
Wie politisch darf oder muss ein Stadtfest sein? Diese Frage entbrannte zum zweiten Septemberwochenende in der Ruhrstadt Schwerte.
Am heutigen Freitag (11. September) startet in Schwerte das dreitägige traditionelle Pannekaukenfest. Der veranstaltende Hanseverein Schwerte e.V. will das „Bündnis Schwerte gegen Rechts“ nicht zum Fest zulassen, was in den sozialen Medien bereits für lebhafte Diskussionen sorgt:
Zum ganz überwiegenden Teil stimmen die Kommentatoren in den lokalen Schwerter Gruppen dem Hanseverein zu. Auch unter einem Meinungsbeitrag der Ruhr Nachrichten Schwerte wird die darin geäußerte Kritik an der Entscheidung des Veranstalters weitgehend verständnislos quittiert.
Der ganz überwiegende Teil der Leserinnen und Leser ist der Meinung, dass politische Aktivitäten jeglicher Art bei einem solchen Fest unangebracht seien.
Auch die Schwerter AfD-Ratsfraktion teilt, wenig überraschend, diese Meinung. Ihr Vorsitzender Hans-Otto Dinse erklärt sich in einer Pressemitteilung zum heute beginnenden Pannekaukenfest wie folgt:

„Die Darstellung der Ruhr Nachrichten, ein Stadtfest könne nicht unpolitisch sein, greift aus unserer Sicht zu kurz und vermischt kommunale Vereinsarbeit mit politischer Deutungshoheit.
Der Hanseverein trägt seit Jahren Verantwortung für ein traditionsreiches Fest, das bewusst als unpolitische Veranstaltung organisiert wird. Diese Haltung ist nachvollziehbar und verdient Respekt.
Ein Stadtfest soll Menschen zusammenbringen – unabhängig von Parteizugehörigkeit, politischen Überzeugungen oder gesellschaftlichen Konfliktlinien. Genau deshalb ist die Entscheidung, politisch motivierte Initiativen nicht einzubinden, konsequent und richtig.
Das Bündnis Schwerte gegen Rechts ist eine politisch links orientierte Initiative, auch wenn es sich selbst als überparteilich bezeichnet. Seine Aktivitäten, Inhalte und öffentlichen Auftritte sind eindeutig richtungs-politisch geprägt.
Es ist legitim, dass der Hanseverein solche Akteure nicht in ein Fest integriert, das ausdrücklich keine politische Botschaft transportieren soll.
Wir warnen davor, ehrenamtliche Veranstalter unter moralischen Druck zu setzen. Die Entscheidung des Hansevereins ist keine politische Positionierung, sondern Ausdruck des Wunsches, Konflikte zu vermeiden und das Fest für alle Bürger offen zu halten.
Die AfD‑Fraktion Schwerte spricht dem Hanseverein ihre Anerkennung für die geleistete Arbeit aus. Wer ein Stadtfest organisiert, trägt Verantwortung für Sicherheit, Neutralität und ein friedliches Miteinander. Diese Verantwortung schließt das Recht ein, politische Gruppen – welcher Ausrichtung auch immer – nicht einzubinden.Wir begrüßen daher die Entscheidung des Hansevereins und lehnen Versuche ab, diese im Nachhinein politisch zu überhöhen.“
Hanseverein Schwerte
Der Hanseverein Schwerte e.V. stellt sich auf seiner Homepage vor als eine „Vereinigung von Menschen, denen ihre Heimatstadt Schwerte besonders am Herzen liegt.
Für uns ist Schwerte ein Identifikationsmerkmal, das alle Bewohner unserer Stadt eint, unabhängig von Alter, Herkunft, Religion, Geschlecht, …
Gemeinsam sind wir eine Stadt.
Mit verschiedenen Projekten, von denen das grösste, das Pannekaukenfest jetzt seit über 20 Jahren ein Erfolgsmodell ist, schaffen wir Gemeinschaft in Schwerte.
… Das Beste für die eigene Stadt zu erreichen, in Einklang mit Weltoffenheit, das hat unsere Stadt schon im Mittelalter stark gemacht.
Eben als HANSESTADT SCHWERTE.“
Bündnis Schwerte gegen Rechts
Das Bündnis stellt sich auf seiner Website wie folgt vor:
„Das Bündnis Schwerte gegen Rechts ist seit mehr als 10 Jahren in Schwerte und der Umgebung für Demokratie und gegen Rechts aktiv. …
In Schwerte leben fast 48.000 Menschen aus 99 Nationen friedlich in gegenseitigem Respekt zusammen. Angesichts der vielfältigen Wurzeln und Traditionen dieser Menschen sind Verständnis, Toleranz und Offenheit im alltäglichen Umgang miteinander unverzichtbar.
Schwerte gegen Rechts
Mit großer Sorge nehmen wir jedoch zur Kenntnis, dass es seit einigen Jahren in unserer Stadt, in unserem Kreis, in unseren Nachbarstädten den Versuch von Rechtsextremen gibt, das friedliche Miteinander der Menschen massiv zu stören und in Frage zu stellen. Regelmäßige Aufmärsche der ewig Gestrigen in Dortmund, permanente und perfide Einschüchterungsversuche von Personen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, gewalttätige Übergriffe wie am 1. Mai 2009 in Dortmund, Schmierereien rechter Parolen in der Schwerter Agnes-Miegel-Straße oder aber der geheim gehaltene Aufmarsch von Neonazis am Schwerter Bahnhof Anfang September 2011 verdeutlichen, dass unserer Gemeinschaft Gefahr droht.
Zivilcourage zeigen
Deshalb ist es umso wichtiger zu zeigen, dass wir als Gesellschaft, wir als Bürger der Stadt das Treiben der Rechtsextremen nicht dulden werden und bereit sind, ihnen mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen und demokratischen Mitteln entgegen zu treten. Wir wollen ein tolerantes und weltoffenes Schwerte, in dem Menschen unterschiedlichster Überzeugungen und unterschiedlichster Herkunft und Lebensweise friedlich zusammen leben. Fremde sind bei uns Gäste, Fremde sind bei uns Freunde.
Aus der Auseinandersetzung mit unserer Geschichte resultiert eine besondere Verantwortung, wachsam zu sein. Wachsam gegenüber jeglichen Bestrebungen, das verbrecherische System der Nationalsozialisten zu relativieren oder zu negieren.
Aus der Geschichte lernen
Auch Schwerte hat eine dunkle Vergangenheit. Das Außenlager Buchenwald in Schwerte-Ost ist ein erschreckendes Zeugnis dieser Zeit. Wir wollen nie wieder, dass Fremde und Andersdenkende, Andershandelnde, Andersgläubige oder Anderslebende um ihre Freiheit, um ihr Leben fürchten müssen. Wir wollen in einer Stadt der Vielfalt, der Toleranz, des Miteinanders leben. Diese Werte legen die Basis unserer Gemeinschaft. Wer rechtsextrem handelt oder wählt, verlässt diesen Grundkonsens unserer Gesellschaft.
Wir wollen dokumentieren, dass wir als Stadt auf alle rechtsextremen Umtriebe reagieren werden. Wir sind wachsam. Denn das Erscheinungsbild und die Strategie der Rechtsextremen haben sich geändert. Sie engagieren sich in Schulen und Sportvereinen oder Verbände und versuchen so in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen. Inzwischen verfügen die Rechtsextremen über geschulte Kader, die perfide Strategien entwickeln, ihre durch Hass und Intoleranz geprägten Ideen zu kommunizieren.
Bürger*innen gegen Rechts
Die sich im Bündnis gegen Rechts zusammengefundenen Bürger*innen der Stadt Schwerte, seien es Mitglieder unterschiedlicher Parteien, Organisationen, Vereine, Verbände oder Einzelpersonen versprechen, gegen diese neue Qualität rechtsradikaler Bedrohung aufzustehen und mit aller Stärke und an jeder möglichen Stelle gegen die dumpfen Parolen rechter Populisten einzuschreiten.“
Pannekaukenfest 2026

Das traditionsreiche Pannekaukenfest auf dem Postplatz und den umliegenden Straßen wird an diesem Wochenende vom 11. bis zum 13. September zum 27. Mal gefeiert.
Start ist am Freitagabend um 19 Uhr, offizielle Eröffnung am Samstag um 12.00 Uhr zum Glockenschlag von St. Viktor.
- Auf der Bahnhofstraße gibt es am Sonntag die Oldtimer-Meile, im Stadtpark die Kunsthandwerkermeile.
- Auf dem Postplatz wird von Freitagabend bis Sonntag ein großes Bühnenprogramm mit Partybereich geboten.
- Auf der Rathausstraße locken Craft-Bier und Genussmeile,
- in der Fußgängerzone der verkaufsoffene Sonntag
- und in der Mährstraße am Sonntag die Kids-Zone.
„Alles mit Liebe gemacht on Schwertern für Schwerter!“































