Energiepreise, 1000 €-Prämie, Gewerbesteuer, zu wenig Azubis – Kritik und Sorge bei IHK-Wirtschaftsgespräch in Unna

0
17
IHK-Wirtschaftsgespräch in der Koch-Chemie GmbH in Unna am 21. April 2026 (v. l.): Gero Brandenburg (IHK-Regionalbetreuer für Unna), Prof. Dr. Stefan Heinemann (KI-Experte), Andreas Tracz (IHK-Vizepräsident und Geschäftsführer der K&K Networks GmbH), Dirk Wigant (Bürgermeister Stadt Unna), Christian A. Mähler (CEO Koch-Chemie GmbH), Stefan Schreiber (IHK-Hauptgeschäftsführer), Kim Tabea Odenwald (Prokuristin WFG Unna), Svenja Schuller (Chief People and Corporate Functions Officer Koch-Chemie GmbH).

IHK-Wirtschaftsgespräch Unna bei der Koch Chemie GmbH: Unsicherheit wegen der internationalen Politik und Unzufriedenheit mit der Bundespolitik waren die thematischen Schwerpunkte.

Da herrschte sofort Konsens bei den Unternehmerinnen und Unternehmern: „Planbarkeit ist ein knappes Gut geworden“‚, sagte IHK-Vizepräsident Andreas Tracz, Geschäftsführer der K&K Networks GmbH, gleich zu Beginn des Wirtschaftsgesprächs Unna der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund (IHK).

Gemeinsam mit IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und IHK-Regionalbetreuer Gero Brandenburg begrüßte er rund 70 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Die Sorge wegen der internationalen Politik und die wachsende Unzufriedenheit der Unternehmen mit der Bundespolitik war eines der meistdiskutierten Themen an diesem Abend.

Gastgeberin war diesmal die Koch Chemie GmbH, die seit 1968 für hochwertige Reinigungs- und Pflegeprodukte in den Bereichen Waschchemie, Fahrzeugaufbereitung, Werkstatt und Industrie steht. CEO Christian A. Mähler präsentierte kurz das Unternehmen, zuvor hatten die Gäste die Gelegenheit zu einem Rundgang, begleitet von Svenja Schuller, Chief People and Corporate Functions Officer.

Belastung im Tagesgeschäft

Schwache Nachfrage, hohe Kosten sowie Fachkräftemangel seien anhaltende Belastungen für die Unternehmen, brachte Tracz es auf den Punkt. Hinzu komme die Lage im Nahen Osten: Der Iran-Krieg verunsichere die Märkte, treibe die Energiepreise und erhöhe branchenübergreifend den Druck – vom produzierenden Gewerbe über das Transportgewerbe bis hin zum Handel.

 „Gerade für einen Wirtschaftsstandort wie Unna ist das keine abstrakte Nachricht, sondern eine sehr konkrete Belastung im Tagesgeschäft“, so Tracz – „das spüren wir auch an der Zapfsäule“. 

Kern des Wirtschaftsgesprächs war die vom IHK-Vizepräsidenten moderierte Podiumsrunde, an der neben Schreiber und Mähler auch Unnas Bürgermeister Dirk Wigant und Kim Tabea Odenwald teilnahmen, Prokuristin bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna. Der IHK-Hauptgeschäftsführer ging darin vor allem auf die Bundespolitik ein.

„Ich warne eindringlich davor, Klima und Arbeitsplätze gegeneinander auszuspielen. Klimaschutz und Wirtschaft – beides geht nur gemeinsam“, betonte Schreiber, zumal das noch immer weit verbreitete Bild der umweltschädlichen Industrie ohnehin falsch sei. Es sei Aufgabe der Politik, endlich wirksame Konzepte zu entwickeln, denn in den vergangenen Jahren seien hier viele Chancen vertan worden – auch mit Blick auf die Entwicklung neuer Flächen für die Wirtschaft.

In diesem Zusammenhang hob der IHK-Hauptgeschäftsführer den Wirtschaftsflächengipfel.RUHR 2026 hervor, der tags darauf in Dortmund bei der WILO SE stattfand, veranstaltet von den Ruhr-IHKs, den Handwerkskammern im Ruhrgebiet und der Business Metropole Ruhr. Mehr als 140 Kommunen im Ruhrgebiet erörterten die Frage, wie der zunehmenden Knappheit an Gewerbeflächen begegnet werden kann.

Kritik an der 1.000-Euro-Prämie

Zudem kritisierte Schreiber die derzeit diskutierte sogenannte Entlastungsprämie von 1.000 Euro, die Unternehmen steuer- und abgabenfrei an ihre Beschäftigten auszahlen können sollen.  Diese Prämie werde in der Breite kaum wirken, weil vielen Unternehmen – gerade im Mittelstand – der finanzielle Spielraum dafür fehle:

„Die Prämie könnte zwar helfen, pendelnde Mitarbeiter unbürokratisch zu unterstützen. Aber die Unternehmen können in der derzeitigen schwierigen Wirtschaftslage oftmals diese Prämien nicht finanzieren, ohne selber in finanzielle Schieflage zu geraten.“

Mit Blick auf Unna ordnete Schreiber die Zahl neuer Ausbildungsverträge ein: Im vergangenen Jahr wurden in der Kreisstadt 244 junge Leute in ein neues Ausbildungsverhältnis gebracht. Das macht ein Minus von 2 Prozent. 

Die gesunkene Anzahl an neuen Ausbildungsverträgen gebe Anlass zur Sorge, da das Niveau deutlich unter den Vor-Corona-Jahren liege.

„Wenn den jungen Leuten schon im Elternhaus 16 Jahre lang mitgegeben wird, studieren zu müssen, dann ist es schwer für uns als IHK, da in einem halben Jahr gegenzusteuern. Aber wir tun, was wir können, um zu zeigen: Es muss nicht bloß Studium sein – ein solider Ausbildungsberuf ist eine lohnende Alternative.“

Grundsteuersatz in Unna

Nach der Wiederwahl Wigants im vergangenen Jahr sprach Tracz unter anderem auch die neue Grundsteuer für Gewerbeimmobilien an. Im Zuge der Grundsteuerreform von 2025 mussten die Kommunen die Sätze neu berechnen.

Wigant verteidigte den am Mittwoch, 22. 4., im Rat beschlossenen neuen Satz von 1052 Punkten: „Angesichts der noch immer herrschenden Rechtsunsicherheit bei diesem Thema war uns wichtig, eine schnelle, tragbare und aufkommensneutrale Lösung zu finden.

Unterm Strich bedeutet das eine Erhöhung bei Wohnimmobilien und eine Verringerung der Grundsteuer bei Gewerbeimmobilien.“

Die nach wie vor hohe Bürokratie – auch auf kommunaler Ebene – war ein weiteres Thema. Unter anderem wurde beklagt, dass beispielsweise Zulassungsverfahren für Fahrzeuge noch immer deutlich zu lange dauerten. Hier sorgte Kim Tabea Odenwald mit einem Versprechen für Raunen im Publikum: „Wenn Sie da nicht weiterkommen, rufen Sie mich an. Ich regle das!“

Unter dem Titel „KI oder KO? Künstliche Intelligenz bewusst gestalten – unabhängig, verantwortungsvoll, zukunftsfähig“ gab abschließend Prof. Dr. Stefan Heinemann von der FOM Hochschule für Oekonomie & Management Einblicke in den aktuellen Stand rund um künstliche Intelligenz – und wie diese von Unternehmen strategisch eingesetzt werden könne, ohne dabei die unternehmerische Verantwortung aus dem Blickwinkel zu verlieren. 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here