
12 Jahre nach der Machbarkeitsstudie sind vom geplant 118 km langen Radschnellweg RS1 erst 10 Kilometer fertig und kein Meter im Kreis Unna. Jeder Kilometer kostet mindestens 3 Mio. Euro.
Landet der Radschnellweg RS1 auf seinem geplanten Abschnitt durch den Kreis jetzt endgültig auf der langen Bank, wird er zum „Schleichweg“?
Die SPD im Kreis Unna befürchtet genau das, die CDU hingegen begrüßt den „pragmatischen“ Weg der schwarzgrünen Landesregierung, die bisherige Standards absenken will.
Als eine Art „A40 für Fahrradfahrer“ soll der RS1 mitten durch die Metropole Ruhr führen. Als „Schnellweg für Pendler und attraktives Angebot für Touristen und alle, die sich mit dem Fahrrad schnell auf der Achse zwischen Hamm und Moers bewegen möchten“, wirbt Straßen.NRW für das Langzeitprojekt.
Auf 118 Kilometern soll der Radschnellweg die Städte Moers, Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm verbinden. Geplant und gebaut wird er entsprechend der Qualitätskriterien für Radschnellwege:
Dazu gehört unter anderem die weitgehende Trennung von Rad- und Fußverkehr, komfortable Breiten für den Radverkehr und wenige Steigungen. Abweichungen von diesen Standards sind nur auf kurzen Abschnitten zulässig.
Der RS1 wird aus Landes- und Bundesmitteln finanziert.
Die durchschnittlichen Kosten pro km betragen 3 Mio. € – mehr, wenn sich Brücken, kreuzende Straßen oder Bahngleise auf dem Abschnitt befinden. Auch Anforderungen des Natur- oder Denkmalschutzes können die Kosten erhöhen.
Die Kreis-SPD sieht die geänderten Pläne der NRW-Landesregierung für die geplante RS1-Strecke durch den Kreis Unna kritisch. Sie stellt in einer Stellungnahme fest:
„Der Radschnellweg Ruhr RS1 ist ein zentrales Projekt für den Alltagsradverkehr und die klimafreundliche Mobilität in der Metropole Ruhr. Doch die Umsetzung kommt seit Jahren nur schleppend voran. Die SPD-Kreistagsfraktion Unna fordert deshalb mehr Tempo und Verlässlichkeit von Landesregierung und Straßen.NRW.
Besonders kritisch sieht die Fraktion die diskutierte Reduzierung des Ausbaustandards im Abschnitt Kamen/Bergkamen auf eine Radvorrangroute mit rund 3,50 Metern Breite. Der ursprüngliche Anspruch des RS1 — schnell, direkt, sicher, komfortabel und alltagstauglich — darf nicht aufgegeben werden.
„Der RS1 im Kreis Unna darf nicht zum Radschleichweg werden. Entweder Schwarz-Grün setzt den RS1 in der versprochenen Qualität um — oder die Landesregierung muss ehrlich einräumen, dass sie es nicht kann oder nicht will“, erklärt Maik Luhmann, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion.
Auch Jens Schmülling, mobilitätspolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, warnt vor einer pauschalen Absenkung des Standards:
„Eine schmalere Trasse ohne getrennte Fußführung ist bei steigenden Nutzerzahlen konfliktanfällig und wird dem Anspruch eines Radschnellwegs nicht gerecht.
Punktuelle Engstellen kann man sachgerecht lösen. Sie dürfen aber nicht als Vorwand für eine generelle Absenkung des Standards dienen.“
Die SPD-Fraktion beantragt daher, dass der Kreis Unna gemeinsam mit den betroffenen Kommunen und angrenzenden Städten eine abgestimmte Stellungnahme erarbeitet. Außerdem soll eine Fachkonferenz mit Straßen.NRW, Regionalverband Ruhr, Kommunen, Kreisverwaltung und Verbänden, insbesondere dem ADFC, einberufen werden.
Den vollständigen Antrag gibt es hier.
In der Pressemitteilung der CDU Kreis Unna heißt es hingegen:
Die CDU-Kreistagsfraktion Unna begrüßt die aktuellen Entwicklungen beim Radschnellweg RS1 und den von der Landesregierung und Straßen.NRW eingeschlagenen pragmatischen Kurs. Aus Sicht der Christdemokraten ist dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Projekts.
„Der RS1 ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für den Radverkehr in unserer Region. Deshalb ist es richtig, dass nun pragmatische Lösungen in den Vordergrund rücken, die eine zeitnahe Umsetzung ermöglichen“, erklärt der Fraktionsvorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Unna, Marco Morten Pufke.
„Die Menschen erwarten zu Recht Fortschritte und keine jahrelangen Diskussionen über Standards, die vielerorts kaum zu realisieren sind. Entscheidend ist, dass wir einen sicheren, leistungsfähigen und bedarfsgerechten Radweg schaffen.“
Die bisherigen Planungen hätten gezeigt, dass ein durchgängiger „Premiumausbau“ des RS1 unter den bestehenden Gegebenheiten nicht umsetzbar sei.
„Insbesondere ungeklärte Grundstücksfragen sowie weitere planerische und bauliche Herausforderungen haben das Projekt in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert. Der nun eingeschlagene Kurs eröffnet die Chance, bestehende Hindernisse zu überwinden und den Ausbau abschnittsweise schneller voranzubringen“, so die CDU.
Auch der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion Unna, Wilfried Feldmann, unterstützt den neuen Ansatz:
„Es ist sinnvoll, die Planungen an den tatsächlichen Gegebenheiten auszurichten. Nicht jeder Abschnitt muss zwingend den höchsten Ausbaustandard erfüllen, wenn dadurch das Gesamtprojekt über Jahre verzögert wird. Ein gut ausgebauter, sicherer und durchgängiger Radweg bringt den Menschen deutlich mehr als ein Premiumkonzept, das auf absehbare Zeit nicht vollständig umgesetzt werden kann.“
„Pragmatismus bedeutet nicht, Abstriche bei der Qualität zu machen, sondern Lösungen zu finden, die den Menschen tatsächlich zugutekommen“, betont Pufke. „Mit dem jetzt eingeschlagenen Weg kommen wir dem Ziel eines modernen und attraktiven Radschnellwegs im Kreis Unna ein gutes Stück näher.“
Die CDU-Kreistagsfraktion Unna wird den weiteren Planungs- und Umsetzungsprozess konstruktiv begleiten und sich weiterhin dafür einsetzen, dass der RS1 mit Augenmaß, wirtschaftlicher Vernunft und dem notwendigen Tempo verwirklicht wird.
Der Radschnellweg Ruhr (RS1) wird die Städte Moers, Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm verbinden. Die über 100 Kilometer lange Strecke führt mitten durch das dichtbesiedelte Ruhrgebiet. Für Planung und Bau arbeitet Straßen.NRW eng mit den jeweiligen Kommunen und dem Regionalverband Ruhr (RVR) zusammen.

Auf einer Länge von rund zehn Kilometern ist der RS1 in den Städten Mülheim an der Ruhr, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund für den Verkehr freigegeben. Zudem ist die etwa zehn Kilometer lange Modellstrecke von der Hochschule Ruhr West in Mülheim a.d.R. bis zur Universität Duisburg/Essen in Essen befahrbar.































