
„25.000 Euro für einen Flop – beim Jugendamt reicht es nur für einen Gebrauchtwagen.“
Nach nur einer Saison ist das von der CDU initiierte Projekt „Bäderbus Unna“ Geschichte. Rund 25.000 Euro hat das Shuttle-Angebot zu Freibädern in Nachbarkommunen die Stadt Unna gekostet.
Wegen geringer Nachfrage empfiehlt die Verwaltung nun selbst die Einstellung (wörtlicher Text der Vorlage unten am Artikel). Eine genaue Fahrgastzahl existiert nicht, da eine systematische Zählung ausblieb.
Für die Ratsfraktion „Wir für Unna“ (WfU) bestätigt sich damit die Kritik, die sie bereits vor der Einführung geäußert hatte.
Chronologie des Projekts: Von der Idee zur Einstellung
Im Februar 2026 beantragte die CDU-Ratsfraktion im Stadtentwicklungsausschuss eine Prüfung für eine Buslinie zu umliegenden Freibädern, woraufhin sich Unnas zweitgrößte Fraktion offiziell von einem neuen Freibad als Ersatz für das Massener Freizeitbad verabschiedete.
Als Begründung nannte die CDU fehlende finanzielle Kapazitäten für einen Außenbereich beim Ersatzbau des Hellwegbades Massen sowie schrumpfende Spielräume kleinerer Städte.
Ziel des Pendelbusses war es, Unnaer Bürgern die Teilhabe an Anlagen in Nachbarstädten wie der „Schönen Flöte“ in Holzwickede, dem Sesekebad in Kamen oder den Freibädern in Fröndenberg (Löhnbad und bürgerschaftliches Bad in Dellwig) zu ermöglichen. Das vereinsgetragene Unnaer Bornekampbad blieb im CDU-Antrag unerwähnt; Gespräche mit dem Trägerverein wurden im Vorfeld nicht geführt.
Der Antrag wurde bei Enthaltung von WfU angenommen. Ursprünglich schätzte die Verwaltung die jährlichen Kosten für Steuerzahler auf 35.000 bis 50.000 Euro für bis zu vier tägliche Fahrten ab dem Busbahnhof.
WfU kritisierte schon damals, dass Stadtteile kaum profitierten und das Angebot lediglich ein Trostpflaster für versäumte Schwimminfrastruktur darstelle. Zudem stieß auf Unverständnis, dass für ein solches Projekt rasch Lösungen gefunden wurden, während Verbesserungen bei Schulbusverbindungen ausblieben.
WfU fordert Überprüfung städtischer Ausgaben
Nach der angekündigten Einstellung sieht WfU-Fraktionsvorsitzender Sven Arnt die damaligen Befürchtungen bestätigt.
„Wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass dieser Bäderbus nicht mehr als ein teures Trostpflaster für die fehlende Schwimminfrastruktur in Unna ist. Jetzt wurden rund 25.000 Euro ausgegeben, ohne dass man am Ende überhaupt belastbar sagen kann, wie viele Menschen das Angebot tatsächlich genutzt haben.
Das ist angesichts unserer Haushaltslage kaum nachvollziehbar“, erklärt Sven Arnt.
Kritik übt die Fraktion auch an den finanziellen Prioritäten der Stadt. Während für den Bäderbus 25.000 Euro bereitstanden, sind für ein benötigtes Dienstfahrzeug des Jugendamtes lediglich 5.000 Euro für einen Gebrauchtwagen vorgesehen.
Schulbusverbindungen für Kinder und Jugendliche müssten laut Fraktion Vorrang vor politischen Symbolprojekten haben. Angesichts eines jährlichen Haushaltsdefizits in zweistelliger Millionenhöhe fordert WfU, künftig erst das Notwendige zu finanzieren, bevor über freiwillige Angebote entschieden wird.
Fehlende Schwimminfrastruktur bleibt das eigentliche Problem
Auch nach dem Ende des Bäderbusses bleibt die grundlegende Frage unbeantwortet: Warum gelingt es der Stadt Unna seit Jahren nicht, ihren Bürgerinnen und Bürgern ausreichende Schwimmmöglichkeiten vor Ort anzubieten?
„Der Bäderbus sollte letztlich darüber hinwegtäuschen, dass politische Mehrheiten über viele Jahre keine ausreichende Schwimminfrastruktur geschaffen haben. Statt das eigentliche Problem zu lösen, wollte man die Menschen mit einem Bus in die Freibäder der Nachbarkommunen fahren. Dieses Konzept ist nun erwartungsgemäß gescheitert“, so Arnt.
Schulbusverbindungen bleiben wichtiger als politische Symbolprojekte
Die Fraktion erinnert zudem an ihre bereits im Vorfeld geäußerte Kritik, dass für die Einrichtung des Bäderbusses offenbar innerhalb kürzester Zeit organisatorische Lösungen gefunden wurden, während Verbesserungen bei dringend benötigten Schulbusverbindungen weiterhin auf sich warten lassen.
„Wenn es um ein politisch gewolltes Prestigeprojekt geht, werden plötzlich Lösungen gefunden. Wenn es hingegen um verlässliche Schulbusverbindungen für unsere Kinder und Jugendlichen geht, erleben wir diese Entschlossenheit nicht im gleichen Maße. Auch daran zeigt sich, dass wir unsere Prioritäten dringend überdenken müssen“, erklärt Arnt.
Konsequenzen für künftige Haushaltsentscheidungen
Für Wir für Unna ist der gescheiterte Bäderbus ein weiteres Beispiel dafür, dass politische Wünsche und finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt zunehmend auseinanderfallen.
„Bei einem jährlichen Haushaltsdefizit in zweistelliger Millionenhöhe können wir uns solche Experimente nicht länger leisten. Wir brauchen eine Politik, die zuerst das Notwendige finanziert und erst danach über das Wünschenswerte nachdenkt. 25.000 Euro sind kein Kleingeld, sondern Steuergeld. Und damit muss verantwortungsvoll umgegangen werden“, fordert Arnt abschließend.
Quelle: Ratsfraktion Wir für Unna / Eigene Berichterstattung
Offizielle Beschlussvorlage der Stadt Unna zum Bäderbus
Beratungsgegenstand: Einstellung des freiwilligen Leistungsangebotes „Bäderbus Unna“ ab der Saison 2027
Produktgruppe: 1201
Datum der Vorlage: 05.11.2026
1. Sachverhalt und Begründung
Auf Beschluss des Rates vom 20.05.2026 (Vorlage 0063/26/1) beauftragte die Verwaltung die Verkehrsgesellschaft des Kreises Unna (VKU) damit, in der Freibadsaison (Mitte Mai bis Mitte September) eine Buslinie einzusetzen. Diese sollte vom Busbahnhof Unna aus unter anderem die Freibäder Bornekampbad in Unna, das Dellwiger Freibad in Fröndenberg sowie die Schöne Flöte in Holzwickede anfahren.
Im Auftaktjahr 2026 wurde der Bäderbus aufgrund des Beschlusszeitpunkts verkürzt eingesetzt – beginnend mit den Sommerferien am 20.07.2026 bis Mitte September.
- Kalkulierte Gesamtkosten: Die VKU kalkulierte die Gesamtkosten für eine vollständige Saison (Mai bis September) auf 35.000 Euro pro Jahr.
- Tatsächliche Kosten 2026: Für den verkürzten Einsatz im Jahr 2026 wird mit Kosten von rund 25.000 Euro für diese außerplanmäßige, freiwillige Leistung gerechnet.
2. Fahrgastzahlen und Auslastung
Das Angebot wurde nach den vorliegenden Daten unverhältnismäßig gering in Anspruch genommen:
- Die VKU beauftragte für den Linienbetrieb ein externes Busunternehmen.
- Da die eingesetzten Fahrzeuge nicht über automatisierte Fahrgasterfassungseinrichtungen verfügten, liegen lediglich handschriftliche Strichlisten vor, die in den ersten drei Ferienwochen geführt wurden.
- Die Höchstauslastung lag bei 18 Fahrgästen am Tag. An anderen Tagen lag die Fahrgastzahl im einstelligen Bereich oder bei null.
- Eine systematische Evaluierung ist anhand dieser Zahlen zwar nicht möglich, die vorliegenden Daten zeigen jedoch eine eindeutige Tendenz.
3. Fazit und Handlungsempfehlung der Verwaltung
Im Hinblick auf die Entwicklung des Eigenkapitals im Haushalt 2026 und der mittelfristigen Finanzplanung bis zum Jahr 2029 ist die Verwaltung beauftragt, mit der Planung zum Haushalt 2027 Konsolidierungsmöglichkeiten darzustellen (Vorlage 0021/25/1).
Vor dem Hintergrund der geringen Nachfrage und der aktuellen Haushaltssituation rät die Verwaltung zur sofortigen Einstellung dieses freiwilligen Angebotes.
Finanzielle Auswirkungen
Durch die Einstellung des Betriebes des Bäderbusses werden die Aufwendungen für diese freiwillige Leistung in Höhe von 35.000 Euro pro Jahr in den Folgejahren in der Produktgruppe 1201 nicht mehr benötigt und entlasten den städtischen Haushalt.“
(Quelle: Ratsinformationssystem Stadt Unna)































