Unna braucht Geld – Ab 2025 sollen auch die Lehrer fürs Parken zahlen

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Das Pestalozzi-Gymnasium Unna (PGU). Foto RB

Die Stadt Unna braucht dringend Geld. Da, so erklärten Bürgermeister und Grüne anlässlich der drastischen Anhebung der Gewerbesteuer, „jeder seinen Beitrag leisten muss“, sollen nun auch die Lehrer zur Kasse gebeten werden.

Ab kommendem Jahr will die Stadt Unna ihre Schulparkplätze „bewirtschaften“ und damit unter anderem das Geld wieder hereinholen, das mit dem Auszug des Hellweg-Museums in die Falkschule veranschlagt wird.

Wie berichtet, sollen/müssen die Museumsräume in der Alten Burg umfassend saniert werden. Das Museum soll für diese Zeit umziehen in die Falkschule, die ihrerseits in die neue Gemeinschaftsgrundschule im Süden der Stadt umsiedelt, zusammen mit der Nicolaischule.

Die Idee, dass die Lehrer in Unna fürs Parken auf ihren Schulparkplätzen zahlen sollen, ist nicht neu.

Bereits in der vergangenen Ratsperiode, damals noch unter Bürgermeister Werner Kolter (SPD) und mit „großer Koalition“ zwischen SPD und CDU, legten die Grünen einen entsprechenden Antrag vor. Dieser fand damals keine Mehrheit.

Im Februar 2021 beschloss der neue Rat einstimmig eine „Konzeptionierung der Bewirtschaftung von Stellflächen an städtischen Gebäuden“. Und dazu zählen auch die Schulen in städtischer Trägerschaft.

In einer Ergänzungsvorlage der Stadt zum Doppelhaushalt 2024 und 2025, die unserer Redaktion vorliegt, heißt es zur konkreten Umsetzung eines kostenpflichtigen Parkens an den Schulen:

  • Es stehen insgesamt 406 Stellplätze zur Verfügung.
  • Geplant sei ein „digitales Verfahren mit Onlinebezahlung und kennzeichenbezogener Parkberechtigung“.
  • Die Kosten sollen 30 € im Monat betragen, was der Stadt 145.000 € pro Jahr in die Haushaltskasse spülen würde.
  • Die Nutzungsdauer soll auf 7-16 Uhr beschränkt werden, damit Parkplätze für abendliche und wochenendliche Sporthallennutzer frei sind.
  • Mit der technischen Umsetzung will die Stadt den Dienstleister „regio IT“ beauftragen.
  • Sollte sich das Bezahlparken auf den Schulparkplätzen „bewähren“, soll es auf weitere städtische Liegenschaften ausgeweitet werden.

8 KOMMENTARE

  1. 1,2 Millionen Euro für einen Bürgerpark ausgeben, den keiner braucht und haben will und jetzt von Unnas Lehrern 145000 Euro kassieren um parken zu dürfen.
    Offenbar brauchen wir in zukünftigen Generationen keine ausgebildeten Schüler mehr, Berlin macht uns ja vor, wie es geht, um als Küchenhilfe, Ungelernte Vorsitzende und anderen, bestehen zu können. Die Lehrer hier im Land haben eh schon kein leichtes Leben.
    Was bitte rauchen die im Rathaus?

    Ich glaube, ich lebe im Irrenhaus

  2. Na und, was ist denn so schlimm daran, wenn Lehrer, wie fast alle anderen Arbeitnehmer auch, für einen Parkplatz zahlen müssen? Dabei sind 30 Euro im Monat doch recht human, zumal Lehrer regelmäßig nicht schlecht verdienen. Da gibt es andere Meldungen, für die es sich eine Welle zu machen lohnt.

    • Ich komme aus der Industrie und arbeite als Lehrer. Auf Grund meines deutlich geringeren Gehalts als Lehrer (bei gleicher oder höherer Arbeitsbelastung trotz Ferien), überlege ich regelmäßig bei Angeboten von Head Huntern wieder zurück in die Industrie zu gehen.
      So viel zum Thema Gehalt.
      Beim alten Arbeitgeber hatte ich übrigens einen kostenlosen Parkplatz oder alternativ ein Mobilitätszuschlag. Die Firmen müssen sich nämlich mittlerweile attraktive Dinge überlegen, um Personal zu bekommen.
      Die Stadt Unna wohl anscheinend nicht 😉
      Dazu noch: 7-16 Uhr? Ich bin regelmäßig länger in der Schule. Vermute ich zahle dann ein zweites Mal? Hoffe die Besucher der anderen Veranstaltungen dann ebenfalls 😉

  3. Die 30 Euro im Monat wäre man übrigens an manchen Schulen bereit zu zahlen, denn oft bekommt man gar keinen Parkplatz in der Nähe der Schule.
    Mehr Sinn ergäbe für mich aber auch das Geld dann in eine sichere Unterstellmöglichkeit für mein EBike zu investieren oder gar in eine anständige Bus- und Bahnanbindung, mit der Lehrer/innen und auch Schüler/innen überhaupt pünktlich zum Unterricht kommen können. (Aktuell nicht der Fall)
    Auch die Umsetzung hakt. Was ist wenn mein Mann mit den Kindern ein Termin hat und ich mit dem kleinen Auto mit anderen Kennzeichen komme oder mit dem Carsharing-Auto, über das wir nachdenken?
    Wie viel kosten eigentlich die Leute, die Parkverstöße dann suchen?

  4. Wahrscheinlich ist demnächst mit Gebühren für die Geh- u. Radwegnutzung zu rechnen. Oder mit einer Abgabe bei Gebrauch von Parkbänken. Deutschland hat sich bei dem derzeitig eingeschlagenen Weg bald tatsächlich abgeschafft.

  5. Ich dachte, die Stadt spart auch so schon immense Beträge für die Erhaltung der Schulgebäude und beim Reinigungspersonal.
    Mein Vorschlag (was „Tank und Rast“ recht ist, kann der Schule nur billig sein): eine Toiletten – Benutzungsgebühr von 0,50 € pro „Gang“ und geschätzten zwei Besuchen pro Kolleg*in kommen bei einer Schule mit 45 Lehrkräften pro Jahr locker 9000 € zusammen.
    Ob Lehrer allerdings dann noch in ihrer Freizeit das Schulgebäude reinigen oder selbiges so verlassen wie die Benutzer der Raststätten überlasse ich der Phantasie der Stadtverordneten.

  6. Dass wir überhaupt über so ein Thema sprechen müssen, stimmt mich sehr nachdenklich. Früher hatte Bildung noch einen Wert und Lehrkräfte wurden geschätzt. Junge Leute schauen sich heutzutage genau an, was sie beruflich machen möchten und es bieten sich ihnen viele attraktive Möglichkeiten. Es sind zwar nur 30 Euro, aber das Signal ist das Entscheidende: „Ihr habt keine Lobby, wir schätzen Eure Arbeit nicht und wir holen uns von Euch das, was wir woanders mit offenen Händen ausgeben.“ Wäre ich jung, würde ich heute auch kein Lehramt mehr studieren. Und das führt dazu, dass die Qualität im Bildungssystem permanent sind. Und das ist eine Katastrophe, denn genau da brauchen wir die richtig Guten!

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