IHK alarmiert: „Energiewende wird für wachsenden Teil regionaler Industrie zur Belastung“

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+++ IHK-Energiewende-Barometer 2026: Hohe Energiekosten gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie +++

Die Energiewende wird für einen wachsenden Teil der regionalen Industrie zur Belastung. Das zeigt die regionale Auswertung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund des bundesweiten IHK-Energiewende-Barometers:

41 Prozent der teilnehmenden Industrieunternehmen geben an, infolge hoher Strom- und Gaspreise Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland zu verlieren. Zugleich bewerten 30 Prozent der Industriebetriebe die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit negativ oder sehr negativ.

An der regionalen Befragung beteiligten sich 62 Unternehmen aus Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna.

  • Rund 42 Prozent stammen aus dem Dienstleistungssektor,
  • 34 Prozent aus der Industrie,
  • 12 Prozent aus dem Handel
  • und 8 Prozent aus dem Baugewerbe.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen beschäftigt zwischen 20 und 249 Mitarbeiter.

„Die Ergebnisse sind ein Warnsignal für den Wirtschaftsstandort. Wenn 41 Prozent der befragten Industrieunternehmen durch hohe Energiepreise bereits Wettbewerbsfähigkeit verlieren, darf die Politik nicht zur Tagesordnung übergehen.

Klimaneutrales Wirtschaften, industrielle Wertschöpfung und zukunftsfähige Arbeitsplätze müssen wieder miteinander vereinbar werden“,

erklärt Roland Klein, Präsident der IHK zu Dortmund.

Energiepreise bleiben eine Belastung

Die Energiepreise sind für viele Unternehmen innerhalb der vergangenen 12 Monate weiter gestiegen. 47 Prozent der Unternehmen berichten von höheren Strompreisen. Bei Wärmeenergie wie Gas, Fernwärme oder Heizöl liegt der Anteil bei 57 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung bei den Transportenergien: 80 Prozent verzeichneten steigende Preise für Benzin, Diesel oder andere Kraftstoffe.

Auch die Industrie bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. 35 Prozent der Industrieunternehmen mit Angaben zur Strompreisentwicklung meldeten gestiegene Preise. Bei der Wärmeenergie waren es 44 Prozent. Besonders deutlich ist die Belastung durch Transportenergien: 83 Prozent der Industrieunternehmen berichteten hier von Preissteigerungen.

Industrie verliert Wettbewerbsfähigkeit

In der regionalen Wirtschaft überwiegen bei der Bewertung der Energiewende die kritischen Stimmen gegenüber den positiven Einschätzungen. 25 Prozent der Unternehmen sehen negative oder sehr negative Auswirkungen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Lediglich 21 Prozent verbinden mit der Energiewende positive oder sehr positive Effekte; 54 Prozent bewerten die Auswirkungen neutral.

In der Industrie fällt die Bilanz noch ungünstiger aus: 30 Prozent bewerten die Auswirkungen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit negativ oder sehr negativ. Dem stehen lediglich 20 Prozent mit einer positiven oder sehr positiven Einschätzung gegenüber. Die Hälfte der Industriebetriebe bewertet die Auswirkungen neutral.

Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsdruck wiederum in der Industrie: 41 Prozent der befragten Industrieunternehmen geben an, infolge hoher Strom- und Gaspreise Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland zu verlieren. Über alle Branchen hinweg liegt dieser Anteil bei 21 Prozent. Die Industrie ist damit überproportional betroffen: Rund 69 Prozent der Unternehmen, die einen Wettbewerbsverlust melden, sind Industriebetriebe.

Hohe Energiepreise bremsen Investitionen

Die hohen Strom- und Gaspreise haben bei einem Teil der Unternehmen bereits Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit. Besonders betroffen ist auch hier die Industrie: 23 Prozent der Industrieunternehmen stellen Investitionen in Kernprozesse zurück. Im Baugewerbe liegt der Anteil bei 20 Prozent, bei den Dienstleistungsunternehmen bei 19 Prozent.

Im Handel meldet kein Unternehmen entsprechende Auswirkungen. „Damit belasten die Energiepreise nicht nur das laufende Geschäft.

Sie beeinträchtigen branchenübergreifend teilweise auch Investitionen in Kernprozesse, Klimaschutz sowie Forschung und Innovation.

Besonders deutlich sind die Auswirkungen auf Investitionen in Kernprozesse in der Industrie, im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor“, analysiert IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber.

Fehlende Planbarkeit, Infrastruktur und Bürokratie bremsen die Transformation

Der Transformationsdruck wird durch unsichere politische und regulatorische Rahmenbedingungen verschärft: 64 Prozent der antwortenden Unternehmen zählen fehlende Informationen beziehungsweise mangelnde Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik zu den drei größten Hindernissen für ihre Klimaschutzbemühungen.

Jeweils 48 Prozent nennen langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren beziehungsweise fehlende Infrastruktur sowie zu viel Bürokratie. Schwierige Finanzierungsmöglichkeiten oder fehlendes Kapital gehören für 20 Prozent zu den größten Hemmnissen. Hohe Energiepreise nennen 13 Prozent, den Fachkräftemangel elf Prozent.

„Die Ergebnisse zeigen: Unternehmen benötigen nicht nur bezahlbare Energie, sondern vor allem belastbare politische Entscheidungen, leistungsfähige Infrastrukturen, schnellere Verfahren und weniger Bürokratie. Ohne diese Voraussetzungen drohen Transformationsvorhaben ausgebremst und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit weiter geschwächt zu werden“, so die Einschätzung von IHK-Präsident Roland Klein.

Wirtschaft verlangt einen Kurswechsel bei den Rahmenbedingungen

Die Forderungen der regionalen Wirtschaft sind eindeutig.

  • 79 Prozent der Unternehmen verlangen eine höhere Priorisierung und größere Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur.
  • 70 Prozent befürworten eine weitere Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis.
  • Jeweils 66 Prozent unterstützen Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit als Leitprinzipien für Energieeffizienzmaßnahmen sowie ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates beim Aufbau zukunftsorientierter Infrastruktur.

Bei einzelnen technologiebezogenen Maßnahmen fällt die Zustimmung zurückhaltender aus. Einen planungssicheren Zugang zu Wasserstoff unterstützen 48 Prozent der Unternehmen voll oder eher. Ebenfalls 48 Prozent befürworten einen umfassenden Zugang zu CO₂-Abscheidung, -Transport, -Nutzung und -Speicherung.

Der weitere Ausbau des Emissionshandels bei gleichzeitig steigenden CO₂-Preisen wird kontrovers beurteilt: 41 Prozent stimmen diesem Ansatz voll oder eher zu, während 32 Prozent ihn eher oder vollständig ablehnen.

Auch eine politische Intervention zur Entlastung bei den Energiepreisen infolge des Kriegs im Nahen Osten findet kein einheitliches Meinungsbild. 39 Prozent befürworten eine Intervention, 41 Prozent lehnen sie eher oder vollständig ab.

„Die regionale Auswertung unterstreicht die angespannte Lage der Industrie. Hohe Energiepreise beeinträchtigen bei einem erheblichen Teil der Industriebetriebe bereits die Wettbewerbsfähigkeit und teilweise auch Investitionen. Die Unternehmen erwarten deshalb verlässliche Energieinfrastrukturen, niedrigere Stromnebenkosten, technologieoffene Lösungen und stabile politische Rahmenbedingungen“, fasst Roland Klein zusammen.

PM IHK zu Dortmund

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