„Steckt Flechsig da mit drin?“ Kamener Fleischer gibt Erklärung ab – CDU: Landrat gefragt – SOKO Tierschutz antwortet auf Mecke-Erklärung

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Rinder auf der Weide, Symbolbild - Archiv, Foto Rinke

Nach dem Tierquälerei-Skandal in der Viehumladestelle Werne (wir berichteten), den Videoaufnahmen der SOKO Tierschutz vorige Woche öffentlich gemacht hatten, geht ein Berufskollege des Werner Metzgers Mecke jetzt in die Offensive.

Zugleich schickte am heutigen Vormittag als dritte Kreistagsfraktion (nach Grünen und SPD) die CDU eine Pressemitteilung zu den inzwischen zwei Fällen brutaler Tiermisshandlungen in Schlachthöfen im Kreis. Sie fordert: Jeder Stein müsse jetzt umgedreht werden.

Der Kamener Fleischermeister Dirk Flechsig mit Hauptgeschäft in Kamen und Zweigestelle in Bergkamen betont in einer öffentlichen Erklärung: „Wir stecken da nicht mit drin!“

Flechsigs Erklärung hier im Wortlaut.

„Wieso gehen Menschen so brutal und rücksichtslos mit Tieren um?

,Da werden doch überall Tiere gequält!´, könnte man denken. Und die aktuellen Vorkommnisse in Werne würden diese These ebenso belegen wie die grauenhafte Massentierhaltung!

Die wenigen bekannten Fakten zeigen vielleicht nur ,einzelne Mitarbeiter´ oder ,Ausnahmen´. Die Wahrheit ist: Es sind vielmehr Belege für eine verachtende Sichtweise, skrupellose Geldgier und gezielten Unwahrheiten!

,Steckt Flechsig da mit drin?´ – NEIN! Selbstverständlich nicht! Es geht nämlich auch anders! Aus tiefster Überzeugung: TIERFREUNDLICH!

… Im Jahr 1999 – also vor 22 Jahren – musste ich feststellen, wie grausam unsere damaligen Partner gearbeitet haben. Ich durfte offiziell nicht einmal in die Ställe unserer Lieferanten schauen! Seit dieser Zeit ist es unerträglich für mich, mit Menschen zu arbeiten, die Lebewesen so respektlos behandeln!

Deshalb arbeitet Flechsig ausschließlich mit Fleisch aus tierfreundlicher Haltung und Partnern, die diese Werte und Einstellung zum Leben teilen. Es sind ganz sicher keine leeren Worte, um diese schreckliche Situation zu unserem Vorteil zu nutzen. – Es ist ein klares Versprechen …

Beweise? Es ist viel mehr als eine klare respektvolle Grundhaltung zum Leben: Unsere Partner und wir werden regelmäßig intensiv kontrolliert. Teilweise gegenseitig, teilweise durch externe Experten von der Gesellschaft für Ressourcenschutz. Mehrfach in der Woche wird der Schlachtbetrieb in Unna besucht, um die tierfreundlichen Prinzipien dauerhaft sicherzustellen!

Unser Partner Neuland hat hierfür Richtlinien definiert, die unter allen Umständen eingehalten werden.

HIER sind die Richtlinien nachzulesen.

Die Bilder aus Werne brechen mir das Herz. … Es ist nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie Fleisch essen.“

Die CDU stellt in ihrer Pressemitteilung fest:

Erneut innerhalb kürzester Zeit hat ein schwerer Verstoß gegen den Tierschutz den Kreis Unna erschüttert. „Wir sind schockiert von den Bildern und sind fassungslos, dass es im Kreis Unna abermals zu derartig widerwärtigen Verstößen gegen das Tierwohl
kommen konnte“, zeigt sich die gesundheits- und verbraucherpolitische Sprecherin der
CDU-Kreistagsfraktion Annika Brauksiepe entsetzt.

Nach den Ereignissen in Selm folgt nun ein weiterer gravierender Verstoß gegen den Tierschutz im Kreis Unna, diesmal in Werne. Es stellen sich insbesondere Fragen zu möglichen lückenhaften Kontrollen durch die zuständigen Behörden.

„Jetzt muss sprichwörtlich jeder Stein umgedreht werden und dabei ist auch die Rolle des Kreisveterinäramtes zu hinterfragen“,

so Marco Morten Pufke, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Unna.

Marco Morten Pufke – Foto CDU Kreis Unna

„Politik ist nun in der Pflicht die richtigen Fragen zu stellen. Das werden wir im Ausschuss für Gesundheit- und Verbraucherschutz am 23. August tun.

Unabhängig davon fordern wir den Landrat auf, alles zu unternehmen, um den Sachverhalt vollumfänglich aufzuklären und Versäumnisse in seinem Verantwortungsbereich klar zu benennen und abzustellen“, so Brauksiepe.

Schon am Vorabend hatte sich Bundestagskandidat Hubert Hüppe aus Werne geäußert (HIER).

Die SOKO Tierschutz bezieht auf Facebook Position zur Erklärung von Fleischer Mecke:

„Marco Mecke, der Geschäftsführer der Metzgerei/Schlachterei Mecke und der Hundefutter-Firma Paribal, versucht sich gerade in einem verzweifelten PR Manöver. Quintessenz: Er wusste von nichts, zwei Handlanger wären die Allein-Täter und er wäre einfach nicht genug vor Ort gewesen. Was für ein Sojakäse.

Aufnahme aus der Viehsammelstelle – c/o SOKO Tierschutz

1) Der Handel mit kranken und verletzten Tieren hatte über Monate System. Meckes eigene Tiertransportfahrer, Stallarbeiter, Schlachter und Metzger waren involviert. Keiner konnte den Zustand der Tiere nicht übersehen. Keiner hat Anzeige erstattet. Einer der Sündenböcke folgte brav Anweisungen per Telefon und erstattete Bericht. Warum hat keiner jemals beim „unwissenden“ Chef Alarm geschlagen?

2) Kein Schlachter bekommt versehentlich solche Tiere. Sie werden von Bauern angeboten. Sie werden von Mecke-Transportern im Auftrag der Leitung abgeholt und dann im eigenen Schlachthof getötet. Jede Schlachtung in einem Betrieb wird genau im Voraus geplant, Zustand, Gewicht und Tierart gemeldet und nach Bedarf für die Tötung freigegeben. Und sollte es doch ein Versehen oder ein dreister Bauer gewesen sein: Wo ist die Strafanzeige von Mecke gegen den Landwirt? Und was ist mit all den weiteren Tieren danach?

3) Zusammenarbeit mit dem Skandal Tierhändler Hunecke. Der Haupttäter des gigantischen Tierschutzskandals um die Schlachtung kranker und verletzter Rinder von Bad Iburg lieferte jede Woche pünktlich kranke ,verletzte und halb verhungerte Rinder an Mecke. Warum hat Mecke diese Lieferungen nicht gestoppt? Vielleicht, weil er sie beauftragt hat?

4) Bei den Tieren handelte es sich nicht um Tiere mit Transport-Verletzungen. Sie waren halb verhungert, wiesen teils melonengroße Geschwüre auf und hatten kaputte Beine. So etwas fällt bei jeder Schlachtung auf und hätte sofort zu Gegenmaßnahmen führen müssen. Wie wahrscheinlich ist es, dass sich all die zahlreichen, involvierten Mitarbeiter gegen den armen Herrn Mecke verschworen haben, um für ihn höchst lukrativ kranke Tiere zu schlachten?

5) Warum ließ Mecke seine LEBEND-Tiertransporter mit kostspieligen Seilwinden ausstatten, wenn man auch über mindestens ein eigenes Fahrzeug für Notschlachtung und den Transport toter Tiere verfügt, wo eine Seilwinde Sinn macht?

6) Die Viehumladestation hatte keine Genehmigung für Rinder, nur für Pferde. Marko Mecke wusste, dass dort Rinder gelagert werden. Für die Genehmigung ist er, und nicht die zwei Handlanger-Sündenböcke verantwortlich. Wollte man vielleicht gar nicht, dass Behörden dort von Rindern erfahren? Ach ja, da das Meckes Umladestelle war und Meckes Rinder, warum hat Mecke sich dann nicht mal darum gekümmert, dass die Tränken funktionieren? Durst ist Qual.

7) Ach und wer hat nochmal einen der Täter zum offiziellen Tierschutzbeauftragten der Firma Mecke gemacht? Sowas ist auch Chefsache. Wenn also Herr Mecke jetzt den reumütigen Unwissenden spielt, dann ist das ein weiterer Tritt gegen die Menschen, die dieser Firma Vertrauen geschenkt haben.“

HIER die Erklärung der SOKO.

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