Weihnachtskirchgang 2020 – „Sicherer als jeder Aldi-Besuch“

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Altarraum in der Liebfrauenkirche Holzwickede an Heiligabend 2020. (Foto RB)

Statt an „normalen“ Weihnachtsfeiertagen drangvoller Enge herrschte in den katholischen Kirchen an diesem „Corona-Weihnachten“ luftige Weite.

In der Holzwickeder Liebfrauenkirche saßen am Heiligen Abend die wenige Dutzend zugelassenen (und vorab registrierten) Gottesdienstbesucher bis zu 10 Meter auseinander. Die meisten trugen statt einfacher Alltags-Mundnasenschutze FFP2-Masken, eine einzige Messdienerin und eine Lektorin flankierten im Altarraum (mit weitem Abstand) den Gemeindepfarrer Bernhard Middelanis, der mit einer noch nie dagewesener kleiner Runde einen schlichten, bewusst kurzen Heiligabendgottesdienst feierte. Und vorab noch einmal alle Besucher bat, sich sorgfältig an die Infektionsschutzbestimmungen zu halten.

„Dass wir an diesem Weihnachten in den Kirchen Gottesdienst feiern, war umstritten. Ich bitte Sie alle, verantwortungsvoll dafür zu sorgen, dass von den Gottesdiensten keine Gefahr ausgeht.“

So wurde die Kommunion den Besuchern zum Platz gebracht, und die einzigen, die an diesem Weihnachtsfest in den Kirchen singen durften, waren der Pfarrer und der Organist: Der Gemeinde war es durch die Coronaschutzverordnung verboten.

So leer wie wohl noch nie an einem Heiligen Abend: Die Liebfrauenkirche Holzwickede. (Foto RB)
Erster Weihnachtstag in St. Marien Fröndenberg: Jede zweite Bankreihe war abgesperrt, die (ledigich zwei) Messdienerinnen trugen zum neben Mund-Nasenschutz weiße Handschuhe. (Foto RB)

„In unseren Kirchen beim Gottesdienst ist es sicherer als bei jedem Einkauf bei Aldi.“

So drückte es ein Vorbereitungs-Teammitglied einer katholischen Pfarrgemeinde aus dem Kreis Unna privat in einer Mail an unsere Redaktion aus, als am Tag vor Heiligabend die Wogen hochschlugen wegen des Festhaltens der katholischen Kirche an Präsenzgottesdiensten trotz des Corona-Lockdowns. Viele fehlte dafür das Verständnis.

Wie berichtet, hatte sich Ministerpräsident Armin Laschet zwei Tage vor Heiligabend ausdrücklich gegen ein generelles Gottesdienstverbot ausgesprochen, woraufhin einige Pfarrgemeinden dennoch kurzfristig die Entscheidung zur Absage ihrer Präsenzangebote trafen: Darunter war der Pastoralverbund Menden im Märkischen Kreis, wo ausgerechnet am Tag vor Heiligabend die 7-Tages-Inzidenz an Neuinfektionen deutlich über die kritische Marke von 200 gesprungen war.

Im Kreis Unna, wo der für Verschärfungen maßgebliche Wert seit ca. zwei Wochen wieder unter den „Extrem-Hotspot“-Wert gesunken ist (zum 1. Weihnachtstag, 25. 12., wies das Robert-Koch-Institut den Wert 184 aus), wurden die katholischen Gottesdienste in den Kirchen zu Weihnachten nur in einer einzigen Stadt abgesagt – Bergkamen.

In allen anderen 9 Städten und Gemeinden des Kreises fanden Gottesdienste, Krippenspiele und Andachten unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wie geplant statt.

Zutritt nur für Angemeldte: Hinweis auf der Homepage von St. Marien Schwerte.

Der Pastorale Raum Unna-Fröndenberg-Holzwickede kündigte am 23. Dezember auf seiner Homepage das weitere Vorgehen an: Die Gottesdienste bis einschließlich zum 2. Weihnachtstag finden wie geplant statt, und ab dem 27. Dezember wird anhand der Pandemieentwicklung entschieden. Sollte die 7-Tages-Inzidenz (Neuinfektionen in 7 Tagen pro 100.000 Einwohner) im Kreis Unna erneut über die 200er-Marke klettern, werden in den drei Kommunen bis zum 10. Januar alle Präsenzangebote abgesagt.

Die katholischen Pfarrgemeinden von Bergkamen trafen diese Entscheidung – als einzige im Kreis Unna – schweren Herzens bereits vor Weihnachten. Alle Präsenzgottesdienste bis zum (zunächst so befristeten) Ende des Lockdowns, dem 10. Januar, werden gestrichen.

Screenshot_2020-12-25 Gottesdienstordnung an Weihnachten – Katholische Kirche in Bergkamen

In der Nordbergstadt verortet das Kreisgesundheitsamt seit ca. 2 Wochen mit die meisten täglichen Neuinfektionen; deutlich vorn liegt indessen weiterhin Lünen, die einwohnerstärkte Stadt im Kreis, wo der dortige Pastoralverbund gleichwohl bis zur Stunde an den Gottesdiensten in den Kirchen festhält.

Gleichwohl biete alle katholischen Pfarreien ebenso wie die evangelischen Gemeinden bewusst auch Alternativen an – Onlinegottesdienste, offene Kirchen – und appellieren an hohe Eigenverantwortung der Gemeindemitglieder: So betont die Pfarrgemeinde St. Ludger Selm:

„Viele entscheiden sich freiwillig, Zuhause zu bleiben. Wir tragen diese Entscheidung ausdrücklich mit. Auch gilt selbstverständlich, dass die Anmeldung bzw. der Besitz einer Eintrittskarte für einen unserer Präsenzgottesdienste nicht zum Besuch verpflichtet. Entscheiden Sie bitte verantwortungsvoll, welche Gottesdienste sie besuchen. Personen, die Krankheitssymptome verspüren, werden ausdrücklich gebeten, trotz erfolgter Anmeldung zu Hause zu bleiben.“

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