City Werbering-Vorsitzender zum Parkkonzept: „Brutal, radikal, nicht zielführend“

8
1338
Eingeschränkte Parkerlaubnis in der Unnaer City, hier an der Burgstraße. - Foto Rinke

„Brutal, mit vielen Fehlern behaftet und nicht zielführend.“

Klar und prägnant urteilt der Vorsitzende des City-Werberings Unna (CWU), Thomas Weber, über den Entwurf der neuen Parkraumkonzepts (HIER), das den Ratsfraktionen in der vergangenen Woche erstmals vorgestellt wurde und welches auch die Vertreter der Kaufmannschaft an diesem Abend zum ersten Mal zu Gesicht bekamen.

Die Pläne der Stadtverwaltung sehen im Kern einen regelrechten Kahlschlag bei den Innenstadtparkplätzen vor (gut 100 Stellplätze sollen entweder ersatzlos verschwinden oder Radstellflächen bzw. dem Innenstadtradring weichen), dazu eine drastische Verteuerung der Parkgebühren auf über 3 Euro bei gleichzeitiger Verkürzung der Höchstparkdauer auf maximal zweieinhalb Stunden.

Mit Parkscheibe soll das Parken auf eine Stunde limitiert, die Gebühr für einen Bewohnerparkausweis von 30 auf 120 Euro vervierfacht werden.

Mit dem Vorsitzenden des Werberings, Thomas Weber vom „Hosenspezialist“ an der Wasserstraße, führte unsere Redaktion am Dienstagvormittag (14. März) eine telefonisches Interview.

Der Vorstand des City-Werberings Unna, 2. v. li. Vorsitzender Thomas Weber. – Foto CWU

Herr Weber, was sagt der City-Werbering zu dem geplanten Parkkonzept?

Thomas Weber: Ich muss vorausschicken, dass wir selbst erst vor anderthalb Wochen von diesen Planungen erfahren haben. 5 Tage vor der Vorstellung des Konzepts wurden wir eingeladen. Natürlich haben wir uns eindeutig dazu positioniert. Das Konzept hat viele Fehler und ist so nicht zielführend.

Unsere Redaktion und viele Leser vermuten, dass man die Autofahrer mit Gewalt in die Parkhäuser zwingen will.

Thomas Weber: Das scheint ganz offensichtlich das Ziel zu sein, darum soll die Gebühr in den Parkhäusern auch nicht angehoben werden. Das wird aber so nicht gelingen. Wir haben zum Beispiel eine wachsende Zahl älterer Mitbürger, die es bei einem Arztbesuch gewohnt und auch darauf angewiesen sind, etwas näher zu parken. Die vorgesehene Höchstparkdauer von zweieinhalb Stunden ist viel zu knapp bemessen, und mit über 3 Euro für eine Stunde Parken kommt Unna an Düsseldorf oder München heran.

Für den City-Werbering verfolgen wir seit Jahren ganz andere Ansätze, die sich in diesem Entwurf leider überhaupt nicht wiederfinden.

Welche Ansätze sind das?

Thomas Weber: Ich bin jetzt über 20 Jahre im Vorstand des CWU. Seit Jahrzehnten drängen wir immer auf eines: ein Parkleitsystem. Und bis heute fehlt es. Das große Problem der Parksuchverkehre in der Innenstadt sehen wir selbstverständlich auch. Das bekommen wir aber eben nur mit einem Leitsystem in den Griff, mit dem man den Verkehrsteilnehmern schon auf der Anfahrt zur Innenstadt, schon an der B1, übersichtlich und topaktuell signalisiert: Da und dort sind Parkplätze, Tiefgaragen, Parkhäuser, und so viele Plätze sind dort gerade frei oder nicht frei. Nur so geht es.

Den Grundgedanken, das Parken in die Parkhäuser zu verlagern, finden Sie richtig?

Thomas Weber: Der Ansatz ist richtig, aber wir zäumen das Pferd von hinten auf. Man kann doch gerade von auswärtigen Besuchern und Kunden nicht erwarten, dass sie auf Zufall drauflosfahren, um ein Parkhaus zu finden, das gerade ausreichend Plätze frei hat – und wenn nicht, drehen sie eine weitere Runde um den Ring? Dann wird das mit dem Parksuchverkehr erst recht chaotisch.

Meiner Meinung nach wurde eine Riesenchance vertan, als vor einigen Jahren das Parkhaus an der Massener Straße und die Tiefgarage am Neumarkt saniert wurden und nicht beide gleichzeitig auch ein Leitsystem bekamen. Wie will man das Problem mit den Parksuchverkehren lösen, indem man es verschärft? Diesen Ansatz des Konzepts verstehen wir nicht.

Handel in Unna – Archivbild RB

Befürchten Sie, dass mit diesem Parkkonzept Kunden in der Innenstadt ausbleiben?

Thomas Weber: Davon gehe ich aus. Ich habe den Vertretern der Stadt bei der Vorstellung des Entwurfs klipp und klar gesagt: Wenn ihr das publik macht, habt ihr ein halbes Jahr Leserbriefe und auf unabsehbare Zeit negative Presse. Unna kann keine dauerhafte negative Berichterstattung gebrauchen. Handel und Gastronomie, die sich gerade versuchen zu erholen, können das absolut nicht gebrauchen. Das wird aber passieren, wenn ihr dieses Riesenfass aufmacht, sagte ich. Und ich kann Ihnen sagen, die meisten haben zustimmend auf den Tisch gehauen.

Haben Sie eine Erklärung für derart radikale Pläne?

Thomas Weber: Ich habe absolut keine Erklärung dafür. Ich frage mich, wo diese Brutalität der Forderungen herkommt. Ich sehe auch nicht unbedingt Vorteile für die Anwohner. Derzeit haben wir 288 innerstädtische Parkplätze. 191 werden von Anwohnerparkausweisen blockiert. Jetzt noch 88 Parkplätze weg – das gibt Chaos sondergleichen. Das Konzept enthält darüber hinaus auch grobe handwerkliche Fehler.

Welche wären das?

Thomas Weber: Es sind zum Beispiel überhaupt keine Motorradparkplätze vorgesehen. Motorradfahrer dürfen nicht ins Parkhaus. Früher konnten Biker ihre Maschinen an der Hertinger Straße abstellen. Und jetzt? Da werden sich Biker sagen: Nö, nach Unna musst du nicht mehr fahren. Was ebenso komplett fehlt, sind zentrale Lieferparkplätze für die Warenanlieferung. Darin findet sich nichts in dem Konzept. Da ist Tabula Rasa gemacht worden. Wir sind überhaupt nicht begeistert!

Die autofreie Innenstadt ist aus Ihrer Sicht…

Thomas Weber: … in der Praxis nicht umzusetzen. Es wird sie nie geben. Man muss die Parksuchverkehre leiten und nicht radikal Parkplätze rasieren. Das verschreckt die Besucher der Innenstadt und hilft auch den Anwohnern nicht.

Und den Radlern? Würde es wenigstens denen helfen?

Thomas Weber: Ich fahre selbst extrem viel Rad und freue ich über gut ausgebaute Radwege. Aber dieser geplante Innenstadtradring führt zum Beispiel auch über Privatfläche, über das Grundstück der Volksbank. Das war mit der Volksbank noch gar nicht besprochen. So etwas meine ich, wenn ich das Konzept als Schnellschuss bezeichne und es für fehlerhaft halte. Ganz davon abgesehen, dass mir der Ansatz und die Radikalität nicht einleuchten.

Haben Sie die Hoffnung, an dieser Radikalität noch etwas ändern zu können?

Thomas Weber: Sowohl Herr Fröhlich von der CDU als auch Herr Laaser von der SPD haben mir versichert: Nichts wird ohne den City-Werbering entschieden. Mit der SPD wird es kommende Woche ein Gespräch geben. Daher habe ich derzeit schon Hoffnung, dass dieses Konzept so nicht umgesetzt wird. Autofrei ist in der Praxis nicht umzusetzen.

  • Das Gespräch mit Thomas Weber führte Silvia Rinke

8 KOMMENTARE

  1. Vollkommend zutreffend die Aussagen des City Werberinges bis zum letzten Absatz.
    Es mag ja sein dass H. Fröhlich beschwichtigende Worte gefunden hat aber die nutzen wenig da er (und auch alle CDU-Fraktionsmitglieder) offensichtlich ihre Meinungen nur noch partiell in ihrer Projektgemeinschaft einbringen können. Anders ist der veröffentliche Vorschlag zum Parkkonzept wohl kaum zu sehen. Und von einer Partei mit ideologischen Scheuklappen, die nicht in der Lage ist die Tragweite ihrer Entscheidungen zu erkennen, ist nichts anderes zu erwarten. Abgesehen davon dass H. Weber bereits Lösungen angesprochen hat gibt es weitere Ideen einerseits, andererseits ist ja wohl seit Mitte letzten Jahres die Planersocietät Mobilität.Stadt.Dialog damit beauftragt, zusammen mit Verwaltung und Bürgern und vermutlich für ein Honorar im 6stelligen Bereich, ein gesamt Konzept Verkehrswende Unna auszuarbeiten das Ende 2023 vorgestellt und vom Rat verabschiedet werden soll.
    Was soll also dieser Unsinn dieses Konzept bereits jetzt zu konterkarieren.

  2. Man sollte die Lobby des ADFC in Unna mal etwas einschränken. Der Ideenreichtum der Grünen in Deutschland nimmt derzeit Ausmaße an, welche auf keine Kuhhaut gehen.
    Wenn Grüne mal eben zur Oscarverleihung jetten und der Kleine Bürger soll es ertragen und bezahlen.
    Wenn wir die Luft in Unna verbessern wollen, dann sollten wir den Stauverkehr nicht durch die Innenstadt sondern außen herum leiten. Das schafft auch mehr Sicherheit für Radfahrer.
    Wenn man nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt darf, stellt dann das Rathaus Personal zur Verfügung, um den Menschen hier die Einkäufe nach Hause zu tragen.
    Ich habe mit den Verkehrsplanern hier in Unna meine Erfahrungen gemacht und denke, dass die gar keinen Führerschein haben.
    Hoffentlich können die wenigstens Radfahren.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here