Stadt Unna begräbt Pläne für 260 Wohnungen auf Viktoria-Areal – Statt dessen Gefahrenabwehrzentrum des Kreises

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Viereinhalb Jahre nach der Verkündigung für Wohnen auf Viktoria sind auch diese Pläne für das seit Jahrzehnten brachliegende Areal wieder eingestampft worden. (Grafiken: Viktoria Grundstücks GmbH)

Der Traum vom modernen, nachhaltigen und dazu noch innenstadtnahen Wohnen zwischen Viktoriastraße und Unnaer Bahnhof ist endgültig geplatzt.

Die Stadt Unna begräbt ihre Pläne für ein Areal mit 260 Wohnungen auf dem Viktoria-Areal nach viereinhalb Jahren nun auch offiziell. Statt dessen wird der Kreis Unna auf der seit über 20 Jahren brach liegenden Fläche ein Gefahrenabwehrzentrum errichten.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Kreisverwaltung gab die Stadt am Montagmorgen (8. Juni) die erneut neuen Planungen für „Viktoria“ bekannt.

Demnach soll das rund 45.000 Quadratmeter große-Areal an der Viktoriastraße eine „neue, zukunftsweisende Nutzung“ erhalten. Kreis, Stadt und die Viktoria-Grundstücks GmbH & Co. KG als Flächeneigentümerin prüfen, nachdem das Gelände viereinhalb Jahre lang für Wohnen vorbereitet wurde, nun die Voraussetzungen für ein modernes Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) des Kreises Unna.

Ziel sei es, die Zentralen von Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Polizei an einem zentralen Standort zusammenzuführen.

Die Bündelung der Leitstellen von Polizei und Feuerwehr und die Schaffung von Krisenstabsräumen zur Abarbeitung von großen Einsatzlagen seien eine wichtige Investition in die Sicherheit der Menschen im Kreis Unna, erklärt Landrat Mario Löhr (SPD).

„Ich will das klar sagen: Wir müssen den Schutz der Menschen im Kreis Unna so aufstellen, dass wir im Ernstfall schnell und handlungsfähig sind.

Dazu müssen wir Leitstellen, Technik und Krisenräume bündeln. Das Viktoria-Areal ist ein Standort, der diesen notwendigen Bedarf decken kann. Wir leisten uns dabei keinen Luxus.“

Die Stadt begrüßt diese Entwicklung ausdrücklich, denn es stehe jetzt fest, „dass die ursprünglich geplante Wohnbebauung an diesem Standort rechtlich und wirtschaftlich nicht umsetzbar ist“.

Wie berichtet, hatte das Rathaus gemeinsam mit der Flächeneigentümergesellschaft bereits lautstark für das geplante Wohnquartier getrommelt. Rund 260 Wohneinheiten sollten auf dem Areal entstehen, nachhaltig gebaut, weitgehend autofrei.

Diese großen Versprechungen waren ganz offensichtlich jedoch übereilt gemacht worden. Denn erst im Nachhinein wurde den Planern klar, dass die Lage zwischen Bahntrasse im Süden und Gewerbebetrieben im Norden zu hohen gesetzlichen Schallschutzanforderungen führt. So heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Entwicklungspartner vom heutigen Montag:

„Umfangreiche Prüfungen der Entwicklungsgesellschaft haben letztlich gezeigt: Die nötigen Schallschutzmaßnahmen machen eine Wohnentwicklung an dieser Stelle wirtschaftlich unmöglich.“

Parallel dazu suchte der Kreis einen neuen Standort für sein Gefahrenabwehrzentrum.

„Das Viktoria-Areal bietet den notwendigen Raum, den die moderne Gefahrenabwehr zwingend benötigt. Da es sich um eine private Fläche handelt, liegt die Entscheidung über eine Nutzung der Fläche primär bei der Eigentümerin.“ Für diese sei es wichtig, dem Areal eine „tragfähige und verantwortungsvolle Perspektive“ zu ermöglichen.

„Deshalb wollen wir gemeinsam mit Kreis und Stadt eine Lösung voranbringen, die dem Standort und der Sicherheit der Region dient“, erklärt Karin Rose, Geschäftsführerin der Viktoria-Grundstücks GmbH & Co. KG.

Die Stadt begleitet auch diese erneute Flächenentwicklung im Rahmen der städtischen Planungshoheit. In vorbereitenden Gesprächen werden aktuell die Grundlagen für das Bebauungsplanverfahren erarbeitet und die notwendigen Gutachten etwa zu Verkehrs- und Umweltauswirkungen eingeholt.

Als formaler Startschuss des Verfahrens wird ein Aufstellungsbeschluss für die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 1. Juli vorbereitet. Im weiteren Verfahren werden die Öffentlichkeit sowie die Behörden und Träger öffentlicher Belange beteiligt. Die abschließende Entscheidung über den Bebauungsplan obliegt dem Stadtrat.

„Wir verstehen die Enttäuschung in der Bevölkerung über die fehlende Umsetzungsmöglichkeit für ein neues innenstadtnahes Wohnquartier vollkommen. Aber die Stadt stand hier nicht vor der Wahl ‚Wohnen oder Behörde‘ – eine Wohnnutzung ist an diesem Standort schlicht keine Option“,

so der Erste Beigeordnete Sandro Wiggerich (Grüne).

„Das Gefahrenabwehrzentrum ist nun die beste denkbare Alternative: Es schließt eine städtebauliche Wunde im Herzen unserer Stadt und stärkt Unna als zentralen Sicherheitsstandort. Wir begrüßen daher die Planungen des Kreises und der Flächeneigentümerin ausdrücklich.“

Ein positiver Nebeneffekt für die Anlieger des Viktoria-Areals hebt die Stadt noch hervor, dass ein Gefahrenabwehrzentrum nach ersten verkehrlichen Einschätzungen in den Stoßzeiten weniger Verkehr auslöst als ein Wohnquartier mit rund 260 Wohneinheiten.


Rückblick: Hehre Pläne für grünes Stadtviertel für Wohnen und Arbeiten

„Grünes Stadtviertel für Wohnen und Arbeiten auf Viktoria-Areal hinter dem Bahnhof“, so titelte der Rundblick Unna am 1. Dezember 2021. In unserem damaligen Bericht wurde das Vorhaben wie folgt vorgestellt:

Auf dem rund 56.000 Quadratmetern großen ehemaligen Fabrik-Areal zwischen Hammer und Viktoriastraße – seit buchstäblich Jahrzehnten eine Brachfläche – soll ein, so die Stadtverwaltung am Mittwochnachmittag, lebendiges Stadtquartier wachsen, das Zeichen für die Innenstadtentwicklung setzt.

Rundum von vier- bis fünfgeschossigen Gewerbebauten gegen den Schall der Bahnlinie geschützt, sollen im Kern autofrei bis zu 260 Wohnungen für die unterschiedlichsten Ansprüche entstehen.

Dies sieht die Projektstudie vor, mit der die Eigentümerin Viktoria-Grundstücks GmbH & Co. KG gemeinsam mit der Stadt Unna in die Detailplanung geht.

Liegt seit vielen Jahren brach: das Viktoriagelände. (Archivbild RB)

Der Aufstellungsbeschluss für einen Baubauungsplan durch den Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität ist der Startschuss für die Konkretisierung der Rahmenplanung.

„Diese Fläche ist schon eine Wunde mitten im Herzen der Stadt. Aber sie ist auch eine Chance zu zeigen, was hier möglich ist“,

sagte Unnas Erster Beigeordneter Jens Toschläger.

Die Büro- und Gewerberiegel rund um das neue Wohnquartier bieten, so die Stadt, reichlich Platz für unterschiedliche Nutzungen: Dienstleistungen, „nicht störende Produktion“, Bildungsangebote und auch soziale Dienste.

Das geplante Wohnangebot ist rund um eine grüne Bummelachse und einen Quartiersplatz für alle Bedarfe aufgelockert: Eigenheime gehen nicht zweigeschossig in die Fläche, sondern strecken sich über vier bis fünf Etagen hoch als „Townhouses“ schmal in den Himmel, Eigentums- und Mietwohnungen sollen in aufgelockerten Blocks direkt im Anschluss entstehen.

Ein Fünftel bis ein Viertel im sozialen Wohnungsbau – „wir wollen ein Quartier für alle Altersgruppen, alles barrierefrei“, sagt Karin Rose, Geschäftsführerin der Viktoria-Grundstücks GmbH & Co. KG.

Die Barrierefreiheit gelte nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Menschen mit Handicap. Gerade bei denen fehle, so zeigen die Daten von Kreis und Kreisstadt, ein Wohnungsangebot.

Eine Kindertagesstätte wie eine Pflegestation im Quartier wünschen sich die Investoren: „Wir freuen uns da auf Partner, die ersten Gespräche haben wir geführt.“

Zukunftsideen für die Innenstadt wird das Viertel auch in anderen Bereichen setzen. Der Kern ist autofrei. Quartiersgaragen sollen fußläufig erreichbar den Bedarf an Autoparkplätzen decken.

Eine Mobilstation mit Carsharing, Bikesharing und Lastenrädern wird direkt daneben Alternativen zum eigenen PKW bieten. Und eine direkte Anbindung zum nahen Bahnhof und Busbahnhof haben die Planer schon als Wunsch eingezeichnet:

„Der Tunnel zu den Bahngleisen soll unter den Gleisen nach Norden direkt ins Viertel weiter durchgebaut werden.“

Auch hier sind schon Vorgespräche mit dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen und der DB geführt.

Bei der Begrünung und der Energieversorgung werde Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Von der Dachbegrünung über Bäume in der Quartiersallee über Regenwassernutzung, Wasserbecken im Quartiersplatz bis hin zu einem modernen Energiekonzept mit Solarstrom und Blockheizkraftwerken reichen die Planungen.

Wieviel davon realisiert werden kann, das müsse jetzt detailliert von Gutachten und Fachplanern ermittelt werden, erklärt die Geschäftsführerin. Dazu gehört, welche Grenzen die Altlasten auf dem Gelände etwa für die Pflanztiefe von Bäumen setzen.

Altlastensanierung gehört ins Konzept – dass sie da ernst machen, haben die Besitzer schon beim Abbruch der alten Pflugfabrik an der Viktoriastraße bewiesen“, zeigt sich die Stadt optimitisch: „Die dort seit Jahrzehnten schlummernden Gifte wurden komplett geräumt.“

Wie es weitergeht:

Nach dem Aufstellungsbeschluss sollen die vielen Detailfragen, die nötigen Gutachten und Fachplanungen zügig geklärt werden. Nicht nur Politik und Verwaltung, sondern auch die Nachbarschaft und vor allem die Öffentlichkeit werde umfassend bei allen weiteren Schritten beteiligt, verspricht Karin Rose: „Wir werden transparent kommunizieren und aktiv informieren.“

Quelle und Grafiken: Pressemitteilung Stadt Unna

2 KOMMENTARE

  1. Hier wurde sehr effektiv und clever vorgegangen.

    Erst 260 Wohneinheiten planen, nachhaltig gebaut, weitgehend autofrei.

    Nach 4,5 Jahren an den Schallschutz denken.

    Dann alles abblasen.

    • Damals wußten wir noch nicht, daß der Russe vor der Tür steht! Wenn wir weiterhin DrohnenKlimbim an die Ukraine liefern, die damit Leningrad bombardiert, und gleichzeitig in Unna Militärkirmes abgehalten wird, finde ich ein „Gefahrenabwehrzentrum“ keine schlechte Idee…

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