Kostenexplosion Grundschule/Kita Hertinger Tor: Entscheidungsdruck bis 1.10.

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Vor Beginn der Sitzung des Schulausschusses und des ASBV. (Foto RB)

„Krisensitzung“ am Donnerstag (3. 9.) zum neuen Grundschul-/Kitastandort in Unnas Süden am Hertinger Tor.

In einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungs- und Schulausschusses unter Beisein der Unnaer Grundschulleitungen in der Stadthalle waren der Politik gehörige Bauchschmerzen ob der Kostenexplosion von fast 9 Mio. Euro anzumerken.

Wir berichteten darüber. Zugleich besteht jetzt Entscheidungsdruck, denn, so betonte der zuständige Beigeordnete Jens Toschläger auf die Frage des letzt möglichen Zeitpunkt für einen Baubeschluss:

„Magischer Zeitpunkt ist der 1. Oktober.“

Sonst, siehe auch der schnelle Baustart des Asylheims an der Kamener Straße, sind die Fördergelder weg.

Beim neuen Bildungszentrum am Hertinger Tor geht es um 7,4 Millionen Euro, so Toschläger.

Er warb zusammen mit der Vertreterin des Planungsbüros bhp eindringlich für diesen modernen neuen Bildungsstandort, der Falk- und Nicolaischule in einem 3zügigen lichten Neubau vereinigen soll, hinzu kommt eine neuer 4zügige SPI-Kita (aktueller Standort Vinckestraße).

Ob die Kosten noch weiter steigen werden, könne die Stadtverwaltung nicht sagen, betonte Jens Toschläger auf Nachfrage Rudolf Fröhlichs (CDU):

„Würde ich ein Auto bauen, könnte ich einen Prototyp bauen und wüsste genau, was alles kostet. Wir bauen hier aber ein Unikat. Wir können nicht sagen, was der Markt mit uns macht.“

Wenn „wir jetzt alle fest die Daumen drücken“, machte Toschläger in Optimismus, „erzielen wir bei den nächsten Schritten Vergabegewinne. Für konkrete Aussagen ist das Geschäft zu vage und zu heiß.“

Schulleitungen begeistert

Inbrünstig zustimmend und uneingeschränkt begeistert äußerten sich in kurzen Wortmeldungen die kommissarische Leiterin der Falkschule und der Leiter der Nicolaischule zu den Neubauplänen; Letzterer unterstrich eindringlich, dass er dabei ausschließlich vom Kind her denke: „Wir brauchen die Räume – weil uns die Kinder am Herzen liegen.“

In einem gemeinsamen Beschluss sprachen sich die beiden Schulkonferenzen einstimmig für die neue Schule aus.

Flammender Appell für Mut vs. Sorge um Hintertreffen

Einen flammenden Appell, hier „Mut“ zu haben für ein solches Projekt mit „Strahlkraft in die Region“, hielt Michael Sacher (Grüne) als Vorsitzender des Schulausschusses.

Worauf ihm Gerhard Heckmann (CDU) ebenso eindringlich entgegnete:

Es gebe in Unna zahlreiche Schulen mit Sanierungsbedarfen. Und es gebe die Planung einer weiteren komplett neuen Schule (Hellweg-Realschule). „Ich habe die Befürchtung, dass dies über diesem Strahlkraftprojekt ins Hintertreffen gerät.“ Eine der momentan viel diskutierten ausstehenden Sanierungsnotwendigkeiten ist die Kernsanierung der maroden Schultoiletten der Massener Sonnenschule (wir berichteten.)

Die Kritikpunkte der FLU fasste Fraktionsvorsitzender Klaus Göldner schriftlich zusammen (siehe weiter unten im Artikel).

Beraten wird jetzt bis zu den Schul- und Stadtentwicklungsausschusssitzungen am 22./23. September.

Die Vorstellungen des Planungsbüros bhp:

Der Wunsch, die Grundschule, die KiTa als Familienzentrum und die neue Sporthalle um eine gemeinsame Mitte zu gruppieren, bot den Schlüssel zu unserem architektonischen Konzept, mit dem Ziel einen ganzheitlichen Bildungsstandort zu schaffen. 

Um das Gebäude in seine z.T. kleinteilige Umgebung einzufügen, wurde das Raumprogramm funktional auf vier „windmühlenflügelartig“ angeordnete einzelne Häuser aufgeteilt. 

Die Außenfassaden sind mit einer vertikalen, strukturierten Holzlamellenfassade überzogen, die im Bereich der Fugen zwischen den Baukörpern von großflächigen Verglasungen durchbrochen sind. Der zentrale Luftraum, mit der Spiel- und Bühnentreppe verbindet die verschiedenen Nutzungseinheiten, sorgt für eine einfache Orientierung, schafft Begegnungsräume und fördert das stufenübergreifende Lernen.

 Die Innenräume bleiben mit Ausnahme weniger Farbakzente zurückhaltend und beschränken sich auf wenige Materialien, um hier der Gestaltung und Belebung durch die Nutzer den Vorrang zu lassen. 

Die Baukörper positionieren sich so auf dem Grundstück, dass für die unterschiedlichen Nutzungen klar zugeordnete, großzügige Schulhof- und Freiflächen entstehen.“

Die kritischen Anmerkungen der Freien Liste Unna (FLU):


„Die ursprüngliche Absicht eines Schulneubaus auf dem Areal des sogenannten Hertinger Tores wurde von der FLU grundsätzlich begrüßt. Der immer wieder erweiterte Gesamtumfang der Planung, die nicht hinreichend gelöste Verkehrsproblematik im Umfeld und die schon jetzt drohende Kostenexplosion bis zur Fertigstellung des Projektes haben die FLU als einzige politische Kraft dazu veranlasst, bereits dem Aufstellungsbeschluss nicht zuzustimmen.

Seit der Sitzung des Hauptausschusses am 20. August, in der eine vorläufige Kostensteigerung von nahezu 9 Mio. Euro auf nunmehr fast 30 Mio. Euro prognostiziert wurde, scheint sich das Meinungsbild auch bei den anderen Fraktionen und Gruppierungen geändert zu haben.

Die CDU erklärte, sie sei sprachlos und wütend, weshalb sie dem Projekt nunmehr nicht mehr vorbehaltlos zustimmen werde. Die WfU hinterfragt die komplette Planung. Die Linke will ein neues Verkehrskonzept mit Bürgerbeteiligung.

Die SPD möchte mit „spitzem Bleistift“ nachrechnen, Grüne fordern Einbahnstraße statt Kreisverkehr. Die FDP fordert gar organisatorische und personelle Konsequenzen im Rathaus.

Das, meine Damen und Herren, ist keine gesunde Grundlage für einen Baubeschluss von dieser Tragweite. Was hat sich denn seit dem 20. August tatsächlich verändert?

Es ist seither nichts geschehen, was die oben genannten Bedenken auch nur annähernd ausräumen könnte. Im Gegenteil, der Kämmerer kratzt jetzt überall das virtuelle Geld und noch nicht geflossene Fördergelder zusammen, um die Machbarkeit zumindest auf dem Papier darzustellen.

Alle Gelder, die in den nächsten Jahren möglicherweise zur Verfügung stehen, werden in dieses Leuchtturmprojekt fließen.

Das alles in einer Situation, in der wir noch nicht annähernd wissen, welche finanziellen Folgen Corona für diese Stadt hat. Und Stichwort Corona: Wir vermissen in der Vorlage eine belastbare Aussage darüber, ob und wie das Schulprojekt dazu geeignet sein könnte, einen Unterricht auch bei späteren Pandemien sicherzustellen.“

Ein anderer strittiger Punkt ist noch die Verkehrsfrage: Dem an der Hertinger Straße geplanten neuen Kreisverkehr werden laut heutiger Information der Stadt 7 Bäume zum Opfer fallen.

Verkehrsplanung mit Kreisel an der Hertinger Straße. Grafik Stadt Unna
unterschrift

     

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Entwurf
2019

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4 KOMMENTARE

  1. Und was ist mit den Zuständen an der Grundschule Unna-Massen ,? Toiletten ?
    wann passiert da endlich was Herr Toschläger ?
    Nicht sabbern , sondern Fakten

  2. Man darf nicht ernsthaft über die Planung des Projektes nachdenken.
    Da wird im unmittelbaren Einzugsbereich der Nikolai und Falkschule der Weber Sportplatz zur freien Bebauung frei gegeben um kurze Zeit später einen Ersatz für eben diese Schulen 1.5 KM bzw. fast 1 KM entfernt einen neuen Standort am Hertiger Tor zu finden.
    Wohl Wissend, dass die Eltern der heutigen Grundschüler selbst einen Schulweg von 47 Metern für unzumutbar halten. Hol- und Bringservice einschließlich Missachtung von Verbotszonen für PKW eingeschlossen.
    Der Verkehrskollaps ist eigentlich für jeden Unnaer voraussehbar. Da hilft auch keine Studie die entsprechend des Auftragsgebers eine Machbarkeit attestiert.
    Es gibt keine Alternativen zur Hertinger Straße denn die Iserlohner Straße und der Kessebürener Weg sind schon heute überlastet.
    Erstaunlich die Bravorufe der Grünen.
    Wollen sie doch ein Umdenken rauf aufs Rad ist doch ein gefahrloser Radweg aus dem Innenstadtring zur B1 nicht machbar bzw. findet in den Planungen nicht statt.
    Dazu kommen dann noch die Planungen für die Schule.
    Die ehemals 5 Zügigkeit wird in 2020 bereits auf 3 Züge begrenzt damit die 80 Schüler in der zu knapp bemessenen neuen Grundschule überhaupt Platz haben.
    Das heißt. Andere Schüler werden abgewiesen und müssen unter Umständen noch weitere Wege in Kauf nehmen.
    Und bei 39 Millionen ist bei der Stadt Unna längst nicht Schluss. Dass ist die Summe die aufgerufen wird um das Projekt durchzubringen. Am Ende werde es für den Steuerzahler fast 50 Millionen sein für eine Grundschule mit 3 Klassen und 81 Schülern.
    Subventionen werden auch nächstes und übernächstes Jahr fließen, vielleicht auf Grund der miserablen Situation der Städte auch höher ausfallend.
    Insofern zeigt sich hier mal wieder die Borniertheit dieses Stadtrates.
    Hoffe die Wähler haben für den Sonntag begriffen.

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