Kreishauskreisel nicht mehr beidseitig zu beradeln? ADFC fordert statt dessen Durchfahrtsperre zur Platanenallee

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Mit Radfahren in beide Richtungen soll am Kreishauskreisel zeitnah Schluss sein - das kündigte die Stadt Unna am 24. Januar an. (Foto Stadt Unna)

„Damit wird der Kreishauskreisel noch unattraktiver“, schimpft der ADFC, und „die neue Regelung schafft wenig Sicherheit“:

Ganz und gar nicht einverstanden ist der Unnaer Radclub mit der neuen Einrichtungs-Regelung für Radler an Unnas Dauerproblemkreisel. Wie berichtet, darf der Radweg entlang des fünfarmigen Kreisverkehrs künftig nur noch in Richtung des Autoverkehrs beradelt werden und nicht mehr wie bisher in beide Richtungen.

Das soll den Kreisel sicherer für Fußgänger und Radfahrer machen.

„Dieses Ziel begrüßt der ADFC Unna. „Die neu geplante Verkehrsführung dient jedoch diesem Ziel nicht, sondern macht den Kreisverkehr nur noch unattraktiver für Radfahrer.“

Mit einer Pressemitteilung vom 24. Januar teilte die Stadt wie berichtet mit, dass der Kreisel am Kreishaus von Radlern künftig nicht mehr in beide Richtungen befahren werden darf. Begründung: Der Kreisel stelle einen Unfallhäufungspunkt dar, die neue Regelung werde die Sicherheit für Radler und Fußgänger erhöhen.

§Der ADFC Unna begrüßt im Grundsatz die Absicht, insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer besser zu schützen“, teilt der Club in einer Presseerklärung vom heutigen Dienstag mit, 27. Februar.

Die Fußgänger-/Radfahrerüberquerung auf der Viktoriastraße zwischen dem Kreishauskreisel und dem Netto. (Archivfoto S. Rinke / RB)

„Jedoch wurde bereits mit der Ampel an der Viktoriastraße dem Rad- und Fußverkehr die Vorfahrt an einer der Querungen genommen.

Kritisch zu sehen ist daher, dass die nun geplante Maßnahme den Radverkehr noch weiter einschränkt, obwohl die Gefahr und die Unfallschuld fast ausschließlich bei Autofahrern liegt.“

Als Beleg verweist der ADFC auf eine Nachfrage bei der Kreispolizeibehörde Unna, wonach zwischen 2013 und 2023 bei 24 von 26 Verkehrsunfällen mit Fahrradbeteiligung die Unfallschuld bei KfZ-Fahrern gelegen habe.

Der ADFC sehe deutlich bessere Möglichkeiten, den Kreisel für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu gestalten:

„Wie bereits in der Unfallkommission als Empfehlung ausgearbeitet, sollte die Beleuchtungssituation am gesamten Kreisel verbessert werden. Dies ist bisweilen nicht umgesetzt worden und würde sowohl den Radverkehr, als auch den – weiterhin von allen Seiten querenden – Fußverkehr schützen.

Als weitere Maßnahme empfiehlt der ADFC eine Durchfahrtssperre in die Platanenallee vom Kreisel aus.

„Das würde die Möglichkeit eröffnen, dass Radler von der Friedrich-Ebert-Straße nach links zur Ampel an der Viktoriastraße gelangen, ohne dabei mehrere Ausfahrten des Kreisels kreuzen zu müssen, wenn wie angekündigt der Kreisel nur noch in Fahrtrichtung der KfZ befahren werden darf.“

3 KOMMENTARE

  1. Ein wirklich sehr sinnvoller Vorschlag.

    Schon heute bedarf es erheblicher Rücksichtnahme um mit dem Rad von der Hammer Str. kommend ab Ampel bis zur Platanenallee zu gelangen.
    Zum einen querende Fußgänger. Des Weiteren, besonders zu Schulbeginn und -ende, reichlich Schüler auf dem kompletten Geh- und Radweg.

    Nun sollen auch noch von der Friedrich-Ebert-Straße kommende, entgegen vorgeschriebener Fahrtrichtung, zusätzliche Radler hinzu.

    Zudem werden die Unfälle zunehmen wenn Radler auf der Friedrich-Ebert-Straße kurz vor dem Kreisel nach links schwenken und die Straße queren.

    Selbst als Rad Vielfahrer und Nutzer des Kreisels kann man so einen Schwachsinn nicht befürworten.

    Gegenseitige Rücksichtnahme ist eben angesagt (nicht nur) am Kreisel dann ergibt sich auch eine andere Unfallstatistik.

  2. Zitat: „Kritisch zu sehen ist daher, dass die nun geplante Maßnahme den Radverkehr noch weiter einschränkt, obwohl die Gefahr und die Unfallschuld fast ausschließlich bei Autofahrern liegt.“ Was Wunder, wenn das KFZ grundsätzlich eine Mitschuld aufgrund der Betriebsgefahr bekommt und die Radler von beiden Seiten kommen dürfen, zusätzlich auch gerne mal diagonal mit Tempo über die Überwege schießen.

    Nochmal mein Vorschlag: Einfach mal die verantwortlichen Planer, gerne auch einen Cheffe vom ADFC dabei, für ein bis zwei Wochen im Zentrum eines großen Kreisverkehrs in England aussetzen.
    Vielleicht lernen und verstehen sie dann Funktion und Wirkungsweise eines Kreisverkehres.
    Ein Kreisverkehr ist in erster Linie eine Kreuzung, die im Idealfall von den Verkehrsteilnehmern zügig ohne anzuhalten sicher durchfahren werden kann.
    Das setzt ein paar Dinge voraus:
    Ein zügiger und sicherer Ablauf ist grundsätzlich nur gewährleistet, wenn der Verkehrsteilnehmer bereits frühzeitig und schnell die Verkehrslage im Kreisel erfassen und den Weg der kommenden vorfahrtsberechtigten Fahrzeuge extrapolieren kann.
    Das funktioniert nur zuverlässig, wenn die vorfahrtsberechtigten Verkehrsteilnehmer ausschließlich aus einer Richtung kommen können.
    In Deutschland baut man Kreisel, in denen
    -Radler vorfahrtsberechtigt von beiden Seiten auf einer zusätzlichen Spur kommen können,
    -vorfahrtsberechtigt Straßenbahnen mittig in beide Richtungen durch den Kreisel fahren und -direkt vor den Einfahrten zum Kreisel Zebrastreifen/Fußgängerüberwege liegen.
    Und dann wundert man sich, daß es
    a. Staus und
    b. Unfälle vor allem mit Radlern gibt.
    Radler und Fußgänger haben Überwege mindestens 30m vor dem Kreisel zu bekommen.
    Straßenbahnen haben in einem Kreisel vorfahrtsberechtigt gar nichts zu suchen (betrifft jetzt nicht Unna).
    Radler und Fußgänger kann man bei kleinen Kreiseln mit wenig Verkehrsaufkommen integrieren, nicht in einen stark frequentierten Kreisverkehr im Stadtzentrum.
    Das sorgt immer entweder für stark gehemmten Verkehrsfluß und/oder gefährliche Situationen.
    Daß man in Deutschland Kreisverkehre nicht versteht (verstehen will), sieht man schön an der vor vielen Jahren geänderten Blinkregelung und gerade auch in Unna, wo der Kreisverkehr durch Sperrung einer Spur zwangskastriert wurde, weil die Verkehrsteilnehmer mit deren Gebrauch überfordert waren.
    Diese mit dem Kreisverkehrprinzip überforderten Verkehrsteilnehmer dann damit zu „beglücken“, daß gerade im entscheidendem Moment bei der Einfahrt in den Kreisel (die Fußgängerüberwege hat man gerade gemeistert, puh) zusätzlich zur Beachtung des fließenden Verkehres von links, nach rechts gesichert werden muß, wozu immer wieder der Kopf von der wichtigen Seite nach rechts gedreht werden muß.
    Nun kann man nachträglich kaum mit vertretbarem Aufwand die Fußgänger und Radler baulich in sicherer Entfernung zum Kreisel die Straßen queren lassen, aber dieses unsägliche gegen die Fahrtrichtung fahren der Radler kann gestoppt werden.
    Gute Idee, bin dafür!

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