Parkhaus Neue Mühle bleibt Sorgenkind – WBU hofft auf Effekte durch neuen Kurzparktarif ab Januar

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Parkhaus Neue Mühle - Foto Rinke

Bestenfalls zu einem Drittel, oft noch geringer ist das Parkhaus Neue Mühle bisher belegt. Die vor anderthalb Jahren (am 7. Juli 2023) eröffneten zwei neuen Parkdecks im Einkaufszentrum Neue Mühle können die in sie gesetzten Erwartungen nach wie vor nicht erfüllen, meist sind deutlich über 200 der 316 Parkplätze gemäß Leuchtanzeige frei.

Am schleppenden Zuspruch hat sich seit der letzten Nachfrage unserer Redaktion im März dieses Jahres nichts geändert. Das bestätigte uns am heutigen Dienstag, 28. November, Michelle Eckmann von den Wirtschaftsbetrieben (WBU).

„Die Auslastung in der Neuen Mühle variiert immer noch sehr stark. Durch die noch immer fehlende Gastronomie ist auf jeden Fall weiterhin Auslastungspotenzial vorhanden. Auch die überraschende Schließung von Frittenwerk trägt nicht positiv dazu bei.“

Wie berichtet, war das bis dato einzige gastronomische Angebot in der Neuen Mühle vor einigen Wochen abrupt, ohne Ankündigung und bis dato ohne Begründung aufgegeben worden. Die Frittenküche befand sich im weitläufigen Foyer des Edeka. Besucher bemängelten schon vor der plötzlichen Schließung (nach nur 8 Monaten) die Dunkelheit, Abgelegenheit und Zugigkeit des Standorts. Zudem hatte die Frittenküche schon Wochen vor ihrem Aus ihre Öffnungszeiten verkürzt, erst um 13 Uhr geöffnet, obwohl „11 Uhr“ weiterhin angegeben war.

Der Betreiber der Frittenküche hatte unserer Redaktion in einem kurzen Statement noch eine Begründung angekündigt, diese gab es aber nicht mehr. Am Phönixsee läuft das Angebot dieser besonderen Pommesschmiede dem Vernehmen nach weiter gut.

Die vom Neue Mühle-Investor avisierte „tagesfüllende Gastronomie“ für das gläserne Erdgeschoss-Rondell lässt ebenfalls weiter auf sich warten. Einen Plan B gebe es nicht, sagte der Eigentümer zuletzt auf Nachfrage dazu.

Für die mangelhaft ausgelasteten Parkdecks erhofft sich die WBU als Betreiberin jetzt einen kleinen Schub, wenn ab Januar das neue Parkkonzept mit der neuen Gebührenordnung für die Unnaer Innenstadt in Kraft tritt.

Dieses verteuert wie berichtet die oberirdischen Parkplätze in Unna drastisch (auf 2,50 Euro pro Stunde bei 3 Stunden Höchstparkdauer), vervierfacht die Kosten fürs Bewohnerparken (120 statt 30 Euro/Jahr) und gleicht auch die Gebühren in den Parkhäusern und Tiefgaragen an – und zwar nach oben auf 1,50 Euro pro Stunde.

Heißt, billiger wird das Parken auch in den Einrichtungen nicht. Aber es gilt dann ein „Kurzzeitparkertarif“ von 1,00 € für 40 Minuten, erinnert Michelle Eckmann.

„Dadurch könnte die Auslastung des Parkhauses Neue Mühle steigen, da dieser Tarif besonders attraktiv ist. Hier können schnelle Erledigungen ohne Zeitdruck mit kostengünstigem Parken kombiniert werden.“

Unsere weitergehende Frage an die WBU lautete, ob geplant ist, wie in Nachbarstädten vergleichbarer Größe besonders günstiges oder sogar kostenloses Parken in der Vorweihnachtszeit anzubieten: So verfährt etwa seit Jahren erfolgreich die Stadt Menden, wo Besucher an den vier Adventssamstagen kostenlos parken dürfen.

In Unna jedoch, sagt Michelle Eckmann, „gibt es derzeit keine Überlegungen für vergünstigtes Parken an den Adventstagen.“

Über die Gründe dafür, wieso das Parkhaus Neue Mühle so unbeliebt ist (voll war es bisher nur einmal – am Festa Italiana-Samstag), wurde und wird in der Rundblick-Community viel diskutiert.

Die einen führen die steile Auffahrrampe als Argument an (Fahrer sportlicher/tiefergelegter Wagen drohen aufzusetzen), andere vermuten, das Parkhaus liege zu weit von der unmittelbaren Fußgängerzone entfernt.

Wieder andere machen das bisher für viele enttäuschende Angebot des Einkaufszentrums für die mangelnde Auslastung verantwortlich – um bei Edeka oder Woolworth einzukaufen, führen die Kunden nicht extra in ein Parkhaus.

Das neue Innenstadtparkkonzept, das unter Ägide von Grün-Schwarz bekanntlich auf eine „autoarme Innenstadt“ setzt, verfolgt durch seine Verteuerung der Außenparkplätze bei gleichzeitiger Verknappung derselben das Ziel, Besucher und auch Bewohner in die Parkhäuser und Tiefgaragen zu lenken.

Ob das Kalkül aufgeht, daran herrscht noch Zweifel, zumal Unna bisher kein digitales Parkleitsystem hat. Dies ist der Grund, wieso neben WfU, FLU und FDP auch die SPD dem Parkkonzept ihre Gefolgschaft verweigerte und sich bei der Abstimmung enthielt.

5 KOMMENTARE

  1. Für die „Mühle“ sollte sich die WBU mehr einfallen lassen. Wie bei einem latenten Parkplatzüberschuss in Unna „Abschreckungstarife“ auch noch Kunden anziehen sollen – diese Erwartung bleibt abenteuerlich. Als einzige Stadt weit und breit bietet Unna nur wenige, kostenlose P + R – Parkplätze im Bahnhofsumfeld. Wer mobil ist, nutzt nicht den Unnaer Bahn- hof, sondern die in Schwerte, Holzwickede, Hamm und Kamen oder die an den Nebenstrecken mit vielen kostenlosen Parkplätzen. Ein Parkplatztagesticket für einen Euro zur Förderung des ÖPNV und des Umstieges von PKW in die Bahn in der „Mühle“ – das wäre doch mal was!

  2. Ein weiteres Paradebeispiel dafür, wenn von Großmannssucht und realitätsfremder Ideologie getriebene Dilettanten entfesselt agieren können.

    Leider nicht zum ersten Mal in einer einstmals liebenswerten Stadt.

    Staunenden Gruss aus der Ferne.

  3. Ist doch kein Problem: Abreißen und einen Shared Space draus machen. Verweilquali erhöhen und so.
    Ach ne, dies wird ja nur bei voll ausgelasteten Parkplätzen so praktiziert, nicht bei ungenutzten…

    Wenn ich durch die Unterführung komme, sehe ich kurz die steile Auffahrt und ich kann dann nicht sehen, ob jemand schon oben vor der Schranke steht. Das Risiko ist mir zu hoch, daß ich dann auf der Schräge halten muß und dann beim Anfahren die Kupplung stark beanspruche.
    Und das liegt nicht an mangelnden Fahrkünsten, seit Jahrzehnten fahre ich (teils auch beruflich) Fahrzeuge aller Arten, egal ob Manuell oder Automatik, ob Rechts- oder Linkslenker, ob LKW oder Motorräder. Zur Zeit fahre ich ein Auto, welches im unteren Drehzahlbereich nicht gerade drehmomentstark ist, optimiert für niedrigen Verbrauch auf ebener Langstrecke.
    Meine Frau will da aber mit ihrem Wagen auch nicht hochfahren, um nicht dort anfahren zu müssen.
    Mir unverständlich, daß man für ein Parkhaus eine Einfahrt im ersten Stock baut.

    Am etwas abgelegeneren Standort liegt es sicher nicht, der Parkplatz hinter der Alten Mühle war immer gut besucht. Und ich denke, hätte man die alte Mühle abgerissen und die Fläche dem Parkplatz angegliedert, wäre der auch immer voll gewesen.

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