Unnas Brunnen bleiben trocken, bis „das Ende der Pandemie ausgerufen ist“

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Tauben am Eselsbrunnen auf dem Alten Markt. /Foto RB

Wenn alle Brünnlein fließen, befindet man sich aktuell garantiert nicht in Unna. Denn in der Kreisstadt sind öffentlichen Brunnen weiterhin trockengelegt. Und das bleibt so, beharrte Bürgermeister Dirk Wigant am Donnerstag (27. Mai) im Haupt- und Finanzausschuss, „so lange die Pandemie ausgerufen ist.“

Er nannte dazu ein festes Datum, den 18. Juni. Wieso ab diesem Tag das „Ende der Pandemie ausgerufen“ sein soll bzw. wer dieses Ende dann ausrufen wird, womöglich mit Trommelwirbel und Fanfarenstoß, diese Feinheiten blieben in der kurzen Diskussion über die ausgeschalteten Wasserquellen in der Innenstadt unerwähnt. Unser Leser Sandro Wiggerich, selbst Ratsmitglied der Grünen, wusste uns in einem Facebook-Kommentar jedoch auf die Sprünge zu helfen:

„Der Landtag NRW hat in seiner Sitzung am 30.04.2021 die Feststellung der epidemischen Lage von landesweiter Tragweite bis zum 18.06.2021 verlängert.“ – Danke für die Aufklärung!

Der Kern dieser Bürgermeisteransage ging jedenfalls an die Fraktion „Wir für Unna“ (WfU). Die hatte, wie wir berichtet hatten, den Antrag an den Bürgermeister gestellt, die Kreisstadt möge doch endlich – wie praktisch alle umliegenden kleineren wie größeren Städte – an ihren Brunnen „Wasser Marsch“ befehligen.

Nein, Wigant schüttelte den Kopf. Er möchte das einfach nicht. Und so gut wie alle anwenden Ratsleute (bis auf zwei) möchten das ebenfalls nicht, hieß, Antrag mit breiter Mehrheit abgelehnt, da konnte sich die Fraktionsvorsitzende der WfU, Ingrid Kroll, noch so argumentativ abstrampeln:

„Überall laufen die Brunnen. Da stellt sich mir doch irgendwie die Frage“, stellte Kroll mit nachdenklich gedehnter Stimme in den Raum: „Hat die Stadt Unna etwa kein Vertrauen zu ihren Bürgern…?“

Archivbild – der Brunnen am Rathausplatz Unna ist derzeit noch trocken. (Foto RB)

Denn der Grund, weshalb Wigants Verwaltung sich dem sprudelnden Nass vor dem Rathaus und an allen anderen Brunnen in der Innenstadt verweigert, verbirgt sich nicht etwa in irgendeiner geheimnisvollen Coronaverordnung, die Kommunen vorschreibt, wann sie ihre öffentlichen Brunnen anwerfen dürfen und wann sie sie trocken zu legen haben.

Es steht in keinem Gesetz, dass wir die Brunnen schließen müssen„, erklärte der Bürgermeister denn auch frei heraus ganz ungefragt selbst. Doch: „Wir machen es trotzdem!“

Weil: Sobald Wasser sprudelt, strömen Menschen zum sprudelnden Wasser. Und dann, spann Wigant das Szenario aus, hat man sie prompt wieder – diese „unerwünschten Ansammlungen“, die man in der Pandemie doch so unbedingt vermeiden will. Und wird – denn wo kein Wasser strömt, strömt auch keine Menschenansammlung zum Wasser.

Letztlich, so hub der Bürgermeister final mit fast einer gewissen Dramatik in der Stimme an: „Es planschen dann sogar Kinder im Brunnen! Ohne Maske, Test und Abstand!“

Deartige Risiken könne, wolle und werde er nicht verantworten, also bleiben die Brunnen in Unna trocken. Wie lange? So lange eben, wie offiziell „noch Pandemie ist“. Also bis zum 18. Juni; erst mal. Und wenn die Pandemie verlängert wird, dann eben länger.

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