Erster Samstag nach dem Lockdown: Unna in gedämpfter Shoppinglaune

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Daumen hoch und positiv denken! Annett Kyncl vom Senfladen und Willi Bettermann vom Eiscafé Venezia sind bereits vor der Pflicht zur Maske angemessen ausstaffiert. Unser Foto zeigt sie am ersten Samstag nach der Lockerung der Coronaschutzverordnung auf der ziemlich leeren Massener Straße. (Foto RB)

Wer am Freitagabend spät noch die „Tagesthemen“ im ARD-Fernsehen einschaltete, sah sich unerwartet  Unna gegebenüber und dem „Hosenspezialisten“ Thomas Weber. Dieser erzählte dem Reporterteam, welches am Freitagnachmittag in Unna für die Abendnachrichten drehte, von den Schwierigkeiten und Hoffnungen eines Einzelhändlers, der nach vierwöchiger Corona-Zwangsschließung nun seit wenigen Tagen wieder Kunden empfangen darf.

Was Weber den Tagesthemen-Redakteuren schilderte, bestätigten heute, am ersten Samstag nach dem Lockdown, auch andere Geschäftsleute in der Unnaer City. Die Kunden kommen zwar zurück; aber sie kommen zögerlich. Kauflust sieht anders aus.

Annett Kyncl vom Senfladen berichtet seit dem abrupten „Lockdown“ oder „Shutdown“ am 18. März (der sie als eine der wenigen nicht traf – Senf gilt als Grundnahrungsmittel, verrät sie) von gut 50 Prozent weniger Umsatz. Sie merkt an diesem ersten Samstag, an dem die benachbarten Geschäfte wieder öffnen dürfen, (noch) nicht wirklich den Unterschied zu den Wochen zuvor.

„Ich habe ja noch Glück, gegessen wird immer“, konzentriert sich die Senfspezialistin aufs Positive, wissend, dass andere 80 bis 90 Prozent Umsatzeinbußen verkraften mussten. Glück habe sie auch mit der unverzüglich beantragten NRW-Soforthilfe gehabt, betont sie. Der Krisenzuschuss wurde ihr postwendend bewilligte und knapp eine Woche später ausgezahlt.

„Dafür bin ich wirklich sehr, sehr dankbar. Manche würden sagen, 9000 Euro sind nicht viel. Aber ich konnte damit einfach wieder besser schlafen“, blickt Annett Kyncl auf die heftige erste Woche des abrupten Stillstands zurück, in denen sie ausschließlich zu streng begrenzten Zeiten Wurst und Eintöpfe zum Mitnehmen verkaufen durfte, fünf  Stunden am Tag.

Quer gegenüber hat Annett Kyncls  Nachbar Dennis Bernhöft sein „Körbchen“ ebenfalls am Montag wieder aufschließen dürfen. Ihn hat sein Onlineshop aufgefangen, berichtet Bernhöft. „Das hat uns vor dem heftigsten Schlag bewahrt.“

Umsatzeinbußen hat auch das Körbchen natürlich zu verkraften. Doch das Onlinegeschäft (mit dem Bernhöft ursprünglich begonnen hat) habe sich jetzt in der Krise als segensreiches zweites Standbein erwiesen, erzählt er. Verhalten erlaubt er sich Aufatmen. „Wenn es so bleibt und jetzt nicht nochmal alles geschlossen wird…“ Vollkommen eingebrochen sei die Nachfrage nach Deko, recht gut nachgefragt wird hingegen Seife.

Wie sich das Kaufverhalten entwickeln wird, vermag Bernhöft nicht abzuschätzen: „Am Montag zum Start der Lockerungen war die Stadt voll. Mit jedem Tag kamen dann weniger, und der Donnerstag war ein absoluter Tiefpunkt. Heute, für einen Samstag, ist es auch sehr ruhig.“

Ruhig wirkt am frühen Nachmittag die gesamte Fußgängerzone, in manchen Geschäften geht es gleichwohl recht lebhaft zu. Etwa in der Stadtparfümerie Pieper, wo höchstens 6 Kunden auf einmal eingelassen werden, und genau 6 sind gegen 14.30 Uhr auch drin. Zwei Frauen warten geduldig im vorgeschriebenen Abstand vor dem Geschäft, bis sie an der Reihe sind.

Bei No17 fashion deco living auf der Bahnhofstraße sieht man ebenfalls immer wieder mal ein paar Kundinnen hineingehen, die Mitarbeiterinnen freuen sich sichtlich darüber, dass nach vier Wochen Stillstand nun wieder ein bisschen Leben ins Geschäft zurückkehrt.

Man sei zufrieden, ja, durchaus ruft uns eine Verkäuferin fröhlich nickend nach draußen zu. Sorgfältig wird hier (und in anderen Geschäften) übrigens darauf geachtet, dass sich jede/r Eintretende zunächst mit bereitgestelltem Desinfektionsmittel die Hände desinfiziert. Einige Hausnummern weiter hat die „Hutfabrik“ vor ihrem kleinen Laden einen Straßenverkauf für Mund-/Nasenabdeckungen gestartet, ebenfalls unter sorgfältiger Beachtung der Infektionsschutzvorschriften. Auch hier herrscht Hoffnung darauf, dass schrittweise wieder Normalität in die Einkaufszone zurückkehrt.

Zu denen, die laut der Landesverordnung vom 18. 3. nicht schließen mussten, es aus eigenem Entschluss aber trotzdem getan haben, gehört das Eiscafé Venezia. Statt in einer komatösen Innenstadt auf Kunden zu warten, die nicht kommen, entschloss man sich zur Schließung.

Geöffnet ist nun seit ein paar Tagen wieder, streng nach Vorschrift nur zum Abholen der süßen Schleckerei auf die Hand respektive im Becher und im Waffelhörnchen. Der Eingang ist zur Einbahnschleuse verengt, die Mitarbeiter tragen Mund-/Nasenschutz. „Nach vier Wochen kompletter Schließung wurde es Zeit“, findet Willi Bettermann, Faktotum des Eiscafés. Die Nachfrage? „Na ja. Nicht übermäßig. Aber das hat auch niemand erwartet.“

Für die Wiedereröffnung am Montag gerüstet ist Intersport Leiendecker, der seine Verkaufsfläche auf die vorgeschriebene Maximalfläche von 800 qm verkleinert hat und daher nun – laut jüngster Regelung des Landes NRW – auch als „Großer“ öffnen darf. In der ersten Woche durfte er das noch nicht, da galt 800 qm als Maximum,  Verkleinerung durch Abtrennung von Warenbereichen war nicht gestattet.

Für Weltbild auf der Bahnhofstraße galt die Größenbegrenzung zwar nicht (das Sortiment „Bücher“ fällt unter dieselbe Sonderregelung wie Autos, Fahrräder und Möbel), doch geöffnet ist hier trotzdem erst mit Anfang der neuen Woche – es galt und gilt zunächst noch, ein ordentliches Schutz- und Hygienekonzept zu entwickeln, wie ein Schild an der noch geschlossenen Eingangstür informiert.

 

Und schließlich gibt es noch eine vielen hungrigen Unnaern herbeigesehnte Wiedereröffnung an der Morgenstraße: Ab Dienstag, 28. April, heizt hier das  Team vom „Gyros Grill“ wieder die Herdplatten an und macht dem Fleischspieß Zunder.  Am Samstag heute wurde die Imbissbude von oben bis unten abgespritzt und wiederöffnungsfein blank geschrubbt.

Fotogalerie – Unna am ersten Samstag nach dem Lockdown / Alle Bilder Rundblick Unna

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