Dinge „einfach mal ausprobieren“: Gegenentwurf zur „autogerechten Stadt“ – Mobilitätskonzept für Unna gestartet

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Projektleiterin Sylvia Klemp, Bürgermeister Dirk Wigant, Dipl.-Ing. Michael Frehn (Planersocietät), Jens Toschläger, Erster Beigeordneter und Moritz Müller (Planersocietät). Foto Stadt Unna

Der Nahmobilität soll die Chance eingeräumt werden, sich gegen das Konzept der autogerechten Stadt zu behaupten:

Unnas Mobilitätskonzept ist Ende letzter Woche an den Start gegangen. Die Stadtverwaltung hat mit der Erstellung ein externes Planungsbüro beauftragt.

Im Kernpunkt soll das Konzept

  • motorisierten Individualverkehr vermeiden, verlagern und verbessern,
  • ÖPNV und Car-Sharing stärken,
  • Nahmobilität systematisch fördern und dadurch
  • die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum steigern.

Für Bürgermeister Dirk Wigant „ist es eine Herzensangelegenheit“, erinnert die Verwaltung in ihrer Pressemitteilung an einen zentralen Punkt in Wigants Bürgermeisterwahlkampf. Unter seiner Bürgermeisterschaft, so versprach der damalige Ordnungsamtsleiter, werde es ein umfassendes Mobiliätskonzept für Unna geben, das freilich nach Wigants damaligen Verlautbarungen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt berücksichtigen werde: neben Fußgängern und Radlern eben auch den Individualverkehr im eigenen Pkw.

Das hört sich nun ein wenig anders an: Das neu gestartete Konzept setzt klare Prioritäten.

„Ziel des Mobilitätskonzeptes ist es, die Verkehrswende in Unna einzuleiten. Wir können Dinge versuchen, die woanders schon funktionieren“,

lässt sich Dirk Wigant in der Mitteilung seines Pressebüros zitieren. Er sei froh, mit der Planersocietät Mobilität.Stadt.Dialog ein Unternehmen gefunden zu haben, das über reichlich Vorerfahrung auf diesem Gebiet verfüge.

Auch sein Erster Beigeordneter Jens Toschläger sieht das so; er ergänzt:

„Wir müssen Maßnahmen, deren Wirkung nicht von vornherein abzusehen sind, einfach mal ausprobieren, dann wissen wir auch, ob es funktioniert.“

Im Herbst 2023 soll das fertige Konzept durch den Stadtrat verabschiedet werden.

Die Pressemitteilung skizziert ausführlich den Weg dorthin:

„Wichtig ist allen Beteiligten, dass alle lokalen Akteure wie der ADFC, vor allem aber auch die Bürgerinnen und Bürger in Unna ihre Ideen in diesen Prozess einbringen.

Auch ein Beirat soll gegründet werden: Ein Gremium, in das Vereine oder Fachleute ihre Gedanken und Ideen einbringen können.

„Wir nehmen die gesamte Stadtgesellschaft mit.“

  • (Bürgermeister Dirk Wigant)

Dazu sollen es verschiedene Beteiligungsformate geben. Foren, Bürgerveranstaltungen oder auch eine Ideenbörse. Planungsradtouren oder- spaziergänge gehören ebenfalls zu den angedachten Beteiligungsmöglichkeiten.

Über den aktuellen Fortschritt wollen Planer und Verwaltung fortlaufend unter anderem über die Homepage der Kreisstadt Unna informieren.

Im Gegensatz zu früheren überwiegend netz- und infrastrukturorientierten Verkehrsentwicklungsplänen sollen in dem Mobilitätskonzept alle relevanten Einflüsse und Maßnahmenebenen aus den Themenfeldern Mobilität und Verkehr aufgehen. Für Dipl.-Ing Michael Frehn von der Planersocietät soll ein Denken in alle Richtungen erlaubt sein.

„Wir kennen die Knackpunkte in solchen Prozessen“, sagt Frehn. Und Toschläger ergänzt:

„Es wird sicherlich auch mal Punkte geben, wo wir Nein sagen müssen.“

Am Ende, da ist sich Bürgermeister Wigant sicher, werde das Mobilitätskonzept einen breiten Konsens finden.

Doch vor dem Ende steht der Anfang und der sieht eine Bestandsaufnahme durch die Planersocietät vor.

Ein wesentlicher Aspekt des Mobilitätskonzeptes ist das Aufzeigen einer ganzheitlichen Strategie unter Einbeziehung aller Verkehrsträger und Verkehrsteilnehmer, wobei die Vernetzung eine wesentliche Rolle spielt. Die Erreichbarkeit der Innenstadt und der einzelnen Stadtteile ist ein weiterer Aspekt. Dabei sind im Konzept nicht nur reine Einzelmaßnahmen aufzulisten, vielmehr ist eine perspektivische Ausrichtung erwünscht.

Das Konzept soll darauf ausgelegt sein, den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu vermeiden, zu verlagern und zu verbessern, wobei ÖPNV/SPNV und der Sharing-Gedanke unterstützend wirken. Der Nahmobilität soll hier die Chance und Möglichkeit eingeräumt werden, sich gegen das Konzept der autogerechten Stadt zu behaupten: Maßnahmen, die zu einer systematischen Förderung der Nahmobilität und zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum führen.

Quelle: PM Stadt Unna

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