Geld, Personal, Kapazitäten – von allem viel zu wenig: Dramatische Lage der Kitas im Kreis

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Die Situation in der frühkindlichen Bildung ist bedrohlich wie nie zuvor.

Enrichtungen müssen schließen, weil sie nicht mehr kostendeckend arbeiten können. Der Betreuungsbedarf übersteigt oft die zur Verfügung stehenden Plätze.

Und der Neubau wird angesichts explodierender Baukosten immer schwieriger.

Hinzu kommt der enorme Personalmangel, der verlässliche Betreuungszeiten nicht mehr garantiere. Mittlerweile müssten zahlreiche Kitas ihr Angebot einschränken und die Betreuungszeiten reduzieren.

So skizzierte SPD-Landtagsabgeordneter Dr. Dennis Maelzer als zuständiger Sprecher der Landtagsfraktion die aktuelle Lage für die Kitas in NRW.

Über 50 Teilnehmer konnte die SPD-Kreistagsfraktion am Dienstagabend in der Kulturschmiede zur Dialogveranstaltung „Zukunft der Kitas sichern!“ in Fröndenberg begrüßen.

„Lassen Sie mich nur eine Zahl nennen: Landesweit fehlen nach aktuellen Studien rund 100.000 Betreuungsplätze, mit enormen Auswirkungen für Familien, die keine ausreichende Betreuung für ihr Kind finden“, machte Dennis Maelzer die kritische Situation deutlich.

„Wir müssen bei der Finanzierung weg von den Kindpauschalen und hin zu Einrichtungsbudgets, die eine verlässliche Grundfinanzierung der Kitas ermöglichen.

In der anschließenden Talkrunde kamen mit den eingeladenen Diskussionspartnern unterschiedliche Aspekte des Kitasystems zu Wort: 

Daniel Frieling, Bereichsleiter Kindertagesbetreuung der AWO Ruhr-Lippe-Ems, verwies aus der Trägersicht auf die fehlende Verlässlichkeit.

Es gebe zu viele Einzelprogramme, wie zum Beispiel „Sprachkitas“, die immer nur zeitlich befristet und finanziert seien.

Dazu komme eine überbordende Bürokratie aus Anträgen und Verwendungsnachweisen. „Das alles braucht Zeit, die letztlich nicht für die pädagogische Arbeit mit den Kindern da ist“, zieht der AWO-Experte ein ernüchterndes Fazit.

Die Herausforderung für die Verwaltungen schilderte Torsten Göpfert, Jugenddezernent des Kreises Unna und damit zuständig für Bönen, Fröndenberg und Holzwickede.

„Wir müssen als Kommunen den Rechtsanspruch sicherstellen, sind dabei an vielen Stellen auf die freien Träger angewiesen, mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten, aber die finanziell und personell an ihre Grenzen stoßen.“

„Aktuell sind in meiner Einrichtung fünf Stellen unbesetzt“, schildert Sandra Weniger, Leiterin der DRK-Kita „Puzzlekiste“ in Bönen, ihre Lage.

Abhilfe schafften hier im Moment Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma.

Es gebe in allen Kitas viele Personalwechsel und immer häufiger den Wunsch nach Teilzeitarbeit.

„Das wundert mich nicht, weil der Beruf mental und körperlich sehr anspruchsvoll ist, gerade unter dem anhaltenden Personalmangel“, so Sandra Weniger. „Trotz aller Schwierigkeiten habe ich ein total engagiertes Team, das für die Arbeit mit den Kindern brennt.“

Viel Zuspruch für diese Schilderungen kam aus dem Publikum, darunter viele Mitarbeiterinnen aus den Kitas im Kreis Unna.

„Wir müssen aufpassen, dass hier nicht ein Berufsbild an die Wand gefahren wird, dass für unsere Gesellschaft unerlässlich ist“,

mahnt Dennis Maelzer.

Die frühkindliche Bildung in NRW steht in ihrer Verlässlichkeit und ihrer guten Bildung infrage. Der Mangel an Geld, Personal und Betreuungsplätzen ist überall spürbar.

Aus einer Umfrage der Freien Wohlfahrtspflege geht hervor, dass rund 85 Prozent der befragten Träger schon für das Haushaltsjahr 2023 mit einem deutlichen Haushaltsdefizit rechnen, welches die Vermögens- und Liquiditätslage des Trägers existentiell angreift.

Der derzeitige Fehlbetrag im System, den die Träger finanzieren müssen, beträgt gegenwärtig mehr als 500 Millionen Euro.

Aus Sicht der SPD-Kreistagsfraktion ist ein gemeinsamer politischer und finanzieller Kraftakt im Land nötig.

„Frühkindliche Bildung ist der sprichwörtliche Schlüssel zur Welt. Wenn wir diesen Zugang für die Zukunft sichern wollen, helfen Schuldzuweisungen nicht weiter“, betont Norbert Enters.

Aber die Landesregierung müsse sich auf konstruktive Diskussionen einlassen und solange sollten die Mitarbeitenden in den Einrichtungen den Druck verstärken, wie zuletzt im vergangenen Oktober mit 30.000 Menschen bei der größten Demonstration vor dem Landtag unter dem Motto „NRW, bleib sozial!“

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