In den Lockdown – „Tschüss… und hoffentlich bis in 4 Wochen“

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"Hoffentlich bleibt es bei vier Wochen": Helmut Wendels, Betreiber des Check In an der Morgenstraße, ist sich noch nicht sicher, ob er sein Fitnessstudio Anfang Dezember wieder öffnen kann. (Foto RB)

Ein letztes Mal Gewichte stemmen, auf dem Cardiotrainer auspowern, ein letzter Cappuccino mit einem leckeren Stück Kuchen im Lieblingscafé und zum Abschluss an diesem Sonntagabend ein letztes Glas Bier in der Stammkneipe, ein letztes Mal schön essen gehen im Lieblingsrestaurant.

Für so vieles Schöne und Liebgewonnene war es am heutigen Allerheiligensonntag (1. 11. 2020) erst einmal – wieder – das letzte Mal. Für vier Wochen müssen Sport- und Freizeiteinrichtungen, Fitnessstudios, Theater- und Konzerthäuser sowie die gesamte Gastronomie schließen, weil die Bundes- und Landesregierungen hoffen, damit den steilen Anstieg der Covid-19-Neufälle zu stoppen.

Als „Wellenbrecher“ soll dieser Teil-Lockdown wirken. Ob das klappen kann? Und vor allem: Was kommt danach? Wie geht es weiter, im Dezember, Januar, Februar?

Über all diese Fragen herrscht in der Bevölkerung und insbesondere in den betroffenen Branchen Zweifel.

Ein letztes Mal Hantelschwingen und Schwitzen an den Kraft- und Cardiogeräten war heute in den Fitnessstudios angesagt. Im Check In an der Morgenstraße, ältestes Studio in Unna, herrschte an diesem Sonntag noch einmal ziemlicher Betrieb. Für corona-gemäßes Training sorgen schon seit der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown im Frühjahr abgesperrte Geräte, bereitgestellte Desinfektionsmöglichkeiten und zahlreiche Hinweise auf den Trainingsflächen, in den Umkleiden, im Saunabereich.

Helmut Wendels, der das Check In seit Jahrzehnten an der Morgenstraße betreibt, hofft zwar, dass er wie von Ministerpräsident Armin Laschet auf der Pressekonferenz versichert Anfang Dezember wieder öffnen kann; doch Zweifel bleiben; „beim letzten Mal wurden es ja auch drei Wochen mehr, als anfangs gesagt wurde.“

Bei der Zwangsschließung im Frühjahr verlor Helmut Wendels rund 10 Prozent seiner Kundschaft. „Die haben gekündigt“, sagt er. 90 Prozent blieben ihm treu. Das freute und erleichterte ihn.

Jedoch gab es durchaus auch manche Kunden, auch langjährige, die ihn mit ihrem Verhalten sehr enttäuschten:

„Einige, und gerade die, die wirklich nicht auf den Cent schauen müssen, buchten ihre Beiträge für die Wochen, in denen geschlossen war, einfach ohne ein Wort zurück. Dabei enthalten die Verträge eine Klausel, wonach bei Schließungen, die das Studio nicht verschuldet, die Beiträge weiter fällig werden. Das fand ich schon sehr schade, dass noch nicht mal vorher mit mir darüber gesprochen wurde.“

Einen letzten Cappuccino, ein letztes Stück Kuchen, ein letztes Glas frisch gezapftes Bier genossen am Nachmittag viele Besucher in den Lokalen und Cafés, so auch im Café Bistro am Brunnen in Fröndenberg, wo alle erlaubten Plätze drinnen wie draußen besetzt waren.

An Wiedereröffnung nach Ablauf des Novembers glauben sie vom Bistro noch nicht, gehen eher realistisch-pessimistisch davon aus, bis zum Ende des Jahres geschlossen lassen zu müssen.

Abholen und liefern ist den Lokalen zwar erlaubt; doch: „Wir müssen einfach mal sehen, ob sich das rechnen würde. Man muss ja dann auch immer alles oder zumindest vieles vorrätig haben.“

Der Marktplatz in Fröndenberg, gerade frisch nach seiner Neugestaltung wiedereröffnet, wird im November geisterhaft still werden, denn hier muss zusammen mit den drei anliegenden Gastronomiebetrieben auch noch das Tattoo Studio schließen.

Recht gutes Timing hingegen beim Eiscafé Rialto – es ging zum gestrigen Samstag ohnehin in die Winterpause und hofft darauf, im Februar unter halbwegs normalen Umständen wieder seine Gäste bewirten zu können.

Unter dem Motto „wir schaffen das gemeinsam!“ fährt schließlich der Senfladen auf der Massener Straße in Unna nun bis Ende November „mit angezogener Handbremse, um einen Beitrag zum Wohle unserer Mitmenschen zu leisten“, appellierte Inhaberin Annett Kyncl in einem eindringlichen Facebookpost:

Mit angezogener Handbremse: Annett Kyncl und ihr Senfladen-Team halten eingeschränkt die Stellung. (Foto Kyncl)

„Es ist wichtig, dass alle dabei mitwirken, dass wir verstehen, welche Folgen es haben kann, wenn wir es nicht machen. Manche behaupten, dass doch ,alles nicht so schlimm´ sei. Das stimmt! Es stimmt aber nur deshalb, weil wir es verantwortungsvoll genau so machen, wie wir es machen. Wir werden die schwierige Zeit überstehen.“

Der Senfladen bleibt wie schon im Frühjahr-Lockdown auch im November weiterhin geöffnet. Es gelten angepasste Schutz- und Hygieneregeln, im Laden dürfen sich zur Zeit maximal 2 Kunden aufhalten. Speisen gibt es weiterhin, jedoch nur zum Mitnehmen.

Annett Kyncl spricht für alle, die nun schließen müssen: „Bleibt gesund – und hoffentlich bis bald!“

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