Turbo-Impfung mit AstraZeneca? Experten warnen vor Verkürzung des Intervalls zugunsten früher Lockerungen

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Impfspritzen - Symbolbild, Archiv, Ursprungsquelle Stadt Kamen

Priorisierung aufgehoben, und Zweitimpfung statt nach drei Monaten schon nach vier Wochen – damit die Betreffenden noch vollständig geimpft in den Urlaub fahren oder fliegen können?

Viele Mediziner sind skeptisch über das Vorgehen der Politik mit dem Covid-Impfstoff AstraZeneca (wir berichten HIER über die Ankündigung des Landes NRW).

Unter den Mahnern ist der Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der Technischen Universität (TU) Dortmund, Prof. Dr. Carsten Watzl. Er warnt:

„Man muss den Menschen klar sagen: Wenn Sie Ihren Impfabstand bei Astra-Zeneca verkürzen, um damit schneller in den Genuss von Lockerungen zu kommen, machen Sie das auf Kosten Ihres Immunschutzes.“

Bei AstraZeneca bzw. (der neue Name des Vakzins) Vaxzevria beträgt der Zeitabstand zwischen Erst- und Zweitimpfung laut Zulassung 4 bis 12 Wochen. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Schutzwirkung mit der Länge des Intervalls zunimmt.

Aus guten Gründen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) ebenso wie die WHO, die zweite Dosis AstraZeneca erst nach 12 Wochen zu verimpfen.

„Diese Empfehlung wollen Bund und Länder nun aufweichen, indem sie den Zeitpunkt der Zweitimpfung ,im Rahmen der Zulassung freigeben´. Dass damit im Einzelfall eine geringere Schutzwirkung riskiert wird, war den Verantwortlichen offenbar bewusst“, heißt es kritisch in einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung (Onlineausgabe); denn:

„,Umso länger der gewählte Zeitraum innerhalb dieses Intervalls, desto höher die nachgewiesene Wirksamkeit´“, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Entscheidung, wie damit umzugehen ist, müssen Ärzte und Impflinge künftig aber allein treffen.“

Wohl aus gutem Grund darf der Intervall zwischen Erst- und Zweitimpfung nur bei Impfung in der Hausarztpraxis verkürzt werden. In den Impfzentren, so das Gesundheitsministerium NRW, sei das aus „logistischen Gründen“ nicht möglich.

Experten wie der Immunologe an der TU Dortmund sehen das Vorgehen sehr kritisch. Auch STIKO-Mitglied Professor Dr. Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Uniklinikum Erlangen, erklärte: Eine Zweitimpfung schon nach unter 6 Wochen verringere die Schutzwirkung des Impfstoffs von 82 auf nur noch 54 Prozent. „Zudem wird durch eine Verkürzung des Impfintervalls an sich die Pandemiebekämpfung nicht verbessert.“

Generell sei die Verkürzung der Impfabstände zum momentanen Zeitpunkt falsch: Denn damit bekämen weniger Menschen frühen Immunschutz durch die Erstimpfung.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung.de

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