Statt „Gärten des GRAUens“ soll es blühen und grünen – Stadt Unna will überzeugen statt verbieten

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Blühender Vorgarten - Archivbild RB

Keine „Gärten des GRAUens“ (grau wie Stein an Stein), sondern frisches Grün und Blumenprachten. Das wünscht sich die Stadt Unna und hat dazu einen neuen Flyer drucken lassen. Darin informiert sie über Vorzüge der Artenvielfalt in den heimischen Vorgärten.

„Hausbesitzer greifen bei der Gestaltung ihrer Vorgärten – besonders in Neubausiedlungen – immer öfter zu Kies und Schotter“. bedauert die Stadt. „Belange des Umweltschutzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege, insbesondere die Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen, Fläche, Boden, Wasser, Luft, Klima und das Wirkungsgefüge zwischen ihnen sowie die Landschaft und die biologische Vielfalt, bleiben dadurch unberücksichtigt.“

  • Nun sind Schottergärten ohnehin nicht „mal eben so erlaubt“. Die Landesbauordnung fordert, dass Geländeflächen, die unbebaut und ungenutzt sind, wasseraufnahmefähig sein müssen oder nicht verändert werden dürfen. Sie müssen bepflanzt und begrünt werden. 
  • Bei Verstößen kann die Kommune vom Hausbesitzer fordern, seinen Schottergarten zu entfernen und umzugestalten. Allerdings hatte Unnas Baudirektor Michael Ott in einer früheren Diskussion zu dieser Frage (noch im alten Stadtrat) offen eingeräumt:

„Wir haben nicht die Leute, um durch die Straßen zu ziehen und Steine zu zählen.“

Deshalb versucht es die Kreisstadt, deren Rat 2019 den „Klimanotstand“ ausgerufen hat, mit Appellen.

„Die Stadt hat dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen eine sehr hohe Priorität gegeben“, teilt die Verwaltung mit. So habe sie alle Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen angeschrieben und sie gebeten, Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu beraten und vor den Folgen von Schottergärten zu informieren.  

Hummel an einer blühenden Hortensie – Symbolbild RB

Denn ein grüner Vorgarten müsse im Vergleich zu einem Schottergarten nicht viel Arbeit machen. Es gebe eine Vielzahl an heimischen Pflanzen, die nur ein Minimum an Pflege benötigten. Klimaschutz setze sich aus vielen Bausteinen zusammen und schon kleine Details trügen eben zur Verbesserung des großen Ganzen bei.

„Baurechtlich ist zudem zu beachten, dass Vorgärten nicht nur zur Auflockerung und freundlichen Gestaltung des Orts- und Stadtbildes in Baugebieten erforderlich sind, sondern u.a. nach der Landesbauordnung wasseraufnahmefähig hergestellt, begrünt und bepflanzt werden müssen“, erklärt Felix Heusner, seit Oktober 2020 neuer Leiter des Bauordnungsamtes bei der Stadt Unna.

 „Wir möchten aber nichts verbieten, sondern lieber die Menschen in dieser Stadt bei diesem Thema mitnehmen und überzeugen“,

ergänzt Unnas 1. Beigeordneter Jens Toschläger – wohl auch wissend um die faktische Unmöglichkeit, sämtliche Gärten der Kreisstadt nach verbotenem Steinbelag zu kontrollieren.

Aus diesem Grund hat die Stadt Unna neben dem Anschreiben auch einen Flyer aufgelegt, in dem alle wichtigen Informationen zusammengefasst und kompetente Ansprechpartner bei der Stadt genannt werden. Dieser Flyer ist unter anderem beim Umweltamt der Stadt Unna erhältlich, wird aber auch künftigen Bauherren zugeschickt.

Blühender Vorgarten – Archivbild RB

„Grün statt Grau – Die Vorteile naturnaher Vorgärten“

– dieses Motto lebt auch Dieter Grabsch.

„Tiere, Pflanzen, Wasser und auch Steine gehören in einen Vorgarten“, sagt Grabsch. Er hat in seinem Vorgarten Wildpflanzen, die ihm wenig Arbeit bereiten. „Bei mir blüht es zu jeder Jahreszeit im Vorgarten. Als er 1986 sein Haus in Königsborn gekauft hat, hat er den kompletten Vorgarten umgestaltet.

„Derart versiegelte Flächen schaden nicht nur dem Artenreichtum und beschleunigen das Insektensterben. Sie wirken sich auch negativ auf das Mikroklima aus, da die Steine die Wärme speichern und wieder abstrahlen, während Pflanzen den Boden beschatten und für Verdunstungskühle sorgen“, erläutert Unnas Klimamanager Thomas Heer.

Termin vor Ort in Königsborn: v. li Thomas Heer, Felix Heusner, Jens Toschläger und Dieter Grabsch. (Foto: Stadt Unna)

Begrünung und Bepflanzung filtern zudem Staub und Lärm, nehmen Kohlendioxyd auf, spenden Sauerstoff, verbessern den Wasserhaushalt und dienen somit der Gesundheit aller Bürger.

Darüber hinaus verringert sich die Fläche, die zur Versickerung von Niederschlägen geeignet ist. Insbesondere bei Starkregenereignissen, bei denen die Niederschlagsmengen die Kapazität der Kanalisation überschreiten, können große Wassermassen nur oberflächlich abfließen und die öffentlichen Verkehrsflächen und privaten Grundstücke werden überflutet.


Im Rahmen der Bauberatungen wird die Stadt Unna die Bürgerinnern und Bürger darüber aufklären, dass die Schottergärten tatsächlich nicht unbedingt pflegeleicht sind. Nach kurzer Zeit setzt sich Moos zwischen die Steinchen und Wildkräuter müssen entweder kostenintensiv entsorgt oder die Steinchen aufwendig gereinigt werden.

Der Flyer steht auf der Homepage der Stadt Unna (www.unna.de) zum Download bereit.
Auf dem Foto von links nach rechts: Thomas Heer, Felix Heusner, Jens Toschläger und Dieter Grabsch.

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