„Unna möchte weg von der autogerechten Stadt“: Mobilitätsforum zur Verkehrswende – Bürger herzlich eingeladen

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Damit die Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit nicht nur auf Schildern verkündet wird (wie hier an der Morgenstraße), möchte die Stadt Unna zusammen mit den Bürgern die "Verkehrswende für Unna" schaffen. (Foto Rinke)

Eine Radspur auf dem Verkehrsring? Autoarme Innenstadtviertel? Noch viel mehr Fahrradstraßen? Ja, zumindest mal probeweise.

So lautet die Marschroute der Stadt Unna in Sachen Mobilität.

„Der Nahmobilität soll die Chance eingeräumt werden, sich gegen das Konzept der autogerechten Stadt zu behaupten.“ Und: „Dazu gehört auch, neue Maßnahmen einfach mal auszuprobieren. (Nur) dann wissen wir auch, ob es funktioniert.“

Seit März arbeiten die Stadtverwaltung und das Dortmunder Verkehrsplanungsbüro Planersocietät an einem Mobilitätskonzept für die Kreisstadt. Mit dem Konzept soll die Verkehrswende in Unna eingeleitet werden.

Was genau bedeutet das, was wird da eigentlich geplant – und wie ist der Ablauf? Wie können sich die Unnaerinnen und Unnaer einbringen? Wann werden Planungen umgesetzt?

Fragen wie diese werden bei einem öffentlichen Mobilitätsforum behandelt, zu dem die Stadt Unna am Dienstag, 16. August 2022, ihre Bürgerinnen und Bürger einlädt. Die Bürgerveranstaltung beginnt um 17.30 Uhr in der Stadthalle. Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das Forum gliedert sich in zwei Teile.

  • Im ersten Abschnitt wird über den Prozess und den Ablauf des Mobilitätskonzeptes informiert.
  • Im zweiten, dialogorientierten Teil können Interessierte an Gesprächsinseln im Foyer in direkten Kontakt mit der Stadt und den Planenden treten. An mehreren Plakatständen kann diskutiert werden, es können Ideen und Probleme geäußert sowie Hinweise gegeben und Konflikte benannt werden. Vertreter der Stadt und der Planersocietät betreuen die Infostände.
  • Ein lockerer Ausklang beendet das Mobilitätsforum.

„Mit dem Mobilitätskonzept möchte die Stadt Unna vor allem die Nahmobilität mit Rad- und Fußverkehr systematisch stärken und den ÖPNV sowie den motorisierten Individualverkehr verbessern. Auch eine höhere Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum ist ein Ziel… Unna möchte weg von der autogerechten Stadt.“

So formuliert das Rathaus das Ziel des Konzeptes, das im Herbst 2023 durch den Stadtrat verabschiedet werden soll.

Eher im Widerspruch zur angestrebten Verkehrswende scheint der Umbau der Kantstraße/Beethovenring für den Autoverkehr zu stehen, im Zusammenhang mit dem neuen Parkhaus Neue Mühle für über 300 Pkw. (Foto M. Trillhose)

Zu diesem Prozess gehöre es auch, neue Maßnahmen im „Reallabor“ auszuprobieren, ergänzte Beigeordneter Toschläger in einer ersten Pressemitteilung zu dem vorgesehenen Konzept: „Maßnahmen, deren Wirkung wir nicht von vornherein absehen können, müssen wir einfach mal ausprobieren, dann wissen wir auch, ob es funktioniert.“

Die Stadt hatte für die Erstellung des Mobilitätskonzeptes im März die Planersocietät Mobilität.Stadt.Dialog beauftragt, um damit die Verkehrswende in Unna einzuleiten. Das Konzept soll darauf ausgelegt sein, den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu vermeiden, zu verlagern und zu verbessern, wobei ÖPNV/SPNV und der Sharing-Gedanke unterstützend wirken. Der Nahmobilität soll hier die Chance und Möglichkeit eingeräumt werden sich gegen das Konzept der autogerechten Stadt zu behaupten: Maßnahmen, die zu einer systematischen Förderung der Nahmobilität und zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum führen.

Quelle Stadt Unna

6 KOMMENTARE

  1. Wenn eine Stadt nicht nur auf ein Verkehrsmittel abgestimmt ist, also sowohl PKW, als auch ÖNV und Fahrräder berücksichtigt, ist das sicherlich eine gute Sache.
    Speziell für die Bewohner der Stadt selber.
    Nun ist Unna aber auch eine Kreisstadt und möchte auch ein Anziehungspunkt für die Bewohner des größeren Umfeldes sein. Gerade der Handel ist darauf angewiesen.
    Und dann muß man sich einfach überlegen, wie diese Umfeldbewohner in der Praxis die Kreisstadt erreichen können.
    ZB auch so von Monat 10/11 bis Monat 3/4.
    Das wird, mindestens für Einkäufe, eher nicht per Fahrrad und nur in moderater Prozentzahl per Öffis sein.
    Anders ausgedrückt: Alle Maßnahmen, die zu Lasten des PKW- Verkehrs gehen, inklusive der Parkplatzsituation, werden auf Unna den Effekt haben, daß die Bewohner des Umfeldes wegbleiben, wenn diese Alternativen in Hamm, Werl, Dortmund usw in guter Erreichbarkeit haben.

    Ich bin trotzdem prinzipiell auf die Umsetzung gespannt.
    Immerhin reden wir von einer Stadt, die seit Jahrzehnten am System eines simplen Kreisverkehrs in seinem Zentrum scheitert, weil sie die Grundlagen für einen gut laufenden Kreisverkehr nicht beachtet, die man überall auf der Welt, vor allem in GB, studieren kann.

    Interessant auch, das man die Planung „Mobilitätskonzept“ nennt.
    Ich denke, es wird auf ein „Demobilitätskonzept“ hinauslaufen und für ein paar Dutzend neu gewonnener Fahrradfahrer bleiben hunderte PKW-Fahrer weg, speziell die, die mit Kindern einkaufen wollen oder mehr als ne Tüte Milch brauchen.
    Wir werden es dann erleben, wenn nicht das „verteuerbare Energien“- in Kombination mit „wir brauchen kein russisches Gas“-Konzept solche Planungen ab nächstes Jahr obsolet werden läßt, weil eh keiner mehr genug Geld zum Fahren und Einkaufen hat.

    • Das ist ein sehr guter Kommentar, ich bin der gleichen Meinung. So wird es kommen, über kurz oder lang. Gut das auch noch mal der perfekt geplante Kreisverkehr erwähnt wurde. ( ich lach mich jedes mal kaputt)
      Genau so perfekt gelöst ist auch die Verkehrsführung rund um das neue Einkaufszentrum.

  2. Clownworld wird immer lustiger, jetzt soll Unna schon eine autogerechte Stadt sein…

    Hahahhaahahhahaaaaa, der Gag war echt gut.

  3. In diese Stadt kommt doch jetzt eh keiner mehr. Alle Läden haben gefühlt das gleiche Angebot. Der Markt ist irgendwie….Tod und für Jugendliche gibt’s kein Angebot. Da ist mir langsam auch der Rest egal. Wenn man mal eine Brille braucht, da wird Unna echt Marktführer sein. Dann ist die Autofrage jetzt auch egal. Die neue Mühle ist von allen Seiten gruselig und ich finde in die schöne Villa die daneben steht könnte dann mal der Rat einziehen. Welcher Trottel soll das noch kaufen? Bahn daneben, Garten keine Chance und umzingelt von trostlosen Beton. Glückwunsch Unna….läuft wie immer. Das liegt jetzt nicht am Bürgermeister aber wir warten ja alle das da mal was erstaunlich neues kommt. Ausser das Personal aufzustocken. Und die Leute die da schon lange sitzen sollten mal schwer über ihr handeln nachdenken, länger als der Bürgermeister

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