Nach Regenbogentreppen-Eklat: Stadtspitze Arnsberg verurteilt Morddrohungen gegen Grüne Fröndenberger Schulleiterin

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Fotoquellen: re. Stadt Arnsberg, Website, li. Screenshot via Instagram - inzwischen auf Privat gestellt.

Die Fröndenberger Gesamtschulleiterin Verena Verspohl hatte am vorletzten Wochenende die Übermalung einer „Regenbogentreppe“ in Neheim mit Schwarz-Rot-Gold öffentlich als „rechtsextremistische“ Tat verurteilt.

Verspohl trat dabei in ihrer Eigenschaft als Grünensprecherin im Arnsberger Rat auf.

Wir berichteten HIER.

Daraufhin brach in den sozialen Netzwerken ein Empörungssturm los.

Verspohl wurde in diesem Zusammenhang auch mit dem Tode bedroht, erklärt die Stadtspitze von Arnsberg. Sie verurteilt dies aufs Schärfste.

In einer Pressemitteilung auf der städtischen Homepage vom Sonntag, 8. Februar, erklären sich Bürgermeister Paul Bittner (SPD) und der Verwaltungsvorstand rückhaltlos solidarisch mit der Grünen Ratsvertreterin, ohne Verspohl dabei namentlich zu nennen.

+++ Lesen Sie auch: Stellungnahme der BR Arnsberg und Verspohls Erklärung an die Eltern


Statement des Bürgermeisters mit Verwaltungsvorstand

„Es bestürzt uns sehr, dass eine politische Mandatsträgerin im Zusammenhang mit der öffentlichen Debatte um die Regenbogentreppe Morddrohungen erhalten hat. Solche Drohungen sind durch nichts zu rechtfertigen. Sie sind ein inakzeptabler Angriff auf die betroffene Person – und zugleich auf die demokratische Grundordnung unseres Landes.

In unserem Rechtsstaat gelten Meinungsfreiheit, demokratische Auseinandersetzung und der respektvolle Austausch unterschiedlicher Positionen als tragende Säulen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Debatten dürfen und sollen leidenschaftlich geführt werden. Gewaltandrohungen jedoch überschreiten jede Grenze des demokratisch Zulässigen.

Wer versucht, politische Vertreterinnen und Vertreter durch Einschüchterungen oder Drohungen mundtot zu machen, greift nicht nur eine einzelne Person an, sondern richtet sich gegen unsere Demokratie selbst.

Als Stadt Arnsberg engagieren wir uns vielfältig für demokratische Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt – etwa durch unsere Demokratiewochen, den Arnsberger Preis für Demokratie oder Projekte wie das DemokraTIER, das Kindern frühzeitig Beteiligung und Mitbestimmung näherbringt. All diese Initiativen stehen für ein klares Ziel: eine offene, respektvolle und dialogfähige Stadtgesellschaft.

Wir verurteilen die ausgesprochenen Morddrohungen aufs Schärfste und sprechen der betroffenen Mandatsträgerin unsere volle Solidarität aus.

Arnsberg steht geschlossen für ein respektvolles Miteinander, für die freie Ausübung politischer Mandate und für den Schutz aller, die sich demokratisch engagieren. Hass, Gewaltandrohungen und Einschüchterungsversuche haben in unserer Stadt keinen Platz.“

10 KOMMENTARE

  1. In einer Momentaufnahme aus der größten Fröndenberger Facebookgruppe zeichnet sich folgendes Bild ab:

    Innerhalb der Elternschaft der Gesamtschule Fröndenberg wächst die Besorgnis über eine zunehmende Vermischung von privaten Inhalten, politischen Positionierungen und dem regulären Schulbetrieb. In der öffentlichen Wahrnehmung sowie in den sozialen Medien entsteht der Eindruck, dass die notwendige Trennung zwischen persönlicher Überzeugung und der neutralen Amtsführung der Schulleitung nicht mehr ausreichend gewahrt bleibt.

    Viele Eltern sehen dadurch den geschützten Raum Schule gefährdet. Die ursprüngliche Aufgabe der Schule, Kindern ein Lernumfeld zu bieten, das frei von gesellschaftlichen und politischen Kontroversen ist, gerät aus dem Blickfeld. Stattdessen wird der Schulalltag zunehmend von einer emotional aufgeladenen Debatte dominiert, die bis hin zu Berichten über Morddrohungen gegen die Schulleitung führt. Diese Eskalation sorgt für eine erhebliche Verunsicherung hinsichtlich der Sicherheit und des Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler.

    Entgegen der medialen Darstellung, die oft ein Bild geschlossener Unterstützung für die Schulleitung zeichnet, ist die Meinung innerhalb der Schulgemeinschaft tatsächlich gespalten. Ein wesentlicher Teil der Eltern und Schüler wünscht sich ausdrücklich, nicht in politische Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Es besteht das klare Bedürfnis nach einem neutralen und fokussierten Lernumfeld, das nicht durch politische Symbole oder ideologisch geprägte Veränderungen geprägt wird.

    Die Tiefe der Verunsicherung zeigt sich bereits darin, dass in privaten Elterngesprächen über vorübergehende Abmeldungen vom Schulbesuch nachgedacht wird. Ziel muss es daher sein, das Schulklima zu beruhigen und die Schule wieder zu einem Ort zu machen, an dem die pädagogische Arbeit und die Entwicklung der Kinder ohne äußeren politischen Druck im Vordergrund stehen.

    • Uns liegt zusätzlich eine Appmitteilung von Frau Verspohl an die Eltern vor. Sie hat ihrer Schule mit ihrem politischen Aktivismus keinen Gefallen getan.

      • Diese lange ausführliche persönliche Appmitteilung von Frau Verspohl im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit ist bereits viral und öffentlich.

        Vorab nur ein bedenklicher Aspekt daraus von weitere in einem Satz:

        Sie erklärt dort, daß dieser Skandal als Politikerin der GRÜNEN mit ihrer Arbeit als Beamtin an der Gesamtschule in Fröndenberg nicht in Verbindung steht und schickt gleichzeitig als Schulleiterin im Amt ausführlich ihre eigene private politische Position zu dem Thema an 1400 Eltern !!! der Schule welche auf ihre Kinder bei dem Thema einwirken sollen und untermalt sie nachweisbar mit eigene Falschdarstellungen.

        Meiner persönlichen Einschätzung nach besteht an der Veröffentlichung dieser „Mitteilung“ ein berechtigtes öffentliches Interesse, da Frau Verspohl damit genau das bestätigt, was ein großer Teil der Bevölkerung ihr als Schulleiterin im Amt vorwirft.

        • Zu dieser Einschätzung ist die Redaktion auch gekommen und hat sich deshalb dazu entschlossen, diesen Elternbrief wörtlich zu veröffentlichen. Frau Verspohl hat damit aktiv selbst die Öffentlichkeit gesucht.

      • Die Gemengelage ist komplex, da hier verschiedene Ebenen aufeinandertreffen:
        Die Schule (und insbesondere die Schulleitung) agierte im Sinne einer inklusiven, „bunten“ Wertevermittlung. Das Schulamt wiederum verlangt nach Neutralität und die Einhaltung formaler Dienstwege. Durch die mediale Aufmerksamkeit und die Einmischung externer Akteure wurde ein lokaler Konflikt zu einer Grundsatzdebatte über „Wokeness“ an Schulen hochstilisiert. Lehrkräfte, Eltern und Schüler stehen zwischen den Fronten. Verunsicherung und ein Gefühl der Beobachtung behindern den normalen Schulalltag.
        Um das Ziel – die Rückkehr zur pädagogischen Sacharbeit – zu erreichen, könnten folgende Schritte hilfreich sein:
        Moderierte Mediation:
        Ein neutraler, externer Mediator sollte den Dialog zwischen der Schulleitung, dem Kollegium und dem Schulamt begleiten. Es gilt, Missverständnisse auszuräumen, ohne dass eine Seite das Gesicht verliert.
        Klarheit durch Leitbilder:
        Die Schule muss (gemeinsam mit der Elternschaft) ein Leitbild festigen, das auf dem Beutelsbacher Konsens basiert: Überwältigungsverbot und die Behandlung kontroverser Themen als kontrovers. Das gibt den Lehrkräften Rechtssicherheit und nimmt Kritikern den Wind aus den Segeln.
        Transparente Kommunikation:
        Offene Elternabende, in denen die pädagogischen Ziele (z. B. Toleranz und Vielfalt) klar als Teil des staatlichen Bildungsauftrags benannt werden, können Ängste abbauen und Vertrauen zurückgewinnen.
        Fokus auf das Kerngeschäft:
        Priorisierung von Lerninhalten und Projekten, die den Zusammenhalt der Schulgemeinschaft stärken, fernab von tagespolitischen Symbolen.
        Zusammenfassend betrachtet:
        Eine Schule ist kein politikfreier Raum, da sie Kinder auf das Leben in einer Demokratie vorbereitet. Sie darf aber nicht zum Instrument politischer Grabenkämpfe werden. Die Rückkehr zur Sachlichkeit erfordert von allen Beteiligten – auch von der Schulaufsicht – ein feines Gespür für die Balance zwischen notwendiger Haltung und professioneller Distanz.

  2. Dieser Fall ist nur die Spitze eines Eisberges der schon seit ca Jahren an unseren Bildungseinrichtunngen von der Grundschule bis in die Eliteuniversitäten zu beobachten ist. Der Bildungsauftrag ist durch Haltunng und Moral einer woken und lauten politisch agierenden Personenkreis mißbraucht worden, wie hiier exemplarisch mal in Erscheinung getreten ist. Darunter leidet unsere Gesellschaft nicht erst seit „friday for future“ sondern hat auch unsere Gesellschaft gespalten. Immer mehr Menschen reagieren jetzt darauf und werden stigmatisiert was ebenfalls mit Hass und Hetze der Woken und Guten zur Spaltung führt. Es ist geradezu wohltuend, dass dieser exemplarische Fall das Licht der Öffentlichkert erreicht hat.

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