„Das Schweigen zur Ehrung von Rassisten in Unna“ – Lesermeinung zum Podium „Antisemitismus begegnen“ mit S. Löhrmann (Grüne)

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Symbolbild Meinungsbeitrag - Eselsbrunnen auf dem Unnaer Markt / Archiv: S. Rinke RB

Zur Veranstaltung „Demokratie stärken – Antisemitismus begegnen“ am 17. März in Unna mit der früheren NRW-Schulministerin und jetzigen Antisemitismusbeauftragten Sylvia Löhrmann (Grüne) schickte uns dieser Leser den folgenden Meinungsbeitrag:

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Am 17.3.2026 fand unter dem Titel „Mehr Licht !“ im Rahmen der diesjährigen „Internationalen Wochen gegen Rassismus in Unna“ im Zentrum für Information und Bildung (ZIB) die Veranstaltung „Demokratie stärken – Antisemitismus begegnen“ mit S. Löhrmann (B90/Die Grünen)- Antisemitismusbeauftragte NRW und Staatsministerin a.D. – statt.

In ihrer 35-minütigen Rede erwähnte sie die 2000-jährige christliche Judenfeindschaft nur ganz kurz,sprach aber minutenlang über die Verbreitung von Verschwörungstheorien unter den Kritikern von Corona-Maßnahmen.

Während sie das Hamas-Massaker vom 7.10.2023 mehrfach erwähnte (und auf die seit diesem Datum gestiegene Zahl antisemitischer Vorfälle und Straftaten hinwies), kam in ihrer Rede der Massennmord Israels im Gazastreifen nicht vor.

Ich stellte Frau Löhrmann die folgende Frage:

„Vor einigen Jahren (2017) hat der Stadtrat von Unna beschlossen, die seit den 1950er Jahren bestehenden Ehrungen von zwei Parteifreunden Hitlers durch Straßennamen weiter fortzusetzen. Wie stehen Sie dazu ?“

Ihre Antwort lautete: Persönlich sei sie dagegen, es handele sich um eine lokale Angelegenheit und eine Kontextualisierung sei das mindeste. Weiter berichtete sie in ihrer Antwort auf meine Frage von den Schwierigkeiten in Solingen, den Hindenburgplatz umzubenennen.

Indem Frau Löhrmann unterscheidet zwischen persönlicher und amtlicher Sicht und zwischen Vorgängen von lokaler und landesweiter Bedeutung , erspart sie sich ein Tätigwerden bzgl. der Naziehrungen in Unna (Wagenfeld – und Lerschstraße).

Auch der seit 2009 in Unna bestehende städtische „Runde Tisch gegen Gewalt und Rasssismus“ schweigt sich beharrlich dazu aus,obwohl sich Unna seit 2014 „Stadt ohne Rassismus – Stadt mit Courage“ nennt.

Die von Frau Löhrmann geforderte Kontextualisierung der nach Nazis benannten Straßen durch Zusatzschilder hat in Unna bereits 2020 stattgefunden (was sie nicht wissen konnte) – ändert aber nichts an der Ehrung von Rassisten.

Während der Duden die Bedeutung von „antisemitisch“ kurz und bündig mit „judenfeindlich“ angibt, wird in der auf der Veranstaltung mit Frau Löhrmann zur Verfügung gestellten Schrift „Antisemitismus“ der Bundeszentrale für politische Bildung im Kapitel „Was ist Antisemitismus?“ die Definitioin des Dudens nicht genannt, aber der 57 Wörter lange Begriff von Antisemitismus, an dem sich die Bundesregierung orientiert, der ermöglicht, Kritik an der Politik des Staates Israel als antisemitisch zu diffamieren (sog. israelbezogener Antisemitismus).

Die Ablehnung von Frau Löhrmann, bzgl. der Naziehrungen in Unna aktiv zu werden, ihre etwas nähere Thematisierung der langen christlichen Judenfeindlichkeit erst in ihrer Antwort auf die Frage eines Teilnehmers nach der Herkunft des Antisemitismus, die Orientierung der Bundesregierung an einem Antisemitismusbegriff abweichend vom Duden und das Schweigen des städtischen „Runden Tisches gegen Gewalt und Rassismus“ zu den Naziehrungen in Unna legen den Verdacht nahe, dass es bei der staatlichen Antisemitismusbekämpfung mindestens genauso um das Kleinhalten politisch unerwünschter Meinungen geht.

  • Wilhelm Hochgräber, Albert-Schweitzer-Straße 16, Holzwickede

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