
- Ein Meinungsbeitrag unserer Redaktion.
„Die aktuelle Kostenprognose für den Ausbau des Minette-Pötter-Parks liegt bei rund 500.000 Euro bei einer Förderquote von 80 Prozent. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Klima- und Transformationsfonds des Bundes über die KfW-Bank. Das Gesamtvolumen für die noch zu errichtende Mobilstation liegt bei rund 150.000 Euro, die Fördersumme beträgt hier 84.000 Euro. …“
Als wäre Fördergeld kein Steuergeld. Na dann.
Mit oben zitierten kurzen Sätzen endet eine gefühlt kilometerlange Jubelarie der Unnaer Stadtpressestelle, mit der sie heute mit zweitägiger Verzögerung die am 30. September vollzogene öffentliche Eröffnung des „Minette-Pötter-Parks“ bepreist. Jenen Park, der ehemals als lebhaft genutzter Innenstadtparkplatz an der Schulstraße ein Begriff war, um 2022 zu einem seltsamen Konstrukt namens „Reallabor“ unter grünschwarzer Ägide zu mutieren und etwa ein, zwei Jahre lang als bizarre begehbare Petrischale diente.
Am hochsommerlich warmen letzten Septembernachmittag des sich neigenden Jahres sah sich dieser frisch bepflanzte und noch makellos saubere Pötter-Park trotz emsigen Trommelns der Stadt auf ihrem Social-Media-Kanal in Vorfeld doch sehr wenigen interessierten Bürgern gegenüber. Dafür aber umso mehr Offiziellen, die sich angeführt vom Bürgermeister und seinem Beigeordneten zwei Stunden lang mehr oder weniger ergiebig gegenseitig auf die Schultern klopften und sich ungeachtet der mageren Bürgerresonanz tatsächlich noch in eine Reihe hinstellten, um breit in bereitgestellte Kameras lächelnd das rote Band zum „Parkeingang“ zu durchschneiden.
Dieses mehr als übersichtliche öffentliche Interesse an dieser von Selbstbeweihräucherung umwaberten Parkeröffnung, schon der zweiten an diesem schlichten Ort in nur vier kurzen Jahren, warf ein grelles Licht darauf, auf welche Priorität Unnas Bürger selbst diese weitere „Innenstadt-Verweiloase“, mit denen ihre Stadt sie beglückt, für sich eingestuft haben. Der neue Park abseits der Fußgängerzone an der Massener Straße ist mit seiner neuen Bepflanzung, neuen Spielgeräten und neuen und daher eben (noch) makellos sauberen Sitzgelegenheiten ein nettes Fleckchen Unna geworden.
Punkt.
Nicht weniger ist dieser Park geworden, aber eben auch nicht mehr. Das Außergewöhnliche des Gärtchens „Mille Fiori“ dort an dieser Stelle, von einem Künstlerehepaar über Jahre hinweg ganz privat auf eigene Kosten für die Stadt gehegt und gepflegt, ist dahin. Das kreative, kunterbunte und üppig bepflanzte Gärtchen wurde, wie alles andere des „ersten“ Parks nach der Beseitigung des Schulstraßenparkplatzes, zuerst Vertrocknung und Vergammelung anheim gegeben und final schnöde vom Bagger überrollt und neu eingesät. Diesmal deutlich weniger pflegeaufwendiger und daher auch viel weniger außergewöhnlich als zu Mille Fiori-Zeiten. Nachhaltig geht allemal anders, aber das sei nur am Rande noch erwähnt, denn mit Nachhaltigkeit hat es Unna ohnehin nicht so. Stichwort Mühle Bremme aka Einkaufszentrum Neue Mühle.
Ein netter Spielplatz und ein netter Park ist dieser Minette-Pötter-Park also geworden. Den Kindern sei´s von Herzen gegönnt und dem nach Verweilen dürstenden Innenstadtpublikum ebenfalls. Mal abzuwarten bleibt, wie viel Innenstadtpublikum in diesem neuen Kleinod nun tatsächlich verweilen wird wollen. Nach der ersten Umgestaltung 2021/22, die ebenfalls schon über 200.000 Euro gekostet hat und dem Bürger damals großspurig als „Reallabor“ mit stetig laufender Bürgerbeteiligung und eigener Veranstaltungswebsite (!) verkauft wurde (die Website, ein Kommentator hier hat es messerscharf schon vor längerer Zeit erkannt, wurde stillschweigend eingestampft), also schon damals sah man dort durchaus hin und wieder Menschen sitzen, Kinder spielten auf dem Mini-Spielplatz, Senioren rasteten. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
Doch ein Hauch der Verwahrlosung legte sich in den letzten zwei Jahren bereits über die Beete, Sträucher und insbesondere über das einstige Kleinod Mille Fiori, für das sich am Ende niemand mehr zuständig fühlte, was man leider überdeutlich sah, es war schlichterdings ein Trauerspiel.
Inzwischen hat der fleißige Steuerzahler nur für diese zweite dieser zwei Neugestaltungen binnen vier Jahren schon wieder eine satte halbe Million Euro hingeblättert. Wodurch diese atemberaubende Summe, die die rathauseigene PR-Abteilung elegant in den zweitletzten Satz ihrer kilometerlangen Eröffnungs-Pressemitteilung versteckt, nun konkret zu rechtfertigen ist, bleibt dem steuerzahlenden Bürger nebulös verborgen, zu einer Kostenaufschlüsselung sieht die Stadt nämlich keinen Anlass. Wahrscheinlich, weil Geld sowieso keine Rolle spielt, wenn man es als schier unerschöpflich sprudelndem Quell dem Steuerzahler abzapfen kann.
So fiel dann erwartungsgemäß auch bei der konsequent vom Bürger und Steuerzahler ignorierten Parkeröffnung an diesem letzten Septembernachmittag des Jahres dezent unter den Tisch, dass die Gesamtkosten mit dieser jetzt neu genannten Summe erneut geklettert sind, und zwar auf 500.000 statt bisher 470.000 Euro. Als ob es auf 30.000 Euro mehr oder weniger überhaupt ankäme. Ganz überwiegend sind es schließlich „Fördergelder“, wie Wigants Presseabteilung in ihrer Eröffnungsjubelarie gebetsmühlenartig wiederholt, als wäre Fördergeld NICHT vom hart arbeitenden Bürger erwirtschaftet und statt dessen im Kurpark vom Baum geschüttelt worden. Aber es klingt natürlich umso eleganter – „zu 80 Prozent gefördert“. Dann ist ja alles in Ordnung in Unnaer, einer der vielen Städte im Land, die seit knapp einem Monat in der Haushaltssperre hängen und am Rande der Haushaltssicherung entlangwanken.
Selbst diese auf Bäumen gewachsenen „Fördergelder“ abgezogen bleibt für Unna selbst noch eine satte sechsstellige Summe übrig für diese zweimalige Umgestaltung eines schlichten Innenstadtgrundstücks in vier Jahren. Jetzt wird dort noch eine „Mobilstation“ gebaut, ein Unterstand für 32 (sic) Fahrräder (bzw. werden es wohl fast ausschließlich E-Bikes sein) für den stolzen Preis von 150.000 Euro. Mal sehen, ob sich die Zuversicht der Stadt erfüllt und sich diese Luxusradabstellanlage tatsächlich schwunghaft mit Elektrorädern füllt, anstatt diese wie bisher überwiegend mitten in der Fußgängerzone an Laternen oder Kinderspielgeräten angekettet werden, in sicherer Sichtweite der Besitzer, während diese ein Eis essen oder ihren Kaffee schlürfen. In Anbetracht der florierenden Diebstähle insbesondere von teuren E-Bikes ist das ja sogar ein Stückweit rational verständlich.
Man wird es sehen. Man wird ohnehin alles sehen (müssen), was bleibt anderes übrig. Das langjährige Zerr- und Streitthema „Schulstraßenparkplatz“ ist mit der Eröffnung des Minette-Pötter-Parks erledigt, ebenso wie sich der einst lebhaft fluktuierte Kurzzeitparkplatz an der Morgenstraße, am anderen Ende der Fußgängerzone, vor zwei Jahren mit der Eröffnung des „Bürgergartens am Morgentor“ final erledigt hatte. Dieser „Bürgergarten“ kostete übrigens gleich 1,2 Millionen Euro, nicht bloß bescheidene 500.000. Das Verweilen in teuren Fördergeldoasen war Unnas Bürgervertretern schon während der letzten Ratsperiode lieb und teuer.
Dem netten kleinen Minette-Pötter-Park sei ganz ohne Häme das Beste gewünscht. Denn jetzt gilt, was eine prominente frühere Bundeskanzlerin seinerzeit in einem ganz anderen Zusammenhang für die Nachwelt prägte: Er ist jetzt nun mal da. Für weiterhin verweilkritische Betrachter gilt bis auf Weiteres: Gehen Sie weiter – es gibt hier nichts zu sehen.
- Silvia Rinke































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