Mögliche Ampel-Koalition beflügelt Debatte um Tempo 130 auf Autobahnen

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Tempo 130 - Symbolbild (bearbeitet), Quelle Pixabay

Nur noch maximal 130 auf der Autobahn fahren? Auf dem Hintergrund der Sondierungsgespräche für eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen nimmt das Dauerthema an diesem Wochenende Fahrt auf.

Denn zwei der drei möglichen Koalitionäre möchten 130 auf Autobahnen zügig einführen.

Ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen würde eine Mehrzahl der Deutschen laut einer aktuellen Studie zumindest nicht mehr stören. Die Autoindustrie ist hingegen weiterhin gegen eine Beschränkung.

Volkswagen-Chef Herbert Diess sagte laut einem Vorabbericht der „Welt am Sonntag“:

„Wir brauchen kein generelles Tempolimit. Elektroautos und das autonome Fahren machen es überflüssig.“

Das Auto würde binnen der nächsten 10 Jahre „so nachhaltig und sicher wie nie“, behauptete der VW-Boss in dem Interview. Den Chef des Daimler-Konzerns, Källenius, zitiert die „Welt am Sonntag“ mit der Überzeugung, es gebe „intelligentere Lösungen, um die Straße noch sicherer zu machen – zum Beispiel durch eine digitale und flexible Steuerung des Verkehrs.“

Für die Grünen ist das 130er-Limit auf Autobahnen allerdings zentraler Bestandteil ihres Klimaschutzprogramms. Und auch die SPD als möglicher stärkster Partner im künftigen Dreierbündnis befürwortet eine Angleichung der Höchstgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen ans übrige Europa.

Das Umweltbundesamt befürwortet ein Tempolimit auf Autobahnen aus mehreren Gründen: Es wäre

„… ein kurzfristig realisierbarer, kostengünstiger und wirksamer Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen des Verkehrs. Zudem würde auch die Verkehrssicherheit erhöht und die Lärm- und Schadstoffemissionen gemindert.“

Basierend auf von der Bundesanstalt für Straßenwesen 2019 veröffentlichten Daten zu den mittleren Geschwindigkeiten und Geschwindigkeitsverteilungen auf Bundesautobahnen hat das Umweltbundesamt die Treibhausgaseinsparungen eines Tempolimits auf Autobahnen in Deutschland neu berechnet.   

Im Jahr 2018 verursachten Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auf Bundesautobahnen in Deutschland Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 39,1 Millionen Tonnen ⁠Kohlendioxid-Äquivalente⁠ (CO2-Äquivalente). Durch die Einführung eines generellen Tempolimits von 120 km/h auf Bundesautobahnen würden die Emissionen um jährlich 2,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente reduziert. Selbst ein Tempolimit von 130 km/h würde die Treibhausgasemissionen bereits um 1,9 Millionen Tonnen, ein Tempolimit von 100 km/h sogar um 5,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr mindern. 

Die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu 130 wächst offenbar. In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts sind 64 Prozent der Befragten „auf jeden Fall“ oder „eher“ für eine Geschwindigkeitsbegrenzung. „Eher nein“ oder „auf keinen Fall“ antworteten 36 Prozent.

 Ihre Zahl ist 2020 demnach im Vergleich zu einer Zwischenerhebung von 2019 (68 Prozent) geringer, aber etwas höher als im Jahr 2018 (64 Prozent).

Zuletzt wurde Tempo 130 im Jahr 2020 vom Bundesrat abgelehnt. Während sich der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet in einem Interview mit einer Autozeitung gegen ein Tempolimit ausspricht und auch die FDP klar dagegen ist, befürworten SPD und Grüne das Limit.

Erste Autohersteller reagieren:

Neuwagen der Marken Renault und Dacia werden ab Modelljahr 2022 nicht schneller als 180 km/h fahren, kündigte der französische Mutter-Konzern angekündigt. Beim schwedischen Autobauer Volvo gilt dieses Limit für Neuwagen schon seit 2020.

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