„Müssen lernen, mit dem Wolf zu leben“ – Ausreichender Herdenschutz unabdingbar

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Symbolbild eines Wolfes - Quelle Pixabay.com

Es gibt einen Wolf im benachbarten Märkischen Kreis: Diese Bestätigung (Rundblick berichtete HIER) erregte bei unseren Leserinnen und Lesern vor ca. drei Wochen großes Aufsehen und wurde ungemein intensiv auf unserer Facebookseite diskutiert.

NRW-Umweltministerin Heinen-Esser zeigt sich jetzt in einer Pressemitteilung überzeugt:

„Wölfe werden sich in Nordrhein-Westfalen dauerhaft etablieren. Wir werden lernen müssen, mit dem Wolf zu leben.“

Nur ein ausreichender Herdenschutz werde die Weidetierhaltung dauerhaft sichern.

Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser erklärte nach einem Informationsaustausch, in dessen Mittelpunkt es um das Wolfsgebiet Schermbeck bei Dorsten ging:

„Wir werden ganz grundsätzlich lernen müssen, mit dem Wolf zu leben, denn Wölfe werden sich auch in NRW dauerhaft etablieren.“ Während die Wölfe in den weiteren Wolfsgebieten Nordrhein-Westfalens aktuell (noch) kaum in Erscheinung treten, so auch im Märkischen Kreis nicht, gab es laut Heinen-Esser seit 2018 im Wolfsgebiet Schermbeck eine in etwa gleichbleibende Zahl von 18-20 Übergriffen pro Jahr. Weit überwiegend wurden unzureichend gegen den Wolf geschützte Haus- und Nutztiere gerissen.

Ein aktuelles vom Ministerium in Auftrag gegebenes Gutachten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zum bisherigen Verhalten der Wölfe bestätigt: Im Wolfsgebiet Schermbeck ernährt sich das Rudel weitgehend von Wild. „

In der Stellungnahme heißt es unter anderem:

  • „In den meisten Fällen tötet sie (Anm.: Wölfin GW954f) Nutztiere, bei denen sie gar keine oder nur geringe Schutzmaßnahmen überwinden muss.“ … „Bisher gibt es keinen Beleg dafür, dass GW1578m oder der Welpe des Rudels das Töten von Nutztieren hinter empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen erlernt haben.“ … Die Wölfe in Schermbeck zeigen, „…dass sie ihre Ernährung weitgehend mit Wildtierrissen bestreiten, d.h. sie töten Nutztiere, wenn sie die Gelegenheit dazu haben, aber sie brauchen Nutztiere nicht als Nahrungsgrundlage.“

Und weiter heißt es in der Expertise:
 

  • „Eine massive Ausweitung geeigneter Schutzmaßnahmen in der Region erscheint uns aber die einzig tragfähige Strategie, um eine langfristige Koexistenz von Nutztieren und Wölfen zu gewährleisten.“

 
Im Ergebnis bietet auf lange Sicht nur ein funktionierender Herdenschutz der Weidetierhaltung einen ausreichenden und nachhaltigen Schutz. Ministerin Heinen-Esser: „Hierbei geht es vor allem um die langfristige Perspektive.“
 
Hintergrund
Im Jahr 2009 wurde der erste Wolf in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen, 2018 erfolgte die erste dauerhafte Ansiedlung eines Wolfs, 2020 gründeten sich die ersten beiden Rudel. Aktuell sind in Nordrhein-Westfalen sieben Wölfe verteilt auf zwei Wolfsrudel nachgewiesen. Ein Wolfsrudel lebt im niederrheinischen „Wolfsgebiet Schermbeck“, das andere im „Wolfsgebiet Oberbergisches Land“ bei Eitorf an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz.
 
Während die Wölfe bei Eitorf kaum in Erscheinung treten, kam es im Wolfsgebiet Schermbeck immer wieder zu Übergriffen. Im Jahr 2018 wurden 18 Vorfälle und insgesamt 47 getötete Nutztiere nachgewiesen, 2019 waren es 18 Vorfälle und 39 getötete Nutztiere, 2020 waren es 20 Vorfälle und 25 getötete Nutztiere inklusive eines Übergriffs auf ein Shetland-Pony. Damit blieb trotz gestiegener Zahl der Wölfe die Anzahl der Übergriffe in etwa gleich, die Zahl der getöteten Tiere nahm ab.
 
52 von 56 Übergriffen in den zurückliegenden Jahren ereigneten sich auf unzureichend gegen den Wolf geschützten Weiden. In bisher vier Fällen lag ein nach den Empfehlungen des Bundes ausreichender Herdenschutz vor (durchgehend stromführende Schutzzäune in Höhe von 120 cm). Ein Übergriff auf eine durch eingearbeitete, erfahrene Herdenschutzhunde gesicherte Weide ist bisher nicht zu verzeichnen. Im Jahr 2021 stellt sich die Situation bisher wie folgt dar: Anfang Januar erfolgte ein weiterer Übergriff auf ein Shetland-Pony, Ende Januar und Anfang Februar gab es jeweils einen Übergriff auf Schafe. Alle Daten finden sich im Wolfsportal unter https://wolf.nrw/wolf/de/management/nutztierrisse.



 
Weitere Informationen:

2 KOMMENTARE

  1. Bei Nordkirchen, kurz vor Werne ist das Gasthaus:“zum letzten Wolf“. Die Ausrottung der Wölfe muß früher für wichtig gehalten worden sein, wahrscheinlich nicht ohne Grund. Wölfe haben in unserer Kulturgesellschaft keinen Stellenwert mehr, sie schaffen unnötige Probleme!

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