Hartnäckigkeit ausgezahlt: „Raserstrecke Dortmunder Straße“ wird temporeduziert

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Dortmunder Straße in Massen. (Foto Privat / für RB)

Von 50 auf 100 – zwar nur 300 Meter weit, aber diese 300 Meter haben es leidlich in sich. Überhaupt hat es die gesamte Dortmunder Straße in sich, kritisierte im Sommer vorigen Jahres Anwohnerin Selina W., die noch nicht lange dort wohnte, jedoch schon in diesen wenigen Monaten einschlägige Erfahrungen an der Raserstrecke im Westen von Massen sammeln konnte.

Und da die junge Frau keine Freundin des ergebenen Hinnehmens ist, staretete sie eine Unterschriftenaktion bei ihren Nachbarn. Von Tür zu Tür wanderte die damals 27-Jährige, bekam schnell mehrere Dutzend Unterschriften zusammen. Und sie war sowohl in ihrem Eindruck bestätigt als auch sehr betroffen von dem, was sie da teilweise hörte. „Ganz viele bestätigten mir, wie sehr hier gerast wird. Aber ich habe den Eindruck, man ist resigniert und hat sich abgefunden.“

Umso freudiger konnte uns Selina fast 7 Monate später am heutigen Donnerstag, 25. Februar, mitteilen: „Das Tempo wird tatsächlich reduziert!“ Die 100 auf der Dortmunder Straße werden alsbald Geschichte sein.

Worum geht es?

  • Kurz vor der Kurve zu Dortmund-Wickede ist das Tempo auf der Dortmunder Straße auf 50 begrenzt.
  • Aus der anderen Richtung, von Massen in Richtung Wickede, gilt kurz nach dem Kreisel 100 (für 300 Meter).
  • Dann folgt 70 (für 50 Meter)
  • und dann wird 50 „empfohlen“.

Erfahrungsgemäß, so beobachtete Selina, hält sich nur jeder Dritte daran, der dort entlang fährt.

„Konsequenz hieraus: Die schnurgerade Fahrbahn wird zum Beschleunigen genutzt (in beide Richtungen), und natürlich wird nicht gebremst, wenn die 300 Meter vorbei sind.

Was wird jetzt geändert?

  • Der kurze 100er-Bereich und der noch kürzere 70er-Bereich werden beide temporeduziert: 70 statt 100, 50 statt 70.

Wie wurde das erreicht?

Wie Selina W. uns berichtete, wurde an zwei verschiedenen Punkten bemessen. Einmal durch das Ordnungsamt und einmal durch die Polizei, die sie parallel mit eingebunden hat.

„Die Polizei kommt ab und an schon zum Tempomessen und hat selbst schon letztes Jahr angemerkt, dass die Aktion sinnvoll ist, weil es dort gefährlich ist.“

Grünen-Fraktionschefin Claudia Keuchel, die selbst in Massen wohnt, informiere sich dann für die Anwohner bei der Stadt über den Bearbeitungsstand. Zugleich nahm Selina W. auch selbst Kontakt zum Ordnungsamt auf.

„Dann war längere Zeit Funkstille“, schildert die junge Frau. „Gestern habe ich den Brief vom Ordnungsamt erhalten, dass Straßen.NRW eine Änderung der Beschilderung sowie der Höchstgeschwindigkeiten als Arbeitsanstoß erhalten hat.“

Die 28-Jährige freut sich riesig:

„Somit sagen wir Adieu zur 100, und die geforderte 70 wird eingeführt und ab Hausnummer 137 eine 50!“

Zum ebenfalls von ihr geforderten Schutzstreifen für Radfahrer und Fußgänger erhielt sie kein Statement und will noch einmal nachhaken. „Frau Keuchel hat mich sehr unterstützt und mit Bürgermeister Wigant die Aktion voran getrieben“, lobt die Massenerin.

Warum bestand Handlungsbedarf?

„Ich gehe jeden Morgen mit meinem Hund und darf entscheiden, ob ich am Seitenstreifen entlang der Straße Richtung Wald oder den 50cm breiten Fußweg im Bereich der Kurve entlang laufen möchte“, schilderte die junge Frau im vorigen Sommer. „Dadurch, dass hier so schnell gefahren wird, ist beides total gefährlich.

So sei sie im Januar, als es noch relativ dunkel war am Morgen, trotz Beleuchtung fast umgefahren worden. „Warum? Weil jemand meinte, mit Vollgas noch in der 50er Zone zu überholen. Dabei hatte er sich verschätzt und sein Wagen ist direkt auf mich am Seitenstreifen zugesteuert. Er hat mich zwar nur leicht mit dem Spiegel berührt, aber das war reines Glück.“

Die Fahrzeuge, die um die Kurve kommen, beschleunigen oft direkt nach der Kurve ordentlich, so dass es sich anhöre, als wäre man an einer Rennstrecke. Und die Anwohner am Kreisverkehr, berichtete die junge Frau, hätten ihr erzählt, dass dort abends regelmäßig im Kreisverkehr gedriftet werde. 

Es ist einfach für jeden gefährlich auf dem Stück, da solche rücksichtslosen Menschen sich hier total austoben. Für mich als frisch Zugezogene gibt es keinen ersichtlichen Grund, auf einer Strecke von 300 Metern 100 Stundenkilometer zuzulassen. Die 20 Sekunden Zeitersparnis können nicht wertvoller sein als ein Menschenleben, das gefährdet wird durch Raser, Drängler und rücksichtslose Fahrer.

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