Nach vier Jahren geschürter Erwartungen: „Sport- und Freizeitpark Unna“ schrumpft auf Stadtteillösung – wenn überhaupt

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Archivbild vom Abriss des Massener Freizeitbades, Foto aus dem Jahr 2012. (Rundblick Unna)

Kaum verwunderlich für kritische Beobachter: Die hehren Pläne für einen „großen Sport- und Freizeitpark mit Strahlkraft auf ganz Unna“ sind geplatzt.

Das ist alles nicht finanzierbar. Man ist versucht, auszurufen: Ach was!

Festgestellt wird das freilich nun vier Jahre nach vollmundig verkündetem Planungsstart und verheißungsvollen Bürgerbeteiligungen, die freudige Erwartungen weckten – nicht zuletzt bei Kindern und Jugendlichen durch Veranstaltungen explizit an ihren Schulen.

Jene Pläne für einen multifunktionalem Sport- und Freizeitpark auf dem ehemaligen Freizeitbadgelände in Unna-Massen bestimmten nicht unerheblich auch den Kommunalwahlkampf der CDU (mit ihrem Bürgermeister Dirk Wigant) und der Grünen.

Frühe Warnungen etwa der Ratsfraktion Wir für Unna, dass das alles überhaupt nicht finanzierbar bzw. nicht finanziell verantwortbar sei, verhallten ungehört. Noch im Januar dieses Jahres appellierte WfU für einen sofortigen Stopp der unrealistischen Planungen: „Wir können uns das schlicht nicht leisten!“

Erst weitere 8 Monate später ist das nun auch offenbar endlich der Stadtverwaltung gedämmert. In einer aktuellen Expertise räumt sie ein, Erwartungen bei den Bürgern geweckt zu haben, die (jetzt) nicht (mehr) bezahlt werden können.

Jetzt ist nur noch eine Stadtteillösung angedacht. Kostenrahmen: Nicht mehr über 6 Mio., sondern nur noch 1,5 Mio. Euro. Wenn überhaupt.

„Unna kann sich diesen Sport- und Freizeitpark schlicht nicht leisten“, erklärte WfU-Fraktionsvorsitzender Sven Arnt zuletzt Ende Januar 2026. „Wir müssen Prioritäten setzen: Pflichtaufgaben, Infrastruktur und soziale Leistungen haben Vorrang vor Projekten mit begrenztem gesamtstädtischem Nutzen.“

Ohne solche Einwände der Kritiker zu erwähnen, verabschiedet sich die Verwaltung jetzt nach vier Jahren selbst von der Vision – mit der impliziten Behauptung, es wäre „jetzt“ nicht mehr finanziell verantwortbar.

Rückblick.

Der Schul- und Sportausschuss hatte in seiner Sitzung am 28.09.2022 die Verwaltung beauftragt, ein Konzept für einen Sport- und Freizeitpark auf dem ehemaligen Freizeitbadgelände in Massen zu erarbeiten. Auf dem Areal des ehemaligen Freizeitbades gilt ein Erbbaurechtsvertrag noch 53 Jahre lang.

Grundlage war der Gedanke einer multifunktionalen Anlage für die gesamte Kreisstadt, die sowohl offene, generationenübergreifende und inklusive Bewegungsangebote als auch Aufenthalts- und Begegnungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum schaffen sollte.

Es gab Bürgerveranstaltungen, Schulbeteiligungen und ähnliche vollmundige Aktionen. Die Frage „was kostet das eigentlich?“ wurde zinächst überhaupt nicht gestellt.

Im weiteren Ablauf wurde eine Projektgruppe eingerichtet aus Sportamt-Stadtplanungsamt-Kämmerei-Kinder- und Jugendbüro-Bürgerbeteiligung-Schulverwaltungsamt. Ferner flossen die verwaltungsinternen Erkenntnisse aus dem ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) für Massen in die jetzigen Erkenntnisse ein.

Denn: Dieses ISEK für mögliche Fördergelder interessant.

Um überhaupt Anträge zu stellen, muss die Stadt aber erst einmal ordentlich ran.

Eine „belastbare Entwurfsplanung“ ist erforderlich einschließlich Kostenrahmen, Priorisierung und Förderfähigkeit.

„Augangspunkt war zunächst (2022, d. Red.) die Überlegung, auf dem Gelände des ehemaligen Freizeitbades einen zentralen Sport- und Freizeitpark mit großer Strahlkraft für ein Einzugsgebiet für die gesamte Kreisstadt zu entwickeln (nachfolgend als „große Lösung“ bezeichnet)“, erinnert die Stadtverwaltung in ihrer jetzigen Ergebnispräsentataion.

„Diese Ausgangsrichtung war vor dem Hintergrund der Flächenverfügbarkeit, der städtebaulichen Bedeutung des Standortes, der geäußerten Bedarfe im Breitensport allgemein sowie der aus der Bürgerbeteiligung hervorgegangenen Erwartungshaltung nachvollziehbar.“

Im weiteren Verfahren habe sich jedoch immer deutlicher gezeigt,

„… dass die Frage einer ambitionierten Ausgangsidee von der Frage einer belastbaren, finanzierbaren, gesellschaftlich und politisch vertretbaren Umsetzung getrennt werden und somit die tatsächliche Umsetzbarkeit unter aktuellen Rahmenbedingen in den Mittelpunkt gestellt werden muss.“

Auf den Punkt gebracht heißt diese verdrechselte Formulierung, dass die Ausgangsidee zwar mit Bürgerbeteiligungen und Vorplanungen ordentlich vorangetrieben wurde, ohne aber zu berücksichtigen, wie und ob diese Idee überhaupt bezahlt werden kann.

Diese nicht unerhebliche Überlegung wird jetzt nach vier Jahren nachgeholt.

„Auf dieser Grundlage wurde die weitere maßgebliche Entscheidungsfindung auf grundlegende fachübergreifend abgestimmte Anforderungen gestützt, die insbesondere folgende Aspekte berücksichtigen:——– die finanzielle Darstellbarkeit, die Folgekosten, die tatsächliche Nutzungswahrscheinlichkeit, das Aufwand-Nutzen-Verhältnis, die verkehrliche Darstellbarkeit, die Vermeidung von Angsträumen, die Konzentrationswirkung auf einen Stadtteil und die fachliche Machbarkeit“, heißt es in weiterem umständlichen Fachdeutsch im neuen Ergebnispapier der Verwaltung.

Ein entscheidender Satz in Anbetracht der am 9. September verhängten Haushaltssperre lautet:

„Bei der Entwicklung eines Sport- und Freizeitparks handelt es sich um eine freiwillige Leistung in einer angespannten Haushaltslage. Es besteht ein erhebliches Erwartungs- und Reputationsrisiko, wenn eine große Lösung öffentlich mit hoher Stahlkraft verbunden wird, tatsächlich aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen (ggf.) nicht angenommen wird.“

Es bestehe zudem das Risiko, bei einer großen Lösung einen „künstlich geschaffenen Angstraum mit großem Vandalismuspotential“ zu erzeugen.

Kurz und gut sei ein großer zentraler Sport- und Freizeitpark „unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen (als sei das 2022 anders gewesen) … mit deutlich höheren Realisierungsrisiken verbunden“, seien es Gesamtkosten, Folgekosten, Planungskosten, Verkehrsbelastung oder politische und haushaltswirtschaftliche Vertretbarkeit.“

Um das von CDU und Grünen derart gepushte Wahlkampfthema aber nicht komplett zu streichen (und damit auch viele Tausende Euro bisherige Planungskosten aus dem Fenster zu werfen), wurde im Rathaus jetzt als „Alternative“ ein „ortsteilbezogener Sport- und Freizeitpark“ entwickelt, nur für Massen.

Ausschlaggebend waren dabei laut Vorlage

  • „bessere finanzielle Steuerbarkeit,
  • Möglichkeit einer schrittweisen und priorisierten Umsetzung am zentralen Standort sowie den dezentralen Standorten,
  • höhere Wahrscheinlichkeit wohnortnaher Nutzung,
  • geringere verkehrliche Zusatzbelastung
  • sowie die Möglichkeit einer variablen Anschlussfähigkeit an die örtliche Begebenheit mit den jeweiligen tatsächlichen Interessengruppen.“

„Hinzu kommt, dass sich ein solcher Ansatz … realistischer vertreten lässt, ohne erneut Erwartungen an eine Großlösung zu erzeugen, deren Umsetzung evtl. nicht eingehalten werden kann und in einem „Worst-CaseSzenario“ substanziell herabgewürdigt werden müsste.“

Die Entscheidung sei daher „nicht als inhaltliche Abkehr von den in der Beteiligung geäußerten Bedarfen zu verstehen“, heißt es fast entschuldigend an die Bürger. Mit Verweis auf „Haushalt, Umsetzbarkeit, verkehrlicher Verträglichkeit, Folgekosten und Belastbarkeit“.

Als hätte man das nicht schon beim Start der Planungen für das visionäre Großprojekt vor vier Jahren gewusst.

Gewünscht wurden bei der Bürgerbeteiligung, die seinerzeit genau diese Wünsche erst weckte, ein Pumptrack, eine Freilufthalle/Bolzplatz, Ninja-Warrior, Spielplatz und Bouldern, bei den Beteiligungen der Schulen kamen besonders häufig Calisthenics, Bolzplatz, Ninja-Warrior-Parcours, Pumptrack, Multifunktionsfläche und Trampolin.

Ob davon jetzt überhaupt irgendetwas realisiert wird, lässt die Verwaltung offen. Sie beziffert lediglich den neuen, stark geschrumpften Kostenrahmen:

Großer zentraler Sport- und Freizeitpark: 6,1 Mio. Euro (mit mind. 70.000 Euro Folgekosten jährlich, ohne Kredite und Abschreibungen).

Sport- und Freizeitpark für den Ortsteil: 1,5 Mio. Euro zzgl. Planungskosten.

Möglich, aber nicht sicher seien Fördergelder im Rahmen der Städtebauförderung des ISEK Massen. Der von der Stadt genannte Korridor ist zeitlich nicht beziffert, beinhaltet jedoch

  • politischen Grundsatzbeschluss
  • Erarbeitung einer belastbaren Entwurfsplanung
  • Vorbereitung der Fördergeldanträge
  • weiterre Konkretisierungs- und Bewilligungsschritte
  • Förderoptionen (in der Regel mit Pflichtzuzahlungen aus dem städtischen Haushalt)
  • Umsetzungsreihenfolge
  • und dann – irgendwann nach Jahren, vielleicht – Baubeginn.

„Gleichwohl besitzt der Neubau eines Lehrschwimmbeckens weiterhin Priorität“, unterstreicht die Stadt zum Abschluss ihrer fünfseitigen Ausarbeitung.

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