Rolle rückwärts der Genossen – SPD will Radeln in Unnas Bummelzone jetzt doch wieder nachts erlauben

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Vorschlag der Unnaer Genossen: Zwischen 21 und 8 Uhr (nicht wie früher von 19 bis 9 Uhr) soll das Radfahren durch die Unnaer Fußgängerzone wieder erlaubt sein. (Fotos und Montage RB)

Rein in die Kartoffeln und wieder raus.

Die SPD-Fraktion Unna will das seit Anfang 2025 geltende Nacht-Radfahrverbot in der Fußgängerzone wieder kippen.

Sie hatte es selbst mit beschlossen. Grüne und Linke unterlagen bei der Ratsabstimmung Anfang 2025.

Etwas mehr als ein Jahr später, am heutigen Montag (16. März), schickte uns die jetzt größte Ratsfraktion einen Antrag zu, wonach sie das Radfahren in den Abend- und Nachtstunden in der Bummelzone wieder erlauben will.

Als Begründung nennt Fraktionsvorsitzende Sebastian Laaser den unbefriedigenden (und offenbar nicht zumutbaren) Zustand des Innenstadt-Radrings, den die Stadt mit 16 Piktogrammen, diversen Umbauten und einigen Parkplatzbeseitigungen im vorletzten Jahr für rund 50.000 Euro angelegt hatte.

Die Genossen erklären ihre Rolle rückwärts wie folgt.

„Ursprünglich durften Radfahrer die Fußgängerzone in den Abend- und Nachtstunden nutzen. Mit der Einführung des Nachtfahrverbots wurde diese Regelung aufgehoben.

Als Begründung wurde damals unter anderem auf den neu geschaffenen Innenstadt-Radring verwiesen, der als alternative Strecke für den Radverkehr rund um die Innenstadt dienen sollte.

Nach Auffassung der SPD-Fraktion erfüllt der Radring diese Funktion jedoch bislang nur eingeschränkt. In mehreren Abschnitten bestehen weiterhin Defizite, etwa bei der Beleuchtung, der Markierung oder der Qualität der Fahrbahnoberflächen.

Insbesondere der Abschnitt durch den Stadtgarten wird von Bürgerinnen und Bürgern immer wieder als Angstraum kritisiert und gemieden.

Auch eine aktuelle Anfrage der SPD-Fraktion an die Stadtverwaltung habe gezeigt, dass bei der Fertigstellung und qualitativen Verbesserung des Radrings noch erheblicher Handlungsbedarf besteht.

„Der Innenstadt-Radring sollte eine sichere und attraktive Alternative zur Durchfahrt durch die Fußgängerzone darstellen. Tatsächlich befindet sich das Projekt aber noch in Teilen im Umsetzungs- und Optimierungsprozess“, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Sebastian Laaser.

„Solange diese Alternative noch nicht vollständig und in guter Qualität vorhanden ist, halten wir das Nachtfahrverbot für nicht überzeugend begründet.“

Der Antrag der SPD sieht deshalb vor, dass das Befahren der Fußgängerzone mit Fahrrädern künftig zwischen 21 Uhr abends und 8 Uhr morgens erlaubt wird.

Damit schlägt die SPD eine angepasste Regelung vor: Früher war das Radfahren bereits ab 19 Uhr erlaubt. Aufgrund der inzwischen teilweise längeren Öffnungszeiten einzelner Geschäfte in der Innenstadt soll der Beginn der Freigabe nun jedoch erst ab 21 Uhr gelten.

Die Regelung habe sich grundsätzlich über viele Jahre bewährt. In den späten Abend- und Nachtstunden sei das Fußgängeraufkommen in der Innenstadt erfahrungsgemäß sehr gering, sodass Konflikte kaum zu erwarten seien.

Gerd Bendiks, SPD-Ratsherr und Ortsvorsteher für Unna-Mitte, unterstützt den Vorstoß: „Viele Menschen nutzen das Fahrrad gerade in den Abendstunden als unkompliziertes Verkehrsmittel in der Innenstadt. Wenn gleichzeitig die Ausweichroute noch nicht vollständig überzeugt, sollte man eine pragmatische Lösung finden. Deshalb schlagen wir vor, eine angepasste Nachtregelung wieder einzuführen.“

Gleichzeitig fordert die SPD-Fraktion die Stadtverwaltung auf, die noch offenen Maßnahmen zur Fertigstellung und Verbesserung des Innenstadt-Radrings mit Nachdruck voranzutreiben. Nach vollständiger Umsetzung soll die Situation erneut bewertet werden.

10 KOMMENTARE

  1. Nun redet doch einmal Klartext:
    Das Nachtfahrverbot in der Fuzo war von Anfang an Blödsinn und die damals geschilderten Gefahrensituationen an den Haaren herbei gezogen. Nur sehr wenige Ratspolitiker haben das damals zur Sprache gebracht. Jetzt so ein wenig an den Zeiten herum zu schrauben, soll doch nur vorgaukeln, dass man eine falsche Entscheidung getroffen hat.

    • Die Nacht dauert nicht von 21.00 Uhr Abends bis 8.00 Uhr Morgens wenn die Schüler bereits in der Klasse sitzen.
      Die Nacht wird im allgemeinen Sprachgebrauch meist als der Zeitraum zwischen
      22:00 Uhr und 6:00 Uhr morgens definiert.

  2. Haben, Herr Laaser und seine Genossen, etwa ein Problem, nach den ganzen Parteiveranstaltungen, nach Hause zu finden?
    Was machen denn diese Leute, wenn sie mit dem PKW über eine dunkele Straße fahren?
    Mein Auto hat schon eine Beleuchtung verbaut, welche ich einschalte, wenn es dunkel wird.
    Der Radring war eine sehr gute Idee, um den Fahrrädern ein Umfahren der Fuzo zu ermöglichen, wenn man dann feststellt, dass hier und da noch Verbesserungsbedarf besteht, dann sollte man das auch zeitnah umsetzen.
    Trotz, noch bestehendem nächtlichen Fahrverbot, nutzen viele Leute trotzdem die Fuzo um ihre Wege zu verkürzen.
    Als Nutzer eines Rollators, ist das nicht ganz so toll, wenn man dann von hinten überholt wird.
    Ich gehe davon aus, dass sehr viele Menschen, in Unna, dieses Fahrverbot sehr begrüßen und es wird der SPD leider nicht helfen, ihre Anhängerschaft, durch eine Freigabe, zu sichern, hierfür ist eine andere Umgehensweise mit dem Bürger notwendig.

    • Die großen Probleme unserer Zeit:
      Krähenkot und Radfahrer die in der kleinen Fuzo von Unna ihre Fahrräder ein paar Meter schieben müssen 🙂

  3. Im September 2024 hat die Stadt ein Radfahrverbot 24/7 für die FGZ verkündet.

    Nach Protesten und unendlichen Diskussionen zwischen Befürwortern des Verbots und Freunden des ADFC für eine Fortführung der alten Regelung erfolgte eine Onlinebefragung.

    Das Ergebnis: 60% von 4491 Bürgern bei der Umfrage befürworteten das Nachtfahrverbot.

    Die Entscheidung des Stadtrates war damit klar, auch schon deshalb da in anderen Fällen allein 83 Antworten bei einer Bürger Umfrage als repräsentativ für eine Ratsentscheidung angesehen werden.

    Was also soll nun der Affentanz der SPD?

    Wenn es Angsträume geben sollte auf dem neuen Radring ist es Aufgabe der Politik diese zu unverzüglich beseitigen.
    Auch wenn dazu die Aufstellung einer Parkleuchte nicht reichen sollte und endlich konsequentes Durchgreifen gegenüber den „Angstverursachern“ von Nöten ist.

    Wenn der Radring in Teilen noch optimiert werden muss, warum ist das nicht erledigt?
    Frei gegeben wurde er ja bereits.

    Am Geld kann es ja nicht liegen wenn ich mich an die Wahlaussagen des damaligen und wiedergewählten BM erinnere.

    Warum also weiter diese endlose Diskussion.

    Es gibt genug Problem in Unna die umzusetzen sind.

    Das Wohl und Wehe, oder besser die Bequemlichkeit einiger, weniger Nachtradler gehört sicher nicht dazu.

  4. Uns sind am Freitagnachmittag mindestens 6 Fahrräder entgegen gekommen, natürlich Agro-Senioren. Dazu kamen auch noch diverse E-Roller. Also, was noch erlauben?

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