
„Mit großer Bestürzung sah ich neulich das Ausmaß der Waldrodung im Bornekamp. Es sieht einfach nur schlimm aus😳“,
schrieb eine Leserin aus Unna am Wochenende unserer Redaktion.
„Mal ganz davon abgesehen, dass ein direkter/ungeschützter Zugang zur A44 für Mensch und Tier möglich ist, fehlt ein riesiges Waldstück, das für Wild eine große Bedeutung hatte. Nämlich Rückzug… Ich habe neulich Rehe beobachten können, die auf die Hertingerstraße liefen.
Wie kann es sein, dass Wochen zuvor gerodet wird und dann nichts passiert? Was soll dort überhaupt passieren – und wann?!“
Der Hintergrund des Kahlschlags, über den Leser auf unserer Facebookseite schon vor mehreren Wochen diskutieren, ist der Ausbau des Autobahnkreuzes Dortmund-Unna. Die Autobahn wird, wie oftmals berichtet, sechsspurig ausgebaut, das Kreuz selbst komplett umgebaut.
Im Herbst 2020 wurden die Planungsunterlagen ausgelegt – das Projekt startete damals offiziell. Avisiert wurde eine Bauzeit von rund 10 Jahren.
Dass die Rodungen entlang der A44 im Bereich der künftigen „Überflieger“ (siehe Erläuterungen zum Ausbau unten) bereits Ende letzten Jahres vorgenommen wurden, ist der Vegetationsphase geschuldet, die im März beginnt. Daher mussten die Vorbereitungen noch vor der Blüh- und Brutzeit abgeschlossen sein.
Was ist geplant?
Herauszuheben ist die Umgestaltung des Autobahnkreuzes Dortmund/Unna:
- Die ursprüngliche „Kleeblattform“ des Autobahnkreuzes wird komplett aufgegeben und durch sogenannte „Überflieger“ ersetzt.
- Die Fahrbeziehungen von Dortmund in Richtung Unna-Zentrum und umgekehrt werden aus Verkehrssicherheitsgründen künftig anders gewährleistet: Sie sollen über die künftige Anschlussstelle Oelpfad in Holzwickede abgewickelt werden.
- Umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen an der Ausbaustrecke der A 44 und an der A1 ergänzen den Ausbau.

Zehn Jahre wird der sechsstreifige Ausbau der A44 mit dem Ausbau des Autobahnkreuzes Dortmund-Unna voraussichtlich dauern. Westlich des Kreuzes Dortmund-Unna war Baustart.
Die Geräuschkulisse nach erfolgtem Ausbau sollen Flüsterasphalt mildern sowie drei bis sieben Meter hohe Lärmschutzwälle entlang der Strecke. Das machte die umfangreiche Rodung notwendig. Dazu musste auch ein erst vor wenigen Jahren von der Stadt Unna gepflanztes Wäldchen in Unna-Massen an der Unnaer Straße direkt wieder weichen – die Fläche sei für den Ausbau unverzichtbar, und das habe die Stadt vorher auch gewusst, machten Vertreter des Landesstraßenbaulastträgers seinerzeit der Stadtverwaltung höflich, aber deutlich klar.

„Mit vier Fahrspuren stößt die A44 zwischen dem Kreuz Dortmund/Unna und Unna-Ost an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Vor allem im Bereich des Autobahnkreuzes kommt es immer wieder zu Staus. Straßen.NRW plant deshalb, diesen Streckenabschnitt auf einer Länge von circa 5,5 Kilometern sechsstreifig auszubauen. Zusätzlich soll das AK Dortmund-Unna (A44 / A1) umgestaltet und dadurch leistungsfähiger werden.“
So beschrieb Straßen.NRW das Großprojekt in Kurzform.
Ausbau der A44 auf 6 Fahrstreifen plus Standstreifen:
- Die Richtungsfahrbahnen werden auf beiden Seiten symmetrisch nach außen verbreitert. Die A44 wäre dann mit sechs Fahrstreifen künftig insgesamt 36 Meter breit. Heute sind es 29,5 Meter.
- 3 bis 7 Meter hohe Lärmschutzwälle und -wände sowie ein lärmarmer Fahrbahnbelag sollen die Anwohner schützen.
- Im Ausbauabschnitt befinden sich die Brücke Bornekamp und eine Anzahl kleinerer Über- und Unterführungen aus den Jahren 1970 und 1971. Die Brücken müssen alle neu gebaut werden, inklusive der Brücke Bornekamp und der unterführenden Bauwerke (aufgrund ihrer fehlenden Tragfähigkeit für die Sechsstreifigkeit). Macht insgesamt 23 Brückenbauten.
Ausbau Autobahnkreuz Dortmund/Unna:
- Das AK DO/UN ist derzeit eine (permanent zugestaute) „planfreie Kreuzung“ in Form eines klassischen Kleeblattes, in dem alle Richtungen der sich kreuzenden Autobahnen angefahren werden können. Mit dem Umbau sollen die einzelnen Fahrbeziehungen verändert und künftig über so genannte „Überflieger“ geführt werden. Dies soll das Kreuz insgesamt leistungsfähiger machen.
- Zusätzlich werden dafür im Bereich des Autobahnkreuzes auf einer Länge von circa drei Kilometern die Ein- bzw. Ausfädelungsstreifen im Zuge der A1 angepasst.
Zwischen Unna-Zentrum und Dortmund ist nach dem Ausbau wegen der Vielzahl der Verbindungen keine direkte Verbindung mehr möglich. Sie wird über die neue Anschlussstelle Oelpfad (in Holzwickede) und die B1 hergestellt.







































