„Radfahrende und Fußgehende“ – Gendern* : _ , bis die Sprache laut um Hilfe schreit

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Symbolbild - Quelle Pixabay, bearbeitet

Vorab, wir gendern nicht und wissen immer wieder, warum wir auch gar nicht erst damit anfangen, denn der Irrsinn der sprachlichen Massakrierung treibt groteske Blüten, und das beste Beispiel lieferte uns unlängst die Stadt Unna.

Ihre Pressemitteilungen beschränkten sich bis dato auf ein etwas planlos wirkendes Nebeneinander nerviger Gender-** Sternchen und schlichter sprachlich korrekter Männlich- und Weiblichkeitsformen („Bürgerinnen und Bürger“). Unsere Redaktion beschränkte sich ihrerseits darauf, all diese nervigen ** von hinten wegzukürzen und entsprechend dann eben nur die männlichen Begriffe stehen zu lassen (in der Gewissheit, dass unsere weibliche Leserschaft sich mit „Unnaer Bürger“ selbstverständlich mit angesprochen fühlt, wenn die Stadt ihrer Einwohnerschaft etwas mitzuteilen hat, ansonsten wäre ja von „Unnaer Männer“ die Rede).

Wir übernehmen ohnehin keine Genderzeichen in unsere Artikel, insofern ist es für uns unerheblich, ob wir nun aus Pressemitteilungen ** Sternchen weglöschen oder :: Doppelpunkte oder _ _ Unterstriche – überall dort, wo sie in einer grammatikalisch korrekten Sprache schlichtweg nichts zu suchen haben.

Was uns allerdings die Unnaer Stadtverwaltung am 26. August in einer Pressemitteilung über einen Bewilligungsbescheid für die Umgestaltung der Palaiseaustraße in Königsborn zumutete, war dann doch etwas zu viel der gegenderten Sprachvergewaltigung.

Geplant ist demnach unter anderem

… die Verbesserung der Wege für Radfahrende und Fußgehende„.

Liebe Stadt Unna: „Fußgehende“. Geht´s noch?

Das geht nicht. Das geht überhaupt nicht. Das klingt nicht nur selten dämlich, sondern ist grammatikalisch schreiender Blödsinn.

Zunächst mal zur Bedeutung der Verlaufsform. Ein „Radfahrender“ ist jemand oder jefrau, der oder die in diesem Moment Rad fährt. Also ist ein „Fußgehender“ das Pendant, welches eben zu Fuß geht? Nein, eben nicht. Es fehlt das entscheidende kleine Wörtchen: „zu“. Ein „Fußgehender“ wäre analog zum Radfahrenden jemand, der nicht „Rad fährt“, sondern „Fuß geht“.

„Fuß geht“ höchstens ein gut erzogener Hund, doch es ist kaum zu vermuten, dass die Stadt Unna mit „Fußgehenden“ Hunde meint, sonst hätte sie es ja einfach so schreiben können. Radfahrende und Hunde. Oder eben, um kein weibliches Tier auszuschließen, „Hündinnen und Hunde“. Es steht dort aber „Fußgehende“, und diese Wortschöpfung ist gleich doppelt falsch, denn für die korrekte Verlaufsform fehlt erstens das „zu“ (man geht „zu Fuß, liebe Stadt Unna, man geht nicht „Fuß“), und zweitens muss „zu Fuß Gehende“ dann auch zwingend auseinander geschrieben werden.

Apropos, wieso diskriminiert die Stad Unna eigentlich die „Handgehenden“ durch Königsborn? Fragen über Fragen.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat verwendet auf seiner Website die immerhin sprachlich korrekte Form “ zu Fuß Gehende“. Dennoch, „Fußgänger“ und „Fußgängerin“ sind zwei so wunderbar schlichte Wörter, wieso benutzt man sie nicht?

Ein Backender muss kein Bäcker sein

Zumal diese Verlaufsformen mit dem „ende“ am Ende auch Tücken in ihrer Bedeutung bergen. Denn längst nicht jeder „Bäcker“ ist ein „Backender“ und erst recht nicht jede/r „Backende/r“ ein Bäcker oder eine Bäckerin. „Der Bäcker“, das war zu weniger komplizierten früheren Zeiten schlicht die Berufsbezeichnung für eine Person, die das Handwerk des Bäckers gelernt hat. Ein „Backender“ hingegen ist eine beliebiger Jemand, der in diesem Augenblick dabei ist, irgend etwas zu backen, egal, ob es eine Fertigpizza ist oder eine fünfstöckige Hochzeitstorte.

„Ein/e Backende/r“ muss in diesem Sinne, im Gegensatz zum Bäcker und zur Bäckerin, nicht den leisesten Schimmer vom Backen haben, der Backende kann auch ein Steuerberater sein. Das macht den rein semantischen Unterschied aus, und darum, um Inhalte, sollte es bei Sprache abgesehen von der Form vielleicht ja auch noch gehen.

Gästin und Bösewichtin

Das Onlinewörterbuch des Dudens kennt inzwischen Neuschöpfungen, bei denen sich uns die Zehennägel kräuseln und von denen wir hoffen, dass sie niemals die Pressemitteilungen Schreibenden bei der Stadt Unna zu Gesicht bekommen. „Gästin“ steht dort etwa (das kannten wir bisher nur vom Frauenkabarett) oder „Bösewichtin“. Der Onlineduden hält auch das generische Maskulinum hoch – mit neuen Fallstricken: Wer auf Duden.de „Mieter“ eingibt, sieht als Wortbedeutung: „männliche Person, die etwas gemietet hat“. Wenn das Wort „Mieter“ aber nur noch männliche Mieter bezeichnet, wie bezeichne ich dann gendernd korrekt einen Menschen, der etwas gemietet hat, sich aber weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlt? „Mieter (m/w/d)“ ist ja dann nicht mehr möglich.

Gendersternchen bleibt draußen!

Immerhin erleichternd für unsere Redaktion, dass der Genderstern bis auf Weiteres nicht ins amtliche Regelwerk der deutschen Sprache aufgenommen wird. Das hat der Rat für deutsche Rechtschreibung beschlossen.

In dem Papier heißt es, der Rat wolle sich in seiner Bewertung geschlechtergerechter Schreibweisen an der Lesbarkeit und Verständlichkeit orientieren. Hurra! Ziel sei es, „einem unkontrollierten Nebeneinander unterschiedlichster Variantenschreibungen entgegenzuwirken“ und „die Einheitlichkeit der Rechtschreibung in allen deutschsprachigen Ländern zu erhalten“.

Die Verwendung solcher Sonderzeichen, ob Stern, Doppelpunkt oder Unterstrich, könne – laut Rechtschreibrat – zu Folgeproblemen und grammatisch nicht korrekten Lösungen führen. – Sic. Man kann jede/n Fremdsprachler/in, der/die unter diesen Genderirrsinnvoraussetzungen Deutsch lernen muss oder will, nur intensiv bemitleiden.

Der Gender-Irrsinn praktisch: Mitarbeiter:innen mit männlicher Parkplatzkarte

Ein mittelständiges Unternehmen aus dem östlichen Ruhrgebiet informierte seine Belegschaft jüngst über ein neues Parkplatz-Zugangssystem wie folgt gender-bemüht:

„Das System wird ab dem …. aktiviert. Von diesem Tag an haben Sie die Möglichkeit, ihr Kennzeichen registrieren zu lassen und können dann ohne Mitarbeiterkarte auf den Mitarbeiter:innen Parkplatz fahren.“ (Mitarbeiter:innen bekommen also eine männliche Karte? Im Übrigen fehlt hier ein grammatikalisch erforderlicher Bindestrich).

„Aufgrund zahlreicher Nachfragen weisen wir an dieser Stelle erneut darauf hin, dass Sie als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (weitere Variante) mit Ihrer Mitarbeiterkarte“ („die“ Karte gibt es weiter nur männlich) „nach wie vor eine uneingeschränkte Zufahrtsmöglichkeit auf den Mitarbeiter:innen Parkplatz“ (siehe oben) „des …-Parks haben, auch wenn Sie Ihr Kennzeichen nicht hinterlegt haben.

Gäste, Lieferanten und Dienstleister„(Gäst:innen, Lieferant:innen und Dienstleister:innen hat dieses Unternehmen offenbar nicht) „parken künftig ebenfalls auf dem Mitarbeiter:innen Parkplatz. ….“

Unnas Grün:innen im den*die ein oder ander*n-Wahn

Auch Unnas Grün:innen tun sich mit dem korrekten Gendern noch etwas schwer. In einer Presseankündigung zu einem Vorgartenwettbewerb schrieb die Partei jüngst:

„Mit einem grün-blühenden Vorgartenwettbewerb möchte Bündnis 90/DIE GRÜNEN Unna dazu anregen, Vorgärten attraktiv und insektenfreundlich zu gestalten. Eingeladen sind dazu alle, die einen Vorgarten oder auch einen Balkon haben und bepflanzen möchten. Wer weder Balkon noch Vorgarten begrünen kann, hat die Möglichkeit, eine Patenschaft für eine Baumscheibe zu übernehmen oder mit den Nachbarn im Team auf diesem Weg unsere Stadt verschönern.“ Bis dahin alles wunderbar.

Dann legen UNsere Grünenden allerdings los:

„Ein schöner Vorgarten erfreut nicht nur Vorgartenbesitzer*innen, sondern alle, die sich an Vorgärten laben – sei es visuell oder als Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten. Schönheit liegt natürlich im Auge des Betrachters“ (wo bleibt die Betrachter*in?) „und so muss für die einen der Vorgarten wohl geordnet und gepflegt und für die anderen grün und blühend für Insekten und Vögel wertvoll sein.“

Final wird dann schließlich die Grammatik vollends überwältigt:

„Naturgemäß können nicht alle den ersten Preis erhalten. Wir hoffen aber, dass die Aussicht auf unsere Preise den*die ein oder andere*n zum Mitmachen bewegt“.

Auf dass dieses kleine Lesestück den*die*das (!) ein oder andere*n ein wenig zum Insichgehen bewegt. Wir kehren in der Zwischenzeit den Sternchenenstaub zusammen, selbstverständlich handgehend.

5 KOMMENTARE

  1. Guten Tag,
    wusste gar nicht das die Linke/SPD/Grüne evtl
    die CDU in Unna so bekloppt sind.
    Bin in diesem Kaff geboren, ja nun, Vielleicht
    wollen die Unnaer Bürger auch Mal nicht provinziell sein.
    Dann gendert schön weiter.
    ,, Total bescheuert“
    Gruß.
    Helmut König

  2. Sehr geehrte Redakteure (m,w,d) des „Rundblicks“,

    als „alter weißer Mann“ fühle ich mich diskriminiert, wenn in TV- und Radiobeiträgen eine längere Pause zwischen Maskulinum und Femininumende ausgelassen wird, weil ich dann nur nur noch das Femininum verstehe. Beispiel: Bürger…innen.
    Anscheinend stört diese den Sprachfluss stark und alternativ auch die Nennung beider Geschlechter, weil der Satz dann langatmig wird. Falls doch, dann wird das Femininum meistens zuerst benutzt.
    Somit sind meine „Geschlechtsgenossen“ und ich nun zweitrangig geworden. Dabei wird zudem, wenn man den Genderwahn ernst nimmt, die gesetzlich vorgeschriebene Existenz der „Diversen“,ausgelassen, die in jeder Stellenausschreibung mitgenannt werden müssen, um Abmahnungen zu vermeiden.
    Das gleiche Problem entsteht, wenn die Presse in ihren Berichten und Kommentaren versucht, die Symbole (*), (:), (/) zu benutzen, denn manchmal werden diese in der Eile des Formulierens vergessen, so dass nur das Femininum übrig bleibt.

    Als Teil der Bevölkerung mit fast 50%igem Anteil sehe ich mich daher neben den wenigen „Diversen“ ausgegrenzt oder nicht mehr existent.
    Beispiel der Korrektheit im Genderwahnsinn wäre:
    „Bürger, Bürgerinnen und Diverse.“ Oder kürzer:
    „Bürger m,w,d.“
    Der Geschlechtergerechtigkeit wegen sollte man es dann wie in der Klimatologie handhaben, in der es seit vielen Jahren üblich ist, Hochs und Tiefs abwechselnd mit männlichen und weiblichen Vornahmen zu versehen, also: Ein Jahr erst das Maskulinum voranstellen, im zweiten das Femininum und im dritten die Diversen. Dann das Ganze von vorn.

    Ich freue mich, dass auch Sie diesen Wahn- und Unsinn anprangern und satirisch darauf reagieren. Dem kann ich noch folgendes hinzufügen:
    Darf man jetzt den Text der Europahymne (… alle Menschen werden Brüder…) und der Deutschlandhymne (…brüderlich mit Herz und Hand…blühe deutsches Vaterland…) nicht mehr singen, oder muss man die Begriffe „Schwester, schwesterlich, Schwesterland und „Diverse“ hinzufügen? Wird sich lustig anhören.
    Oder gilt hier weiter das generische Maskulinum?
    Dann sollte man es wie früher weiter benutzen.
    Einer Umfrage zufolge lehnt die Mehrheit der Bevölkerung diesen Sprach- und Schreibirrsinn ab.
    So kann es jedenfalls nicht weitergehen!!

    Wichtiger wäre, endlich die diskriminierende Verwendung des Wortes „Alt“ im Zusammenhang mit „Heim, Pflege u.ä. zu verbieten. Unter „Alt“ versteht man allgemein Negatives, Nutzloses.
    Warum wird nicht hier eine Anregung zur Verwendung von „Senioren“ empfohlen?
    In Spanien ist jedenfalls die Verwendung von „Alt“ (antiquo) im Zusammenhang mit Personen eine Beleidigung. Hier verwendet man den Begriff „major), was eine deutliche Anerkennung und großen Respekt bedeutet, z.B. Senora major.
    Hier wäre dringend eine Sprachänderung notwendig!!

  3. Es wird Zeit das diese „Vergewaltigung“ der noch „Deutschen Sprache“ mal wieder auf ein normales Sprachniveau angepasst wird. Was für ein „Gender-Sternchen“ hat sich eigentlich diesen Scheiß eigentlich ausgedacht!?

  4. Sind Fußwege nur für zu Fuß Gehende da?
    Fühlen sich im Rollstuhl Fahrende, auf Krücken Gehende und auf Skatboard Fahrende nicht angesprochen? Ist es diesen Gruppen gar verboten, die gleichen Wege wie die zu Fuß Gehenden zu verwenden?

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