Kreis Unna tritt „NRW.integrativ“ bei: Geflüchtete und Zugewanderte nachhaltig in Arbeit bringen und halten

2
53
Archivbild Integration, Interkulturelles Fest in Unna - Quelle S. Rinke

Geflüchtete, Zugewanderte und Geduldete nachhaltig in Lohn und Brot bringen. Zu diesem Zweck beteiligt sich der Kreis Unna jetzt an der an der Landesinitiative NRW.integrativ. Auftakt war am Montag im Kreishaus.

Ziel des Programms ist es, ‚“die Integration von Geflüchteten und (Neu-) Eingewanderten in Ausbildung und Arbeit nachhaltig zu fördern und dabei kommunale Unterstützungsstrukturen und die Kooperation mit Unternehmen, Kammern und Verbänden besser zu verknüpfen“, erläutert der Kreis.

NRW.integrativ setzt auf enge Zusammenarbeit zwischen Kommunalverwaltung, Integrationsmanagement, Arbeitsagentur, Jobcenter, Ausländerbehörden, Wirtschaftsförderungen, Industrie- und Handelskammern, Handwerk, Unternehmensverbänden und weiteren Partnern.

Die Zielgruppe soll in Arbeit gebracht und langfristig dort gehalten werden, um „Beschäftigung zu sichern und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken“.

Es wurde beschlossen, erforderliche Themen in Arbeitsgruppen weiter zu bearbeiten.

Auftakttreffen mit Landrat Mario Löhr (SPD) im Kreishaus. (Foto Kreis Unna)

NRW.integrativ

Die Zielgruppen sind insbesondere

„… Geduldete und Gestattete, Geflüchtete ohne Bezug von Leistungen nach dem SGB II, internationale Arbeits- und Fachkräfte sowie Auszubildende und Studierende mit Fluchterfahrung.“

Unternehmen werden aktiv in die Arbeitsmarktintegration eingebunden. Die Zusammenarbeit erfolgt mit Jobcentern, Arbeitsämtern, Ausländerbehörden, dem Kommunalen Integrationsmanagement, Freier Wohlfahrtspflege, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Hochschulen. Auf Landesebene hat das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration die Federführung, ehemals unter der gescheiterten Grünen-Ministerin Josefine Paul.

Das Projekt startete im Herbst 2024 mit 10 Kommunen, ein Jahr später waren es bereits 48 der 54 in NRW. Das Land unterstreicht die Erfolgsgeschichte:

„Hunderte von erfolgreichen Übergängen in Ausbildung und Arbeit lagen nach kurzer Zeit vor. Die Initiative leistet damit einen konkreten Beitrag zur Fachkräftegewinnung in NRW.“

Als zentrale Wirkungen von NRW.integrativ zeige sich, so das Land, „eine verbesserte Passgenauigkeit zwischen Qualifikationeschäftigung, der Abbau von Sprach- und Anerkennungshürden, die Stabilisierung von Ausbildungs- und Beschäftigungsverhältnissen sowie eine spürbare Entlastung der Unternehmen. Zudem trägt die Initiative zur Reduzierung von Abbrüchen und zu einer nachhaltigeren Integration in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei.“

Wie viel Prozent der Geflüchteten von 2015 arbeiten sozialversicherungspflichtig?

Wenn man die „Erwerbstätigenquote“ (die bei ca. 54–68 % nach 8 Jahren liegt, je nachdem, ob man nur 2015er oder den Schnitt bis 2016 nimmt) bereinigt und nur die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung betrachtet, ergibt sich folgendes Bild:

  • Sozialversicherungspflichtig: Von den Geflüchteten aus den klassischen Hauptasylherkunftsländern (Zuzug ab 2015), die seit rund 8 Jahren im Land sind, gehen bundesweit und in NRW rund 43 % bis 49 % einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach.
  • Unterschied zur Gesamterwerbsquote: Die Differenz zu den oft zitierten „über 50 %“ oder „68 %“ (je nach IAB-Kohorte) entsteht durch Personen, die in Minijobs arbeiten, eine Ausbildung machen oder selbstständig sind.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Mehr als die Hälfte der Menschen, die vor rund 8–10 Jahren als Asylsuchende kamen, zahlt derzeit keine vollen Sozialversicherungsbeiträge aus eigener Arbeit.

Die konkrete Beschäftigungsquote in NRW (aktueller Stand)

Die Bundesagentur für Arbeit misst die Beschäftigungsquote für Personen aus den Top-8-Asylherkunftsländern (Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Nigeria, Pakistan) über alle Aufenthaltsdauern hinweg – also inklusive derer, die erst kurz hier sind, und jener, die seit 2015 da sind.

In Nordrhein-Westfalen stellt sich die Beschäftigungsquote (sozialversicherungspflichtig) wie folgt dar:

  • Männer: Rund 47 % der erwerbsfähigen Männer aus diesen Herkunftsländern sind in NRW sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
  • Frauen: Hier liegt der Wert extrem niedrig bei rund 11 % bis 13 %.
  • Gesamtquote (Männer & Frauen zusammen): Liegt in NRW aktuell bei rund 37 % bis 40 % (über alle Aufenthaltsjahre hinweg gemittelt).

3. Warum arbeitet die andere Hälfte nach 8 Jahren nicht?

Das IAB und die Bundesagentur für Arbeit benennen die strukturellen Gründe für diese Stagnation sehr direkt. Es handelt sich im Wesentlichen um drei Faktoren:

Das extreme Geschlechtergefälle

Die Integration von geflüchteten Frauen in den Arbeitsmarkt ist der Hauptgrund für die niedrige Gesamtquote. Während bei den Männern nach 8 Jahren deutlich mehr als die Hälfte arbeitet, ist der Anteil bei den Frauen verschwindend gering. Gründe hierfür sind oft mangelnde Kinderbetreuung, familiäre Verpflichtungen sowie traditionelle Rollenbilder in den Herkunftsländern.

Gesundheitliche und psychische Einschränkungen

Ein relevanter Teil der Menschen, die nach 8 Jahren noch im Bürgergeld-Bezug (SGB II) sind, gilt laut Jobcentern als „nicht unmittelbar vermittelbar“. Dazu gehören chronische Erkrankungen, Traumatisierungen durch Flucht und Krieg sowie Langzeitarbeitslosigkeit, die verfestigt ist.

Das Qualifikations-Mismatch

Viele Geflüchtete von 2015/2016 kamen ohne formale Berufsabschlüsse, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt anerkannt werden können. Wer in den ersten Jahren keine Ausbildung absolviert hat, bleibt oft im Helferbereich stecken. Diese Jobs (Gastronomie, Logistik) sind stark fluktuativ – Menschen finden Arbeit, verlieren sie wieder und rutschen zurück ins System.

(Quellen: Statista, IAB, BA, Kreis Unna)

2 KOMMENTARE

  1. „Ludwig Fun Mai 22, 2026 At 6:41 p.m.

    da wird sich unsere Bärbel aber freuen, Hauptsache das „Einheitsgrau“ und „Einheitsbraun“ geht endlich wech…“

    Dem kann ich mich nur, mich weglachend, anschließen! Nur noch AfD!!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here