„Der Rest ist für Sie!“ – Ein Satz, den jeder Kellner im Restaurant oder Biergarten im Kreis Unna gerne hört. „Denn Trinkgeld kommt immer gut an. Vor allem, wenn es bei dem ‚Rest‘ nicht nur um 20 oder 50 Cent geht“, sagt Torsten Gebehart von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Zum „Welt-Trinkgeld-Tag“ am 21. Mai appelliert die Gastro-Gewerkschaft, beim Trinkgeld „nicht zu knausrig zu sein“. Immerhin gibt es nach Angaben der NGG Dortmund im Kreis Unna rund 6.110 Beschäftigte in Biergärten, Gaststätten, Restaurants und Hotels, für die das Trinkgeld ein wichtiger „Portemonnaie-Füller“ ist.
Feste „Tarife für den Tip“ gebe es allerdings nicht. Trotzdem gelte die Faustregel:
„10 Prozent von dem Betrag, der auf der Rechnung steht, sind üblich. 15 Prozent dürfen es aber auch sein. Denn Trinkgeld ist für alle Kellner und Köche im Kreis Unna wichtig.
Immerhin verdienen sie nicht wirklich üppig“, so Torsten Gebehart. Etwas sparsam blickt der Geschäftsführer der NGG Dortmund auf Gäste, die ihr Portemonnaie lieber zuhalten: „Klar, Pfennigfuchser gibt es auch. Die sind dann mit 5 Prozent dabei.
Und oft genug geben echte Geizkragen auch gar nichts – leider.“
Wichtig ist der Gastronomie-Gewerkschaft, dass es das Trinkgeld zusätzlich zum Lohn gibt. „Als Bonus für prompten und freundlichen Service und für professionell und lecker gemachtes Essen. Trinkgeld ist Wertschätzung“, so Gebehart. Die NGG Dortmund zeigt deshalb auch allen Gastronomen die Rote Karte, die das Trinkgeld mit dem Lohn verrechnen wollen: „Das ist absolut tabu. Denn Lohn ist Lohn. Und Tip ist Tip“, macht Torsten Gebehart deutlich. Gängige Praxis sei, dass das Trinkgeld im Team gerecht geteilt werde. „Auch Küchenhilfen und Minijobber, die im Biergarten aushelfen, sollten nicht leer ausgehen“, so der NGG-Geschäftsführer.
Er rät Gästen, beim Trinkgeld auch nachzufragen. Vor allem bei Kartenzahlung. „Gerade dann sollte man sich beim Personal erkundigen, ob das eingezogene Trinkgeld auch tatsächlich beim Service und in der Küche ankommt“, sagt Torsten Gebehart. Insgesamt sieht er dabei Kartenlesegeräte, die das Trinkgeld schon auf dem Display vorschlagen, kritisch: „Es gibt die Auswahl zwischen 5, 10, 15 und manchmal sogar 20 Prozent. Davon sind viele Gäste genervt oder sogar überfordert. Sie drücken dann oft die ‚Kein Trinkgeld‘-Taste.“ Das wiederum habe weder eine gute Küche noch ein guter Service verdient.
Besonders häufig würden Gäste von Fast-Food-Restaurants in den „Trinkgeld-Sparmodus“ schalten: „Rund um Burger, Pizza, Pommes, Hotdog, Chicken Wings, Döner, Currywurst & Co. fällt extrem wenig Trinkgeld fürs Personal ab. Dabei werden gerade die Beschäftigten dort oft alles andere als gut bezahlt“, so Torsten Gebehart.
Der Geschäftsführer der Gastro-Gewerkschaft macht allerdings deutlich: „Trinkgeld hat null Einfluss auf die Rente. Daher lieber Lohn rauf: Am Tariflohn führt schon deshalb kein Weg vorbei.“
Und beim Lohn soll sich für die Beschäftigten schon bald etwas tun: Die NGG will ein Plus von 6 Prozent erreichen. „Das ist genau die Hälfte von dem, was die Gastronomen durch die Reduzierung der Mehrwertsteuer – von 19 auf 7 Prozent – seit Jahresbeginn mehr für sich in der Kasse haben. Und genau diese Hälfte muss den Gastro-Beschäftigten gehören: den Köchen und Kellnern genauso wie den Rezeptionistinnen, Barkeepern und Azubis“, sagt Torsten Gebehart.
Dafür werde sich die NGG bei der nächsten Tarifverhandlung mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Mitte Juni stark machen.
Quelle Gewerkschaft NGG Dortmund

































Ich verdiene auch nicht üppig! Und bei den Preisen, die reduzierte Mehrwertsteuer haben sich die Gastronomen ja auch eingesteckt (hätte ich drauf gewettet), sind 10-15 Prozent nochmal ein großer Schluck aus der Pulle. Normalverdiener mit Kindern müssen sich einen Lokalbesuch gut überlegen. Und dann noch im Zweifel als Geizkragen bezeichnet zu werden, geht gar nicht.
Interessant, wie aus einer freiwilligen Geste inzwischen gefühlt ein verpflichtender Zusatzposten geworden ist. Ich gebe wirklich gern Trinkgeld – aber eben dann, wenn Service, Freundlichkeit und Leistung auch dazu passen. Das war eigentlich mal der Sinn der Sache.
Diese inzwischen überall aufploppenden „10 %, 15 %, 20 %?“-Abfragen auf EC-Terminals wirken dagegen eher wie digitales schlechtes Gewissen auf Knopfdruck. Besonders originell wird es dann im Self-Service: Man bestellt selbst, holt sein Essen selbst, räumt teilweise noch selbst ab – aber das Terminal fragt vorsorglich trotzdem nach Trinkgeld. Für wen genau? Für die hervorragende Eigenbedienung?
Noch schräger finde ich allerdings die Erwartungshaltung mancher Gastronomen, Trinkgeld quasi als festen Bestandteil der Lohnkalkulation einzuplanen und indirekt vom Gast einzufordern. Trinkgeld ist und bleibt freiwillig. Es ist ein Extra für guten Service – kein Ersatz für ordentliche Bezahlung durch den Arbeitgeber.
Und wenn der Service schlecht ist, was leider inzwischen nicht mehr die Ausnahme zu sein scheint, dann gibt es eben auch kein Trinkgeld. Nicht aus Geiz, sondern weil „hat irgendwie funktioniert“ noch keine besondere Leistung ist.