Flut in Fröndenberg: Deichbruch drohte schon am Sonntag – Schockierende Videos

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In braunen Sturzbächen ergoss sich das Wasser durch das Waldstück am Hirschberg hinunter gen Westick. (Foto: Kai Schimmel - für RBU)

Der bis zum Rand vollgelaufene Angelteich im Waldstück oberhalb von Fröndenberg-Westick drohte unter dem mehr als vierstündigen Sturzregen schon am Sonntagnachmittag nachzugeben.

Das dokumentieren Videos, die uns unser Leser Kai Schimmel schickte.

Er habe, so berichtet der Bauingenieur aus Fröndenberg, die Lage am Teich bereits eine knappe Stunde nach Beginn des Unwetters mit hoher Besorgnis beobachtet. Er entschied sich dazu, die sich zuspitzende Situation an die koordinierenden Stellen weiterzugeben.

Der Teich im Wald oberhalb von Westick, Luftbild der Stadt Fröndenberg vom Montag, 5. 7. 2021.

„Um 13.43 Uhr habe ich der Kreisleitstelle den drohenden Dammdurchbuch gemeldet“, berichtet Kai Schimmel. „Leider hatten die Einsatzkräfte zu viel zu tun.“

Wie berichtet, reihte sich ab 12.25 Uhr Notruf an Notruf, da in den östlichen Innenstadtbereichen Straßen übrfluteten, Keller, Erdgeschosse und Gärten vollliefen.

Währenddessen baute sich im Waldstück am Hirschberg, nur wenige 100 Meter oberhalb der Westicker Straße, noch weitgehend unbemerkt eine ernste Bedrohung auf.

Um 14.56 Uhr schaute sich Kai Schimmel gemeinsam mit einem Kollegen, der Pionier bei der Bundeswehr ist, die Situation am Teich nochmals an. „Dann habe ich die Kreisleitstelle nochmals angerufen.“

Doch zu diesem Zeitpunkt war bereits eine Übermasse an Notrufen bei der Leitstelle aufgelaufen. So musste Kai Schimmel immer und immer wieder versuchen, mit seiner Gefahrenmeldung durchzudringen.

„Erst nach 7 Anrufen hat man mich um 17.12 Uhr ernst genommen mit meiner Warnung, dass ein Dammdurchbruch droht, falls es weiter regnet.“

Auf einer Pressekonferenz am folgenden frühen Nachmittag, 5. Juli, informierten Kreis, Stadt und Feuerwehr über die bedrohliche Situation am Teich nördlich der Westicker Straße.

Mit einer Größe von ca. 60 mal 80 Metern und einer geschätzten Tiefe von 3 bis 4 Metern wären die Folgen nicht auszumalen gewesen, hätte der Deich nachgegeben und sich das gesamte schlammige Wasser zur Westicker Straße hinunter ergossen.

Kreis, Stadt und Feuerwehr entschlossen sich zur unverzüglichen Evakuierung der akut bedrohten Bezirke im Umfeld der Westicker Straße in Höhe Penny und Netto.

Bis zum späten Montagabend mussten 700 Anwohnerinnen und Anwohner ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Die meisten kamen bei Verwandten, Freunden oder Bekannten unter, 40 Betroffene versorgten die Hilfskräfte des DRK in der von der Stadt Fröndenberg bereit gestellten Notunterkunft in der Gesamtschule am Wiesengrund.

Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehren sicherten währenddessen den Teich am Montag mit einem speziellen Deichvlies ab und stabilisierten das Ufer mit 2000 Sandsäcken. In der folgenden Nacht hielt der Deich.

Das Wasser wurde vom THW abgepumpt, so dass die akute Gefahr am Dienstagmittag gebannt war. Am Nachmittag erfolgte der kontrollierte Dammdurchbuch am Teich.

Um kurz nach 20 Uhr gab es von Stadt und Krisenstab Entwarnung.

Welche bedrohliche Kulisse sich dort im Wald indessen aufbaute, zeigen eindrucksvoll die Videoaufnahmen von Kai Schimmel vom frühen Sonntagnachmittag.

Das Wasser ergoss sich auf den Bahnübergang und floss weiter auf die Westicker Straße gegenüber dem Netto-Parkplatz.

2 KOMMENTARE

  1. 60 x 80 x 4 = 19200 Kubikmeter, also 19 Millionen Liter – laut googlemaps in 30 Meter Höhe über der Stadt. Warum gibt es dort einen Angelteich? nebenan fließt die Ruhr – gibts da keine Fische zu killen?

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