Bürgermeister besuchte Flutbetroffene ohne Foto – Was die Lokalpresse daraus machte

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Es kommt selten, eigentlich so gut wie nie vor, dass ein Bürgermeister öffentlich auf Facebook persönlich die Berichterstattung eines lokalen Mediums kritisiert. Man kann daher davon ausgehen, dass sich Schwertes Stadtoberhaupt in diesem aktuellen Fall außerordentlich geärgert hat – was nachvollziehbar ist.

Denn Bürgermeister Dimitrios Axourgos wurde heute in der örtlichen Tageszeitung faktisch vorgeworfen, nicht genügend Empathie für die Hochwasserbetroffenen in seiner Stadt zu zeigen – indem er sich nicht habe blicken lassen, konkret, im Elsebad nicht. Das tat er sehr wohl, er ließ sich dabei lediglich nicht fotografieren. Und das bewusst.

In seinem Facebookpost, der bis heute Abend über 500 Likes bekam, schreibt Dimitrios Axourgos:

Zum Kommentar … in den RN vom 22. Juli:

Liebe Frau T.,
offensichtlich ohne zu recherchieren beklagen Sie in ihrem Kommentar, dass ich als Bürgermeister das Elsebad nicht besucht habe und den Ehrenamtlichen nicht für Ihren Einsatz gedankt habe. Es folgen viele weitere Aussagen in diesem Zusammenhang, auf die ich nicht eingehen möchte, denn sie entbehren jeglicher Grundlage.

Es wäre ein einfaches gewesen, vor dem Verfassen ihres Kommentares bei mir oder im Rathaus nachzufragen, ob ich tatsächlich nicht im Elsebad war. Sie hätten auch die Facebook-Seite des Elsebades verfolgen können. Auf beiden Wegen hätten Sie festgestellt, dass ich sehr wohl im Elsebad war, mein Bedauern ausgedrückt und weitere Hilfe der Stadt (neben dem Einsatz der Feuerwehr, des Baubetriebshof, der Stadtentwässerung…) angeboten habe.

Richtig ist: bei meinem Besuch habe ich auf Fotos verzichtet, denn darum ging es mir bei dem Termin nicht. Besuche, Gespräche, Anteilnahme müssen nicht zwingend und nicht immer pressemäßig aufgearbeitet werden. Mir war es in diesem Fall viel wichtiger, im persönlichen Gespräch das zu sagen, was mich bewegt hat.

Statt einer journalistischen Recherche also lieber ein beißender, reißender und inhaltlich fehlerhafter Kommentar?! Da darf man, da darf ich, durchaus mehr erwarten. Eine Richtigstellung wäre ein erster Schritt.

Mit freundlichen Grüßen
Dimitrios Axourgos
Bürgermeister“

Ein Kommentar dazu von unserem Kollegen Lukas Pohland, Redaktionsleiter von MeinSchwerte.de:

Fehler passieren. Sie dürfen nicht passieren, aber sie passieren. Da ist es egal, ob ein Medium SPIEGEL, BILD, MeinSchwerte oder Ruhr Nachrichten heißt. Es gibt jedoch Fehler, die sich vermeiden lassen. Starten wir aber von vorne: 

Das Team vom Elsebad kritisierte gegenüber dem Schwerter Medium „Ruhr Nachrichten“ die fehlende Präsenz des Bürgermeisters Dimitrios Axourgos nach den Unwetterschäden letzte Woche im Freibad. Das ist nachvollziehbar und sicher ein Punkt, über den man diskutieren kann.

Journalisten, die Pressetermine und Facebook-Auftritte verfolgen, wussten jedoch auch, dass der Bürgermeister diesen Besuch am Montag nachgeholt hat. Sowas erfährt man als Journalist eben auch, indem man Pressetermine besucht und Hintergrundgespräche führt. Eigentlich eine Tugend. 

Und ja, es ist absolut richtig und legitim wenn Medien die Regierung und Politik kritisieren. Aber: diese Kritik, die man in diesem Falle in Form eines Kommentars lesen kann, muss fundiert recherchiert  und sachlich korrekt sein. Andernfalls handelt man zumindest fahrlässig. Die Fahrlässigkeit ist in diesem Fall durch den Abdruck eines Kommentars gegen die vermeintlich fehlende Präsenz des Bürgermeisters am Elsebad in der Donnerstagsausgabe der „Ruhr Nachrichten“ geschehen. 

Bei einem fahrlässigen Fehler sollte es jedoch nicht bleiben. Während der Bürgermeister den Sachverhalt noch in der Nacht richtigstellte, veröffentlicht das Medium den Kommentar mit der gleichen Kernaussage Stunden später erneut – diesmal auf den Online-Kanälen der Zeitung. Das ist dann keine Fahrlässigkeit mehr, sondern ein verantwortungsloses Handeln. Wer dann erst Stunden später auf die Kritik der eigenen Leserschaft reagiert, hat wahrhaftig kein Interesse mehr an der Existenz seines Mediums,

meint Lukas Pohland. 

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