Zum 27. Januar – „Die Erinnerung muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“

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Marienkrankenhaus-Postkarte um 1930

Der 27. Januar ist seit 25 Jahren der bundesweit gesetzlich verankerte Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, angelehnt an den Tag der Befreiung von Auschwitz am 27.01.1945.

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. (…)“                                                                                                           Bundespräsident Roman Herzog 03.01.1996

Die Stadt Fröndenberg hat eine ausführliche Pressemitteilung zum heutigen Gedenktag vorbereitet. Wir möchten sie hier stellvertretend für alle anderen Kommune im Wortlaut wiedergeben.

„Die Stadt … gedenkt heute der entrechteten, gequälten und ermordeten Opfer des NS-Regimes.

Frauen, Männer und Kinder aus dem Amt Fröndenberg und seinen Gemeinden wurden Opfer des NS-Staates, wenn sie nicht in das Raster der sogenannten „Volksgemeinschaft“ passten. Dazu zählten geistig wie körperlich Eingeschränkte, Juden, Christen, Anhänger anderer Religionen genauso wie politisch Andersdenkende, Sozialdemokraten, Kommunisten und Wehrdienstverweigerer. Viele von ihnen wurden ermordet oder starben in Lagern oder Einrichtungen der Euthanasie; manche sahen als einzigen Ausweg die Flucht in den Selbstmord.

Unser Gedenken gilt den zahlreichen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus Süd-, West-, vor allem aus Osteuropa, die hier den Tod fanden. Sie waren zum Teil noch im jugendlichen Alter aus ihrer Heimat hierher verschleppt worden. Insassen des hiesigen Strafarbeiterlagers (in der Freiheitsstraße auf dem Gelände des heutigen Wohnpark Stift) wurden totgeprügelt oder starben an Entkräftung. Andere kamen aufgrund von Erkrankungen oder Verletzungen in das hiesige Marienhospital, das heute ein Teil der Senioreneinrichtung Schmallenbach-Haus ist. Es war Anfang der 1940er Jahre staatlich beschlagnahmt worden und diente bis zum Ende des Krieges als zentrales Ausländerkrankenhaus für das östliche Ruhrgebiet. In der zentralen Entbindungsstation für Zwangsarbeiterinnen wurden junge Mütter und ihre Neugeborenen teilweise unterversorgt und verstarben.

Die Stadt Fröndenberg/Ruhr verneigt sich vor allen Mitbürgern, die – weitgehend im Verborgenen – in der NS-Zeit Hilfe leisteten und im Angesicht eigener Bedrohung Mut und Zivilcourage bewiesen.

Ein besonderer Dank gilt dem Stadtarchivar Jochen von Nathusius und den Schulen im Stadtgebiet für Ihre Arbeit im Kampf gegen das Vergessen und die Weitergabe des Wissens um unsere Verantwortung. 2020 wurde die Städtische Gesamtschule Fröndenberg für ihr Engagement ausgezeichnet und darf sich „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen. Dies muss jeden Tag neu gelebt werden. Die Stadt Fröndenberg/Ruhr dankt allen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, die sich mit Geduld, Überzeugung und Engagement für dieses gemeinsame Ziel einsetzen.“

Stilles Gedenken auch in Unna

Unnas Bürgermeister Dirk Wigant legte am Friedensstein im Rathaus einen Kranz nieder. 

„Heute jährt sich zum 76. Mal der Tag, an dem die sowjetische Armee die überlebenden internierten Menschen aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreite“, erinnerte Wigant und betonte: „Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist uns in Unna ein wichtiges Anliegen, denn Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis und den Rassenwahn. Wir tragen eine besondere Verantwortung, die Erinnerung an dieses Unrecht wach zu halten und künftige Generationen zur Wachsamkeit zu mahnen.“ 

Unna begeht diesen Tag in der Regel mit einer Veranstaltung im Ratssaal. Dabei ist eine wichtige Tradition geworden, dass die Gedenkfeier von Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen in Unna gestaltet wird.  Coronabedingt konnte in diesem Jahr das Gedenken nicht in der bekannten Form stattfinden.

Unnas Bürgermeister Dirk Wigant legte zum Gedenken an die NS-Opfer einen Kranz in der Bürgerhalle nieder. (Foto Stadt Unna)

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