Kita-und Schulbesuch nur für geimpfte Kinder? Beschluss sorgt für Verunsicherung

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Foto: Symbolfoto RBU

„Das Recht auf Bildung mit Kita- und Schulbesuch kann im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen COVID-19-Impfung gesichert werden. … .Die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe erlangen Familien mit Kindern nur mit geimpften Kindern zurück.“

Dieses Zitat mit dem Briefkopf des Deutschen Ärztetages macht seit einigen Tagen die Runde und verunsichert vornehmlich Eltern: „Heißt das, dass jetzt im Herbst die Corona-Impfflicht für Schulkinder kommt?“

Auch unsere Redaktion erreichte eine besorgte Anfrage, ob es sich bei dieser kolportierten Meldung (oft als Screenshot per WhatsApp weitergeleitet) möglicherweise um eine Fake-Nachricht handele.

Tatsächlich ist die Meldung echt. Der oben zitierte Beschluss findet sich im Protokoll des 142. Ärztetags, welcher am 4. und 5. Mai online tagte und der sich unter anderem auch mit der künftigen Covid-Strategie befasste.

Vorab: Ein Beschluss eines Medizinergremiums ist kein Gesetz, auch kein Gesetzentwurf oder in ähnlicher Weise von juristischer Verbindlichkeit.

Der Ärztetag stellt indes Forderungen an die Bundesregierung:

Dazu zählen umfassende strategische Maßnahmen im Hinblick auf die künftige medizinische Versorgung in Deutschland, und dazu zählt ebenauch die Aufforderung, „unverzüglich eine Covid-19-Impfstrategie für Kinder zu entwickeln“.

Wörtlich heißt es dazu im Protokoll:

„Der 124. Deutsche Ärztetag 2021 fordert die Bundesregierung auf, unverzüglich eine COVID-19-Impfstrategie für Kinder und Jugendliche zu entwickeln und vor Einsetzen des Winters 2021/2022 umzusetzen.

Dazu gehört es u. a., die Forschung zu Impfstoffen für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sofort und nachhaltig mit ausreichenden finanziellen und organisatorischen Maßnahmen zu fördern, hinreichend adäquate Impfstoffe zu bestellen und zeitnah auszuliefern, proaktiv mediale Kommunikation für die Impfung von Kindern und Jugendlichen vorzubereiten und umzusetzen sowie Kinder- und Jugendärzte in Praxis, Klinik und Öffentlichem Gesundheitsdienst (ÖGD) und Hausärzte als Drehscheibe für Kommunikation und bei kurzfristiger Impfdurchführung zu unterstützen.

Begründung: Ca. 14 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 16 Jahre und können mit den derzeit verfügbaren COVID-19-Impfstoffen nicht geimpft werden. Um in unserem Land eine Herdenimmunität gegen die SARS-CoV-2-Pandemie zu erreichen, muss diese Lücke unbedingt geschlossen werden.

Auch Kinder und Jugendliche haben deutliche gesundheitliche Risiken infolge einer SARS-CoV-2-Erkrankung. Deshalb muss die Immunität auch für diese Gruppe durch eine Impfung und nicht durch eine Durchseuchung erzielt werden.

Das Recht auf Bildung mit Kita- und Schulbesuch kann im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen COVID-19-Impfung gesichert werden. Ohne rechtzeitige Impfung, insbesondere auch für jüngere Kinder, führt ein erneuter Lockdown für diese Altersgruppe zu weiteren gravierenden negativen Folgen für die kindliche psychische Entwicklung. Die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe erlangen Familien mit Kindern nur mit geimpften Kindern zurück.“

Zugleich stellt der Ärztetag aber noch weitere Forderungen an den Bund, die dieser kurzfristig umsetzen soll und aus denen ersichtlich wird, dass es sich um – realistischerweise kaum umsetzbare – Maximalforderungen handelt, denn vieles davon wird schon lange vergeblich gefordert, zuweilen schon längst vor der Pandemie:

„…u. a. die Einrichtung von Lüftungsanlagen, Viren abtötende Luftreinigungsanlagen, Plastikschutzvorrichtungen, Spuckschutz, Desinfektionsmöglichkeiten, Lüftungskonzepte, vergrößertes Platzangebot und verkleinerte Klassen.

Die Schulträger und Schulen müssen entsprechend großzügige und umfänglich ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen ohne bürokratischen Aufwand kurzfristig erhalten.“

In einer begleitenden zusammenfassenden Pressemitteilung warnt die Bundesärztekammer vor negativen Kollateraleffekten der Coronamaßnahmen für Kinder und Jugendliche.

„Es geht dabei nicht nur um … schulische Bildungsdefizite, sondern mehr noch darum, dass viele Kinder wichtige Entwicklungsphasen in sozialer Isolation erlebt haben.“

Für die weitere Krisenbewältigung und zur Vorbereitung auf zukünftige pandemische Lagen seien Handlungsstrategien zur Vermeidung derartiger Kollateraleffekte unerlässlich. Und dazu zählt der Ärztetag eben auch die Impfung: „Ohne rechtzeitige Impfung, insbesondere auch für jüngere Kinder, führe ein erneuter Lockdown für diese Altersgruppe zu weiteren gravierenden negativen Folgen für die psychische Entwicklung.“

3 KOMMENTARE

  1. Im Gegensatz zu der landläufigen Erkenntnis von vor 1 Jahr dass Kinder bei Corona immun sind wurden wir eines Besseren belehrt.
    Nur dass immer noch der Krankheitsverlauf eher harmlos ist und die Infektionsherde nachweislich in der Familie liegen.
    Des Weiteren ist erstaunlich wie gerade Kinder die AHA Regeln beherrschen.
    Wenn jetzt noch die Verantwortlichen (zutreffende Kraftausdrücke spare ich lieber) dafür Sorge tragen würden dass auch alle weiteren, bestens bekannten aber ignorierten Maßnahmen vor allem von den Minister/innen für Schule und Bildung umgesetzt würden bräuchten wir die Kinder und Jugendliche nicht dem Risiko einer Impfung aussetzten deren Wirkstoff und Spätfolgen nicht erforscht und absehbar sind.
    Insofern wäre die massive Forderungen der bekannten Maßnahmen wünschenswert gewesen.
    Aber auch hier zeigt die Politik unverantwortliches handeln siehe das realitätsferne und irrsinnigen Schulprojekt „Hertinger Tor“

  2. St.Gremling ichstimme Ihnen voll und ganz zu !
    Was in in diesem Land passiert , ist fernab jeglicher Realität!
    Die Selbstherrlichkeit einiger Menschen ist unglaublich !
    Aber durch ihr Verhalten falten diese Menschen sich selbst .

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