Zutritt nur noch mit Termin: Kreis verteidigt neue Sicherheitsregeln für Dienstgebäude an Platanenallee

3
499
Screenshot von der Facebookseite des Kreises Unna. Verständnis für die Maßnahme mischt sich dort mit offener Wut.

Kein öffentlicher Publikumsverkehr mehr im Dienstgebäude des Kreises Unna an der Platanenallee – wo Veterinär- und Gesundheitsamt sowie die Fachbereiche Schule und Bildung untergebracht sind.

Die Aufregung und der Zorn im Netz schlägt hohe Wellen, nicht nur auf der Facebookseite und im Kommentarbereich des Rundblicks, sondern auch – neben manchem geäußerten Verständnis für die Maßnahme – auf dem Social Media Auftritt des Kreises selbst.

Die Kreisverwaltung hatte am Montag (28. 9.) angekündigt, dass ab dem 1. Oktober Besucher nur noch mit vorab ausgemachtem Termin im Gebäude an der Platanenallee 16 eingelassen werden.

Sie melden sich an, warten an der Eingangstür, um abgeholt zu werden, und werden nach dem Termin wieder zum Ausgang gebracht.

Was der Kreis mit seinem vor zwei Jahren gestarteten Sicherheitskonzept begründet, ist aus Sicht vieler Leserinnen und Leser ein Tiefschlag für den Bürgerservicegedanken. Motto: „Bürger droht mit Anwesenheit“.

Unsere Redaktion schickte am Montagnachmittag einen Fragenkatalog an die Kreispressestelle, den Sprecherin Leonie Joost am Dienstag beantwortete.

Die neuen Zugangsregelungen sind demnach Teil des Sicherheitskonzeptes, dass bereits Ende August 2024 eingeführt wurde. Seinerzeit kündigte der Kreis dies mit einer Pressemitteilung an.

„Angefangen mit dem Kreishaus in der Friedrich-Ebert-Straße – dort gelten die Zugangsregelungen seit August 2024 – wird das Sicherheitskonzept sukzessive auf die weiteren Dienstgebäude der Kreisverwaltung ausgeweitet – nun in der Platanenallee 16“, so Leonie Joost.

Auf die Frage nach konkreten Vorfällen, die diese höhere Sicherheit aus Sicht des Kreises erforderlich gemacht hätten, schrieb uns die Kreissprecherin:

„Unterschiedliche Situationen in der Vergangenheit haben dazu geführt, ein Sicherheitskonzept im Kreishaus Unna und den weiteren Dienstgebäuden zu installieren.

So wurde ein Gepäckstück in einem Büro in den oberen Etagen abgestellt, das nicht zugeordnet werden konnten.“ Oder:

„Mehrfach sind unangekündigte Besucher in Besprechungen „geplatzt“ oder standen unvermittelt in Büros. Diese und ähnliche Situationen wurden als ernstzunehmende Bedrohungslage für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung eingestuft.“

Abgeholt und wieder zum Ausgang zurückgebracht werden die Bürger von dem jeweiligen Sachbearbeiter, so Leonie Joost. „Es wurde kein zusätzliches Personal eingestellt.“

Die Behördensprecherin betont:

„Im Dienstgebäude an der Platanenallee findet fast ausschließlich Termingeschäft statt – es gibt dort ja kein Bürgerbüro, wie im Erdgeschoss des Kreishauses (welches nach wie vor frei zugänglich ist).

Bürgerinnen und Bürger werden keinesfalls ausgesperrt, sie können Anliegen und Termine wie gewohnt wahrnehmen, sie müssen sich nur über die Türsprechstelle anmelden.“

Unsere weitergehenden Fragen nach dem Umfang des täglichen Besucherverkehrs und der Zahl der in dem Gebäude beschäftigten Mitarbeiter blieben unbeantwortet.

3 KOMMENTARE

  1. Die vehöhnen und beleidigen auch noch ihre Steuerzahlerkunden:

    Ein einziges normales total ungefährliches „Gepäckstück“ wurde mal gefunden 🙂

    Das wegen der angeblichen „Sicherheit“ ist auch deshalb eine Scheinbehauptung weil ja keine Sicherheitskontrolle und Durchsuchung wie am Gericht oder Flughafen durchgeführt wird.
    Die Mitarbeiter könnten ja rein theoretisch trotzdem körperlich oder mit einen gefährlichen Gegenstandand angegriffen werden. Wie übrigens jederzeit auf der Straße auch.

    Das ist ein irrer zeitlicher Aufwand verbunden mit enormen Kosten wenn jeder Mitarbeiter erst durch das große Gebäude über mehrer Etagen latschen soll um jeden einzelnen Bürger einzeln reinzulassen, um ihn danach wieder den gleichen Weg zurück zum Ausgang zu bringen.

    Zudem gehört das Gebäude der Kreisverwaltung den Bürgern und nicht einem privaten Unternehmen.
    Sollen die ernsthaft im Sommer bei Hitze, im Herbst bei Regen oder im Winter bei Eiseskälte vor der Tür stehen bis sich ein Mitarbeiter erbarmt sie reinzuführen ?
    Was ist wenn man an der Eingangstür über die Türsprechstelle nicht den entsprechenden Mitarbeiter sofort erreicht oder der gerade beschäftigt ist. Das wird sehr oft vorkommen.
    Als Inklusion Für Taube oder Stumme Mitbürger kann man die „Türsprechstelle“ auch nicht unbedingt bezeichnen.

    So mit den Kunden kann eine Verwaltung nur umgehen weil sie ein Monopol hat und die Mitarbeiter unabhängig von der Leistung durch die Steuerzahler bezahlt wird.
    Die könnten einfach zwei Wochen gar keine Kunden reinlassen oder nicht arbeiten.
    Sie würden trotzdem das gleiche Gehalt bekommen.

    Das Gesundheitsamt stellt auch nicht mehr wie früher direkt den gesetzlich erforderlichen Hygiennachweis für die entsprechenden Berufsbranchen aus obwohl es gesetzlich dazu verpflichtet ist.

    Beim Straßenverkehrsamt konnte man jahrzehntelang sein neues Fahrzeug innerhalb weniger Stunden anmelden und sofort losfahren. Heute dauert das über zwei Wochen.

    Verzögerungen in deutschen Bauämtern dauern oft Monate oder sogar Jahre.

    Man stelle sich mal vor ein Einkaufszentrum würde so mit seinen Kunden umgehen.
    Oder daß die Mitarbeiter der Behörde kein Monopol haben, sondern in der Nähe eine kundenorientierte privatwirtschaftliche Konkurrenz.
    Sie würden innerhalb kurzer Zeit arbeitslos werden.

    Um so weniger die Verwaltung von Unna ihre vom Steuerzahler bezahlten gesetzlichen Verpflichtungen nicht mehr leisten kann, um so mehr bunkert sie sich ein und von den Bürgern weg.

    Ist doch egal wie sich die Bürger darüber aufregen.

    Sie müssen ja trotzdem dorthin weil sie keinerlei Alternative haben !

    In den nächsten Wochen wird das Ganze von andere verständliche Aufreger überlagert und dann spricht sowieso niemand mehr darüber 🙂

    Danke an den Rundblick Unna. Ohne ihn hätten das noch weniger Einwohner erfahren und sich erst bei einem Termin darüber gewundert.

  2. Man glaubt es kaum.
    Der steuerzahlende Bürger als Bedrohungslage:

    „Mehrfach sind unangekündigte Besucher in Besprechungen „geplatzt“ oder standen unvermittelt in Büros. Diese und ähnliche Situationen wurden als ernstzunehmende Bedrohungslage für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung eingestuft.“

    Oh Gott !
    Das ein Kunde plötzlich vor einem steht erleben Millionen Mitarbeiter bei Dienstleistungsanbieter oder in Geschäfte täglich.

    Zudem ist es schon seit viele Jahre üblich, daß Mitarbeiter in Behörden einfach ihre Büros abschließen wenn sie im Haus unterwegs sind.
    Zudem wird warscheinlich auch am Eingang jeder Besucher per Video aufgezeichnet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here