Rote Grabkreuze symbolisieren „Gastro-/Kulturfriedhof“ auf Unnas Altem Markt

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Rote Grabkreuze als Sinnbild für den Gastro-/Kulturfriedhof wurden in der Silvesternacht vor dem Café Extrablatt auf dem Alten Markt aufgestellt. (Foto Privat)

„Wer leuchtet so spät bei Nacht und Wind? Es ist der Gastro-/Kulturfriedhof, mein Kind.“

Leuchtend rote Grabkreuze haben bislang Unbekannte in der Silvesternacht 2020/21 auf dem Alten Markt in Unna aufgestellt. Als stumme Mahnung an die existenzbedrohenden Zwangsschließungen aufgrund der Coronapandemie prangen die Kreuze vor dem Café Extrablatt, welches ebenso wie alle anderen Gastronomen und Kulturbetriebe bereits seit zwei Monaten zwangspausieren muss. Schon im Frühjahr war im ersten Shutdown mehrwöchige Schließung verfügt worden.

Als Urheber der stumm mahnenden Installation auf dem Alten Markt zeichnen „Die Erlkönige“, angelehnt an Goethes berühmte Ballade „Der Erlkönig“:

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind.“ Wie Literaturkundige wissen, geht die Ballade nicht gut aus.

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“ – „Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Kron und Schweif?“ -„Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“ Doch es ist kein Nebel, der dem Kind panische Angst einjagt: „Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan!“ Das tragische Ende: „Erreicht den Hof mit Mühe und Not; in seinen Armen das Kind war tot.“

Foto Privat

Dem symbolischen Friedhof für Gastronomie und Kultur gingen bereits ähnliche in Rot getauchte Aktionen sowohl in Unna als auch im ganzen Land voraus: Unter dem Hashtag „#AlarmstufeRot“ schlossen sich im Herbst die einflussreichsten Initiativen und Verbände der deutschen Veranstaltungswirtschaft zusammen, um nachdrücklich auf die existenzbedrohenden Probleme der Branche aufmerksam zu machen.

„Wir sind der sechstgrößte Wirtschaftszweig Deutschlands mit 130,0 Mrd. Euro Umsatz und über 1,0 Mio. Beschäftigten“, unterstreichen die Organisatoren auf ihrer Website. „An unserer ersten Protestaktion ,Night of Light 2020´ waren über 40.000 Mitwirkende aus mehr als 8.000 Unternehmen  beteiligt, um mehr als 9.000 Bauwerke in rotes Licht zu tauchen. Von wirtschaftsbezogenen Veranstaltungen, über Kulturereignisse bis hin zu Sportanlässen: Die Veranstaltungswirtschaft muss vor dem Untergang gerettet werden. Die Regierung muss handeln. Jetzt.“

Doch die Eventbranche, die Kultur und die Gastronomie wurden ab dem 2. November im zunächst „kleinen Shutdown“ erneut auf Eis gelegt, es folgte am 16. 12. der harte Shutdown – und dessen Ende ist nicht absehbar, denn dass nach der aktuellen Befristung bis zum 10. Januar wieder gelockert wird, glaubte schon beim Start des Shutdowns kaum jemand.

Letzte sichtbare Aktion der „#AlarmstufeRot“ waren im November die in Rot getauchten Gebäude des Ringhotels Katharinen Hof, das in einem flehentlichen Appell um Hilfe für die existenzgefährdete Branche bat:

„AlarmstufeRot – die #gastro brennt und wir brennen für Sie. WIR, die Gastgeber aus Leidenschaft in der Gastronomie und Hotellerie haben jede Maßnahme, die in den letzten Monaten von der Regierung vorgegeben wurde, zu 100% umgesetzt. Wo also sind die Menschen sicherer als bei uns? Wo können die Menschen wieder ein Stück „Normalität“ erleben? Wo können Kinder mit Ihren Großeltern zusammensitzen und dennoch auf Abstand sein?

Liebe Regierung, entscheidet am 16. November richtig und lasst uns arbeiten, denn sonst sehen wir weiterhin #ROT für unsere Branche!“

Wer sich hinter den „Erlkönigen“ verbirgt, die den symbolischen Friedhof auf dem Unnaer Markt errichtet haben, war am Neujahrsmittag noch nicht bekannt. „Wir vom Extrablatt bedanken uns auf jedenfall herzlich für diese spontane Silvesternacht-Aktion, die uns aus der Seele spricht“, schrieb uns Fabienne Jacobsen vom Extrablatt.

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