Unna im Rausch der Verweiloasen: Ist ja fast alles (nur) Fördergeld

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Eröffnung des Minette-Pötter-Parks ehemals Reallabor ehemals Schulstraßenparkplatz am 30. September 2026. (Foto RB)
  • Ein Meinungsbeitrag unserer Redaktion.

„Die aktuelle Kostenprognose für den Ausbau des Minette-Pötter-Parks liegt bei rund 500.000 Euro bei einer Förderquote von 80 Prozent. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Klima- und Transformationsfonds des Bundes über die KfW-Bank. Das Gesamtvolumen für die noch zu errichtende Mobilstation liegt bei rund 150.000 Euro, die Fördersumme beträgt hier 84.000 Euro. …“

Als wäre Fördergeld kein Steuergeld. Na dann.

Mit oben zitierten kurzen Sätzen endet eine gefühlt kilometerlange Jubelarie der Unnaer Stadtpressestelle, mit der sie heute (Freitag) mit zweitägiger Verzögerung die am 30. September vollzogene öffentliche Eröffnung des „Minette-Pötter-Parks“ bepreist. Jenen Park, der ehemals als lebhaft genutzter Innenstadtparkplatz an der Schulstraße vielen Innenstadtbesuchern ein Begriff war, um 2022 zu einem seltsamen Konstrukt namens „Reallabor“ unter grünschwarzer Ägide zu mutieren und anschließend etwa ein, zwei Jahre lang als bizarre begehbare Petrischale zu dienen.

Am hochsommerlich warmen letzten Septembernachmittag des sich neigenden Jahres sah sich nun der frisch bepflanzte und noch makellos saubere Pötter-Park trotz emsigen Trommelns der Stadt auf ihrem Social-Media-Kanal in Vorfeld doch sehr wenigen interessierten Bürgern gegenüber. Dafür umso mehr Offiziellen, die sich angeführt vom Bürgermeister und seinem Beigeordneten zwei Stunden lang mehr oder weniger ergiebig gegenseitig auf die Schultern klopften und sich ungeachtet der mageren Bürgerresonanz tatsächlich noch in eine Reihe hinstellten, um breit in bereitgestellte Kameras lächelnd das rote Band zum „Parkeingang“ zu durchschneiden.

Dieses mehr als übersichtliche öffentliche Interesse an dieser von Selbstbeweihräucherung umwaberten Parkeröffnung, schon der zweiten an diesem schlichten Ort in nur vier kurzen Jahren, warf ein grelles Licht darauf, auf welche Priorität Unnas Bürger selbst diese weitere „Innenstadt-Verweiloase“, mit denen ihre Stadt sie beglückt, stillschweigend für sich eingestuft haben. Der neue Park abseits der Fußgängerzone an der Massener Straße ist mit seiner neuen Bepflanzung, neuen Spielgeräten und neuen und daher eben (noch) makellos sauberen Sitzgelegenheiten ein unspektakuläres nettes Fleckchen Unna geworden.

Punkt.

Nicht weniger ist dieser Park geworden, aber eben auch nicht mehr. Das Außergewöhnliche des Gärtchens „Mille Fiori“ dort an dieser Stelle, von einem Künstlerehepaar über Jahre hinweg ganz privat auf eigene Kosten für die Stadt gehegt und gepflegt, ist dahin. Das kreative, kunterbunte und üppig bepflanzte Gärtchen wurde, wie alles andere des „ersten“ Parks nach der Beseitigung des Schulstraßenparkplatzes, zuerst Vertrocknung und Vergammelung anheim gegeben und final schnöde vom Bagger überrollt und neu eingesät. Dies deutlich weniger pflegeaufwendig und daher auch viel weniger außergewöhnlich als zu Mille Fiori-Zeiten; nachhaltig geht allemal anders, aber das sei nur am Rande noch erwähnt, denn mit Nachhaltigkeit hat es Unna ohnehin nicht so. Stichwort Mühle Bremme aka Einkaufszentrum Neue Mühle.

Ein netter Spielplatz und ein netter Park ist dieser Minette-Pötter-Park also geworden. Den Kindern sei´s von Herzen gegönnt und dem nach Verweilen dürstenden Innenstadtpublikum ebenfalls. Mal abwarten, wie viel Innenstadtpublikum in diesem neuen Kleinod nun tatsächlich verweilen wird: Nach der ersten Umgestaltung 2021/22, die allein schon über 200.000 Euro gekostet hat und dem Bürger damals großspurig als „Reallabor“ mit stetig laufender Bürgerbeteiligung und eigener Veranstaltungswebsite (!) verkauft wurde (die Website, ein Kommentator hier hat es messerscharf schon vor längerer Zeit erkannt, wurde stillschweigend eingestampft), also schon damals sah man dort durchaus hin und wieder Menschen sitzen, Kinder spielten auf dem Mini-Spielplatz, Senioren rasteten.

Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

Ein Hauch der Verwahrlosung legte sich in den letzten zwei Jahren bereits über die Beete, Sträucher und insbesondere über das einstige Kleinod Mille Fiori, für das sich am Ende niemand mehr zuständig fühlte, was man leider überdeutlich sah, es war schlichterdings ein Trauerspiel. Inzwischen hat der fleißige Steuerzahler nur für diese zweite dieser zwei Neugestaltungen binnen vier Jahren schon wieder eine satte halbe Million Euro hingeblättert. Wodurch diese atemberaubende Summe, die die rathauseigene PR-Abteilung elegant in den zweitletzten Satz ihrer kilometerlangen Eröffnungs-Pressemitteilung versteckt, nun konkret zu rechtfertigen ist, bleibt dem steuerzahlenden Bürger nebulös verborgen, zu einer Kostenaufschlüsselung sieht die Stadt keinen Anlass. Wahrscheinlich, weil Geld sowieso keine Rolle spielt, wenn man es im schier unerschöpflich sprudelndem Quell dem Steuerzahler abzapfen kann.

So fiel dann erwartungsgemäß auch bei der konsequent vom Bürger und Steuerzahler ignorierten Parkeröffnung an diesem letzten Septembernachmittag des Jahres dezent unter den Tisch, dass die Gesamtkosten mit dieser jetzt neu genannten Summe erneut geklettert sind, und zwar auf 500.000 statt bisher 470.000 Euro. Als ob es auf 30.000 Euro mehr oder weniger überhaupt noch ankäme. Ganz überwiegend sind es schließlich „Fördergelder“, wie Wigants Presseabteilung in ihrer Eröffnungsjubelarie gebetsmühlenartig wiederholt, als wäre Fördergeld NICHT vom hart arbeitenden Bürger erwirtschaftet und statt dessen im Kurpark vom Baum geschüttelt worden. Aber es klingt natürlich umso eleganter – „zu 80 Prozent gefördert“. Dann ist ja alles in Ordnung in Unna, einer der vielen Städte im Land, die seit knapp einem Monat in der Haushaltssperre hängen und zum Jahresende am Rande der Haushaltssicherung entlangwanken.

Selbst diese auf Bäumen gewachsenen „Fördergelder“ abgezogen bleibt für die Stadtkasse selbst noch eine satte sechsstellige Summe übrig für diese zweimalige Umgestaltung eines schlichten Innenstadtgrundstücks in vier Jahren. Jetzt wird dort noch eine „Mobilstation“ gebaut, ein Unterstand für 32 (sic) Fahrräder (bzw. werden es wohl fast ausschließlich E-Bikes sein) für den stolzen Preis von 150.000 Euro. Mal sehen, ob sich die Zuversicht der Stadt erfüllt und sich diese Luxusradabstellanlage tatsächlich schwunghaft mit Elektrorädern füllt, anstatt diese wie bisher überwiegend mitten in der Fußgängerzone an Laternen oder Kinderspielgeräten angekettet werden, in sicherer Sichtweite der Besitzer, während diese ein Eis essen oder ihren Kaffee schlürfen. In Anbetracht der florierenden Diebstähle insbesondere teurer E-Bikes ist das ja sogar ein Stückweit rational verständlich.

Man wird es sehen. Man wird ohnehin alles sehen (müssen), was bleibt anderes übrig. Das langjährige Zerr- und Streitthema „Schulstraßenparkplatz“ ist mit der Eröffnung des Minette-Pötter-Parks erledigt, ebenso wie sich der einst lebhaft fluktuierte Kurzzeitparkplatz an der Morgenstraße, am anderen Ende der Fußgängerzone, vor zwei Jahren mit der Eröffnung des „Bürgergartens am Morgentor“ final erledigt hatte. Dieser „Bürgergarten“ kostete übrigens gleich 1,2 Millionen Euro, woran man ermessen kann, wie lieb und teuer Unnas Bürgervertretern das Verweilen in überteuerten Fördergeldoasen schon während der letzten Ratsperiode war. Eigentlich auch schon während der vorletzten (noch unter SPD-Bürgermeister Werner Kolter), denn die Umgestaltungen am Morgentor wurden schon damals vom Rat begeistert und vollkommen kritiklos abgenickt.

Dem netten kleinen Minette-Pötter-Park sei ganz ohne Häme das Beste gewünscht. Denn jetzt gilt, was eine prominente frühere Bundeskanzlerin seinerzeit in einem ganz anderen Zusammenhang für die Nachwelt prägte: Er ist jetzt nun mal da. Für weiterhin verweilkritische Betrachter gilt bis auf Weiteres: Gehen Sie weiter – es gibt hier nichts zu sehen.

  • Silvia Rinke

11 KOMMENTARE

  1. Ein Blick auf die offiziellen Fotos auf der Webseite der Stadt Unna lässt schnell einen ganz bestimmten Eindruck entstehen: Die Gesichter der paar Leute bei der Eröffnung sprechen Bände. Von der großen Begeisterung, die die Stadt gerne herbeiredet, sieht man absolut gar nichts. Stattdessen schaut man quasi direkt in eine Wand aus Skepsis: Viele stehen mit verschränkten Armen, schmalen Lippen und hochgezogenen Augenbrauen im Publikum. Dazwischen sieht man bei einer Person eine Fingerhaltung, die fast so wirkt, als würde sie gerade lautstark nachrechnen und fragen, wo das ganze Geld denn nun eigentlich abgeblieben ist. Wahrscheinlich hat sich bei so manchem Anwesenden auch einfach die Frage aufgeworfen, wie man seitens der Stadt überhaupt auf die Idee kommen kann, ein schlichtes Spielplatzareal großspurig als neuen „Park“ zu bezeichnen. Die ganze Stimmung wirkt eher wie ein stummes Kopfschütteln – so, als würde da im Geiste schon durchgerechnet, wie viel Steuergeld hier wieder zum Fenster rausgeworfen wurde.

    • Danke Herr van de Pol, das entspricht auch dem Eindruck unserer Redaktion. Die ganze Sache war eher eine Peinlichkeit für die Stadtspitze. Zumal die Hälfte der Anwesenden auch noch entweder Stadtvertreter, Presseleute oder Lokalpolitiker waren, wie man auf den Bildern studieren kann.

      • Die haben nicht ansatzweise darüber nachgedacht ob zu viel Steuergelder verbraten wurden.
        Die haben darüber nachgedacht daß immer mehr die alten politischen Zeiten vorbeigehen und vielleicht langfristig Macht und Connection demokratisch abgegeben werden muß.
        Die haben darüber nachgedacht daß es die Öffentlichkeit kaum mitbekommen hätte, wenn nicht jemand vom unabhängigen journalistischen Nachrichtenportal „Rundblick Unna“ dagewesen wäre.

        • Die haben darüber nachgedacht, daß dieser unabhängige Journalismus vor Ort auch noch die Realität in diese nervende soziale Medien bringt.
          Die haben darüber nachgedacht, daß bei den eifrigen Planungen der Partei auf EU und Bundesebene, diese nervende sozialen Medien zu kontrollieren, die großen Tec-Konzerne unter Trump der EU die kalte Schulter zeigen.
          Die haben darüber nachgedacht, daß die meisten irgendwie beruflich mit diesem
          „Mille-Fiori-Minette-Pötter-Piko Park-Reallabor“
          im Zusammenhang stehen, aber so etwas vielleicht in der Zukunft keine interessante berufliche Grundlage mehr ist.
          Sie haben nicht darüber nachgedacht ob vielleicht zu viel Steuergelder verbraten wurden.

          • Die haben teilweise darüber nachgedacht, daß die Verweigerer und Kritiker viel zu „dumm“ sind, um die „Vision“ der Beteiligten an diesem
            „Mille-Fiori-Minette-Pötter-Piko Park-Reallabor-Projekt“
            zu verstehen 🙂

  2. Das gute daran ist ja, dass man mit diesem Park, den Unnaer Drogenhändlern, einen weiteren Standort zum Park Morgenstraße anbietet.
    Die werden sich freuen.

    • Wirklich keine Ahnung warum das so ist, aber Google zeigt beim Smartphone Traffic zum Standort „Mille-Fiori-Minette-Pötter-Piko Park-Reallabor“ tatsächlich den meisten Besucherverkehr an manchen Tagen für Nachts um 2.00 Uhr oder 4.00 Uhr an 🙂
      Oder schlafen da vielleicht Obdachlose?

  3. War dann heute auch in dem neuen „Park“ um den „grünen Ort des Verweilens, des Spielens und des Zusammentreffens“ kennen zu lernen und verstehe nun die ablehnende Körperhaltung und die skeptischen Blicke der wenigen Eröffnungsgäste, zu sehen in den Publikationen.

    Auch wenn gewisse Auflagen zu erfüllen waren, als Gesamtkonzept erneut ein Beweis für die Unfähigkeit der Dezernenten und verantwortlichen im Rathaus, verbunden mit einer halben Million und weiteren zweihunderttausend Euro Reallabor Ausgaben von Steuergeldern.

    Die Krone dann noch weiter 150tausend für eine Radstation auf Empfehlung eines fragwürdigen Konzeptes einer Beratungsfirma und einer manipulierten Bürgerbefragung

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