadt umgewandelt.

Die Stadtverwaltung betont, wie sehr sie diesen Einsatz anerkenne:

„Viel Zeit, Herzblut, kreative Energie und auch Geld investierte das Unnaer Künstlerpaar in dieser Zeit in den Garten „Mille Fiori“ – mit Erfolg: Die einstige Brachfläche wurde schnell zu einer beliebten Anlaufstelle für Menschen, die abseits des Trubels in der Innenstadt einen Ort der Ruhe und Kreativität suchten.“

Bürgermeister Wigant hatte in dieser Sache gute Nachrichten mitgebracht, denn mit dem „Club Handicap e.V.“ habe sich ein engagierter neuer Partner der Stadt gefunden, um den Garten „Mille Fiori“ im Sinne der Eheleute Nowodworski weiterzuführen.

Der „Club Handicap“ bereitet seit über 40 Jahren Menschen mit psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen, Angststörungen oder Zwangserkrankungen auf eine Rückkehr in den Alltag und einer Wiedererlangung von sozialer und beruflicher Teilhabe vor. Dazu zählen neben vielen anderen therapeutischen Interventionen auch die Ergotherapie und interne Arbeitstherapie – nach Überzeugung der Beteiligten „ein idealer Brückenschlag zu dem künstlerischen Ansatz des Gartens „Mille Fiori““.

Der Garten Mille Fiori neben dem Reallabor Schulstraße. (Archivfoto RB)

Mit Markus Bast war am Montag der Verwaltungsleiter des gemeinnützigen Vereins mit zu dem Gesprächstermin gekommen. „Wir haben sofort gesagt, dass das genau zu uns passt und wir mit unseren Patienten hier etwas wirklich Wertvolles gestalten können“, sagte Bast.

Die Nähe des „Clubs Handicap“zum Garten sei ein großer Vorteil.

Die Stadtverwaltung sicherte zu, das Engagement des Vereins „nach Kräften zu fördern“. Die offizielle Übergabe soll Mitte Oktober sein.

28. Oktober 2023

Der Mille Fiori an Unnas Reallabor hat neue  „Kümmerer“:

Der Garten „Mille Fiori“ in der Unnaer Innenstadt, den bisher das Künstlerpaar Nowodworski privat pflegte, ist am Freitag offiziell an den Verein „Club Handicap“ und seinen Verwaltungsleiter Markus Bast übergeben worden.

Die Nowodworskis hatten sich der städtischen Fläche, die ungenutzt brach lag, im Jahr 2019 angenommen und neben Zeit und Kreativität auch Geld in den „Mille Fiori“ investiert.

Die einstige Brachfläche entwickelte sich zu einem beliebten Ruheplätzchen. Anders als zuweilen der Eindruck erweckt wurde, gehörte und gehört der Garten nicht zur angrenzenden Versuchsfläche des Reallabors Schulstraße, dem früheren Parkplatz.

Der Garten Mille Fiori neben dem Reallabor Schulstraße. (Archivfoto RB)

Fortan übernimmt der Club Handicap die Pflege.

Skulpturen und Sitzmöbel bleiben im Garten.

Der Club Handicap bereitet seit über 40 Jahren Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Zwangserkrankungen auf eine Rückkehr in den Alltag und einer Wiedererlangung sozialer und beruflicher Teilhabe vor.

Dazu zählen neben vielen anderen therapeutischen Interventionen auch Ergotherapie und interne Arbeitstherapie – ein Brückenschlag zum künstlerischen Ansatz des Gartens „Mille Fiori“.

Der Verwaltungsleiter des gemeinnützigen Vereins, Markus Bast, hatte sich bei der Stadt gemeldet, nachdem er erfahren hatte, dass Frauke und Dietmar Nowodworski das Projekt abgeben wollten.

16. Juli 2025

Bedeutet dies nun das endgültige Aus für das Gärtchen Mille Fiori?

Es war viele Jahre lang ein kleines Gartenparadies, ein buntes, kreatives Idyll schrittnah zur Unnaer Fußgängerzone. Liebevoll bepflanzt und mit Kunstwerken verziert durch privates Engagement eines Unnaer Künstlerpaares, sorgte das Gärtchen Mille Fior zwischen Massener Straße und Schulstraße stets für staunende Bewunderung einheimischer und auswärtiger Besucher, die sich in dem kunterbunten Kleinod gern für eine Rast niederließen.

Die Nowodworskis hatten sich der städtischen Fläche, die ungenutzt brach lag, im Jahr 2019 angenommen und neben Zeit und Kreativität auch Geld in den „Mille Fiori“ investiert.

Als Frauke und Dietmar Nowodnorwski den „Mille Fiori“ im Herbst vor zwei Jahren aufgaben, weil die viele ausschließlich ehrenamtliche Arbeit für sie schlicht nicht mehr zu schaffen war, zauberte die Stadt zunächst eine sofortige Nachfolgeregelung aus dem Hut: Denn die Fläche sei auch mit Blick aufs „Reallabor Schulstraße“, dem für viel Steuergeld zum Park umgemodelten Parkplatz, zu wichtig, betonte Bürgermeister Wigant (CDU) seinerzeit im Haupt- und Finanzausschuss.

Öffentlichkeitswirksam stellte Wigants Verwaltung im Oktober 2023 bei einem Pressetermin den „Club Handicap“ als neuen Gartenverantwortlichen vor und zeigte sich gewiss, damit eine langfristige Lösung gefunden zu haben, die freilich erneut auf reiner Ehrenamtlichkeit beruhte.

Archivfoto vom April 2023: Der Garten Mille Fiori neben dem Reallabor Schulstraße. (Archivfoto RB)
Eine Aufnahme aus der zweiten Juliwoche 2025. Foto Martin Trillhose

Doch es kam anders.

In den letzten Wochen fiel Besuchern zunehmend auf, dass das Gärtchen nicht mehr wie gewohnt gepflegt wird. Gestern waren auch die Hinweisschilder auf den Club Handicap vor Ort verschwunden.

Tatsächlich hat der Verein anderthalb Jahre nach Übernahme der Pflege frustriert das Handtuch geworfen. Verwaltungsleiter Markus Bast bestätigte das unserer Redaktion am heutigen Mittwoch (16. Juli). Seine Antwortmail an die Redaktion kam sehr zügig nur eine Stunde nach Anfrage.

„Ja, tatsächlich habe ich diese Woche mit der Stadt gesprochen und ihnen mitgeteilt, dass wir nicht länger die Pflege übernehmen können/ wollen“, bestätigte Markus Bast.

„Wir werden aber, bis ich Rückmeldung von der Stadt habe, noch mit unseren Möglichkeiten weiter versuchen, den Stand zu halten.“

Rückmeldung von der Stadt bekam unsere Redaktion auf eine entsprechende Anfrage vom Montag bisher auch noch nicht.

Wer die Hinweisschilder auf den Club Handicap an den Bäumen entfernt hat, weiß der Verwaltungsleiter nicht. „Wir waren es nicht. Und dass die Stadt quasi einen Tag nach dem Telefonat schon tätig war, kann ich mir nicht vorstellen…“

Die Hinweisplakate auf den Club Handicap sind verschwunden, einen Tag, nachdem der Verein die Stadt über die Aufgabe der Pflege informiert hatte. (Fotos: Kerstin Jädtke

Die Gründe für die Entscheidung, die Gartenpflege neben dem „Reallabor“ aufzugeben, seien vielfältig, so Markus Bast.

„Es ist schwierig für uns, ständig die Patienten zu motivieren diese Aufgabe zu übernehmen.

Denn, und das ist der Hauptgrund – es wird fast alles, was wir aufbauen, kurzfristig wieder zerstört oder beschmiert.

D.h. konkret: Vandalismus ist ein großes Problem, und die Patienten und Mitarbeiter haben einfach keine Lust mehr, ständig tage- oder sogar wochenlang Dinge zu restaurieren und dann ist am nächsten Tag wieder alles zerstört!

Auch die Rückmeldung aus der Bevölkerung ist „schwierig“, wenn zum Beispiel vorbei laufende Passanten Bemerkungen machen wie „Macht ihr auch endlich mal was…“ oder wir Montag morgens direkt angerufen werden, das der Garten voller Müll ist (nachdem am Wochenende dort häufig Party gemacht wird).

Das ist für unsere Patienten mit teilweise auch sozialen Ängsten wirklich schwierig und eher kontraproduktiv.

Jeder Bürger hätte gerne auch selbst mal Müll aufsammeln können, aber da wird dann die Verantwortung scheinbar komplett auf uns abgewälzt.

Aber natürlich gab es auch Lob, keine Frage- aber die negativen Kommentare wiegen leider schwerer.

Ein weiteres Problem ist nicht nur der Müll an sich- sondern speziell die Tatsache, dass der Garten wohl auch von Junkies genutzt wird und wir dort auch schon Spritzen etc. entfernen mussten- und das kann ich meinen Patienten wirklich nicht zumuten!

Also – es ist einfach zu viel Arbeit für uns – wir haben nur 1-2 therapeutische Gruppen pro Woche (und da kann es auch zu Ausfällen kommen), die sich um den Garten kümmern können, aber die Erwartungshaltung vieler Bürger ist so hoch, dass wir dem nicht gerecht werden können.

Wenn nicht noch (viel) mehr Leute helfen (und das müsste ja auch koordiniert werden), ist es bei den oben geschilderten traurigen Tatsachen nicht leistbar, einen solchen Garten auf dem bekannten Niveau ehrenamtlich zu erhalten.

Denn das muss ja auch dazu gesagt werden, wir haben das freiwillig und unentgeltlich gemacht, sind aber weder Gärtner noch Künstler und konnten nur mit unseren Möglichkeiten versuchen das Beste daraus zu machen.

Wahrscheinlich muss die Stadt, wenn sie an dem Erhalt des Gartens interessiert ist, doch Geld in die Hand nehmen und Firmen mit der Pflege beauftragen- ob das überhaupt bezahlbar ist wage ich allerdings zu bezweifeln.

Ich bedaure unsere Entscheidung sehr und hätte mir gewünscht, dass es besser funktioniert, aber der Umfang der Arbeit ist einfach zu groß- zumindest bei dem Verhalten einiger weniger Menschen, die uns die Freude an dem Garten genommen haben. Und ohne Freude an dieser Arbeit macht es für uns einfach keinen Sinn…“

Die von uns angefragte Stellungnahme der Stadt kam am frühen Abend. Sie lautet:

Die Kreisstadt Unna und der Club Handicap e.V. haben sich einvernehmlich darauf verständigt, dass der Verein die Betreuung des ehemaligen Gartens „Mille Fiori“ an der Schulstraße beendet. Beide Seiten bedauern diese Entscheidung, die mit großem gegenseitigem Respekt getroffen wurde.

Der Club Handicap e.V. hatte die Pflege der innerstädtischen Grünfläche im Herbst 2023 übernommen – mit dem Ziel, den Garten im Rahmen seiner ergotherapeutischen Arbeit in die Tagesstruktur seiner Klientinnen und Klienten einzubinden. Doch im Laufe der vergangenen Monate stellte sich heraus, dass sich dieses Vorhaben in der Praxis nicht in dem Maße realisieren ließ, wie zunächst erhofft.

Auch Bürgermeister Dirk Wigant bringt sein Bedauern zum Ausdruck: „Es ist schade, dass dieses Projekt nicht die Entwicklung nehmen konnte, die wir uns gewünscht haben. Umso mehr danke ich dem Club Handicap e.V. für den aufrichtigen Einsatz. Die Entscheidung, die Betreuung des Gartens abzugeben, verdient Respekt – insbesondere, weil sie auf einer realistischen Einschätzung und dem Wohl der betreuten Menschen beruht.“

Die Stadtbetriebe Unna kümmern sich nun dauerhaft um die Pflege des gesamten Bereichs an der Schulstraße – also sowohl des Minette-Pötter-Parks als auch der bisherigen „Mille Fiori“-Fläche. Konkret bedeutet dies: Die Stadtbetriebe sorgen mindestens einmal pro Woche für Reinigung und Bewässerung der gesamten Anlage.
Darüber hinaus prüft die Stadtverwaltung, inwiefern die Fläche des ehemaligen Gartens „Mille Fiori“ dauerhaft so gestaltet werden kann, dass der besondere Charakter des Ortes bewahrt wird und langfristig weiter entwickelt werden kann.

16. Juli 2025

Nachdem der Club Handicap der Stadt Unna vor zwei Tagen angekündigt hat, den Garten Mille Fiori zwischen Schulstraße und Massener Straße nicht mehr weiter zu pflegen (wir berichteten am heutigen Morgen), macht es die Stadt jetzt selbst.

Bzw. sie lässt es machen, durch die Stadtbetriebe.

Am frühen Mittwochabend schickte das Rathaus eine am Montag angefragte Stellungnahme zur Zukunft des Gartens neben dem Reallabor Schulstraße. Sie lautet:

„Die Kreisstadt Unna und der Club Handicap e.V. haben sich einvernehmlich darauf verständigt, dass der Verein die Betreuung des ehemaligen Gartens „Mille Fiori“ an der Schulstraße beendet. Beide Seiten bedauern diese Entscheidung, die mit großem gegenseitigem Respekt getroffen wurde.

Der Club Handicap e.V. hatte die Pflege der innerstädtischen Grünfläche im Herbst 2023 übernommen – mit dem Ziel, den Garten im Rahmen seiner ergotherapeutischen Arbeit in die Tagesstruktur seiner Klienten einzubinden. Doch im Laufe der vergangenen Monate stellte sich heraus, dass sich dieses Vorhaben in der Praxis nicht in dem Maße realisieren ließ, wie zunächst erhofft.“

(Eine Stellungnahme des Verwaltungsleiters hatte unsere Redaktion bereits am heutigen Morgen eingeholt und veröffentlicht.)

Bürgermeister Dirk Wigant lässt sich in der Pressemitteilung aus dem Rathaus wie folgt zitieren:

„Es ist schade, dass dieses Projekt nicht die Entwicklung nehmen konnte, die wir uns gewünscht haben. Umso mehr danke ich dem Club Handicap e.V. für den aufrichtigen Einsatz. Die Entscheidung, die Betreuung des Gartens abzugeben, verdient Respekt – insbesondere, weil sie auf einer realistischen Einschätzung und dem Wohl der betreuten Menschen beruht.“

Die Stadtbetriebe Unna, so Wigant, kümmern sich nun dauerhaft um die Pflege des gesamten Bereichs an der Schulstraße – also sowohl des Minette-Pötter-Parks als auch der bisherigen „Mille Fiori“-Fläche.

Konkret bedeutet dies: Die Stadtbetriebe sorgen mindestens einmal pro Woche für Reinigung und Bewässerung der gesamten Anlage.

Darüber hinaus prüft die Stadtverwaltung, inwiefern die Fläche des ehemaligen Gartens „Mille Fiori“ dauerhaft so gestaltet werden könne, dass der „der besondere Charakter des Ortes bewahrt wird und langfristig weiter entwickelt werden kann“. Von 2019 bis Herbst 2023 hatte dies das Künstlerpaar Nowodworski getan – mit sehr viel Zeitaufwand, persönlichem Einsatz und wie später der Club Handicap komplett unentgeltlich. Dies war für die Künstler wie auch für den Verein nicht längerfristig zu leisten.

21. Juli 2025

„Mille Fiori bleibt lebendig“, verkündet die Stadt Unna.

Nach dem Rückzug des Club Handicap aus der Betreuung des Gartens „Mille Fiori“ neben dem „Reallabor Schulstraße“ (wir berichteten exklusiv) habe die Stadt Unna gemeinsam mit den Stadtbetrieben und Unna Marketing „kurzfristig eine tragfähige Lösung gefunden“, um, so formuliert sie, „die Zukunft des besonderen Innenstadtgartens zu sichern“.

„Die große Resonanz auf die Nachricht, dass der Club Handicap sich aus der Betreuung des Gartens zurückzieht, hat erneut , wie sehr die Menschen in Unna diesen Ort schätzen“, so Bürgermeister Dirk Wigant.

Nachdem das Rathaus zunächst verkündet hatte, die Stadtbetriebe Unna würden die Pflege übernehmen, erklärt es nun: Das werden die Stadtbetriebe nicht selbst tun.

Sondern: Sie werden kurzfristig einen externen Dienstleister mit der Pflege des Gartens beauftragen – über das Maß der regulären Reinigung hinaus.

„Der Auftrag umfasst die Pflege und Bewässerung der Pflanzen, die regelmäßige Reinigung der Fläche sowie die Bewahrung des Gartens als grünen und offenen Verweilort mitten in der Innenstadt.“

Der Auftrag ist zunächst bis zum Jahresende befristet – auch, um Spielraum für die laufenden Planungen zur Umgestaltung des angrenzenden Reallabors zu lassen. Dieser Park, ehemals Parkplatz, wird bekanntloch für 850.000 Euro umgestaltet.

Wigant dankt ausdrücklich nochmals dem Künstlerpaar Frauke und Dietmar Nowodworski, „die den Garten 2019 ins Leben gerufen und ihn über Jahre mit Herzblut, Kreativität und großem persönlichen Einsatz gepflegt und gestaltet haben“.

Ziel bleibt es nun, eine nachhaltige Perspektive für den Garten zu entwickeln. Iealerweise im Zusammenspiel mit der künftigen Gestaltung des Minette-Pötter-Parks.

„Doch es liegt auch an uns allen in Unna, diesen Ort zu achten und zu schützen – damit ‚Mille Fiori‘ ein Garten für alle bleiben kann“, mahnt Wigant.

23. Juli 2025

„Details zu Vertragsangelegenheiten werden grundsätzlich nicht von der Kreisstadt Unna kommuniziert.“

So kurz angebunden beantwortete die Stadt Unna die Bitte unserer Redaktion um weitergehende Informationen zur künftigen Pflege des Gärtchens Mille Fiori, dem inzwischen vor sich hin darbenden früheren Künstlergärtchens neben dem Reallabor Schulstraße.

Wie berichtet, hatte Bürgermeister Dirk Wigant (CDU) nach dem Ausscheiden des Clubs Handicap, der den Garten seit Oktober 2023 ehrenamtlich betreut hatte, zunächst angekündigt, dass die Stadtbetriebe dies mit übernehmen würden.

Die Einsicht, dass es mit dem geplanten einmal wöchentlichen Müllaufsammeln und Gießen vermutlich nicht getan sein wird, keimte bei Wigant aber offensichtlich schnell.

Jedenfalls kam ziemlich schnell die erneute Ankündigung, dass man für die Pflege des ehemaligen Schmuckstücks – wenige Meter breit und etwa 20 Schritte lang – nun eigens einen externen Dienstleister beauftragen wolle.

Denn auch im Hinblick der mit 850.000 Euro Steuergeld geplanten weiteren Umgestaltung des Reallabors, inzwischen in „Minette-Pötter-Park“ umgetauft, sei der einstige Künstlergarten einfach zu bedeutsam.

Entsprechend der Rückmeldung der Stadt auf die Rundblick-Anfrage gibt es für die steuerzahlenden Bürger, die den zusätzlichen Pflegeaufwand des städtischen Mille Fiori mit ihrem Geld finanzieren, keine Informationen darüber, wie viel sie denn bezahlen werden und welchen Umfang diese „externe Pflege“ haben wird.

Stadtsprecherin Anna Gemünd teilte lediglich mit, dass mit der Betreuung des Gartens „eine Agentur“ beauftragt werde, die „kleine Dienstleistungen verschiedenster Art ausführt“.

Zum Problem der Vermüllung und häufigen Anwesenheit Drogenabhängiger an der Örtlichkeit ergänzte Gemünd:

„Der Ordnungsdienst hat den Bereich nach den entsprechenden Hinweisen des Clubs Handicap in die dauerhafte Kontrolle aufgenommen und zudem die Polizei informiert.“


Hier endet unsere Berichterstattung. Bis zum Ende des Jahres 2025 wurde das Gärtchen noch recht passabel in Schuss gehalten, 2026 ist es nun ganz offensichtlich aufgegeben worden.

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