Laumann: Lockdown war „Reflex – wir können nie wieder einen machen“

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„Wir können nie wieder einen Lockdown wie im März machen. Wir würden ihn wirtschaftlich nicht überleben. Und sofort alle Schulen schließen, das geht auch nicht noch einmal.“

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zog am Mittwochmittag (19. 8.) vor der Presse in Düsseldorf ein unerwartet kritisches Fazit zu den bisherigen Maßnahmen gegen die Coronapandemie.

Den rigiden „Lockdown“ vom März dieses Jahres mit der flächendeckenden Schließung von Geschäften, Restaurants, Schulen, Kitas etc. nannte der Minister rückblickend einen „Reflex“, der sich in dieser Form nicht wiederholen werde.

„Maske als Zeichen von Freiheit und Verantwortung“

Erforderlich dazu sei eine strenge bzw. noch strengere Bestrafung bei Verstößen gegen Abstandsgebot und Maskenpflicht. Die Maske, unterstrich der Gesundheitsminister,  sei mitnichten ein Zeichen von Unterdrückung. „Ich sehe sie als Zeichen von Freiheit und Verantwortung.“

Die bundes- und vor allem landesweit steigenden Infektionszahlen bereiteten zwar „eine gewisse Sorge“, sagte Karl-Josef Laumann, doch er relativierte diese Zahlen in der Pressekonferenz auch: „Wir sind einer völlig anderen Situation als vor der Sommerpause.“

„Von Überlastung des Gesundheitssystems weit entfernt“

  • 307 Infizierte NRW-weit werden momentan stationär in Kliniken behandelt,
  • 107 von ihnen liegen auf der Intensivstation,
  • 54 sind schwer erkrankt und werden beatmet.

Jeder dieser Fälle sei sehr ernst zu nehmen, betonte Laumann, doch von einer Überlastung des Gesundheitssystems sei NRW derzeit zum Glück weit entfernt.

Auch die Anzahl der Testungen habe sich drastisch verändert:

  • So wurden laut Laumann vor Ferienbeginn in ganz NRW wöchentlich rund 80.000 Personen getestet.
  • „In der vergangenen Woche waren es 223.328″, nannte der Minister die exakte Zahl zum Vergleich.

„Infiziert, ohne es zu merken“

Bei Personengruppen, die sich ohne Symptome freiwillig testen ließen (in der vergangenen Woche 6031 Erzieher/innen und 25.838 Lehrkräfte), kristallisiere sich ein Prozentsatz von 0,3-0,4 Prozent positiver Tests heraus. „Bei den Lehrern waren es in der vorigen Woche 72 an der Zahl“, so der Minister.

Das Gros der positiv Getesteten sei jünger und fast durchweg ohne Symptome. „Sie sind infiziert, ohne es zu merken.“

Bei den Reiserückkehrern aus Risikogebieten, für die seit einer Woche eine Testpflicht besteht, fielen bisher 2,1 Prozent der Tests positiv aus. „Das ist schon eine Größe, die uns zeigt, dass wir mit diesen Tests weitermachen müssen“, zog Laumann die Konsequenz daraus.

Wo stecken sich die Menschen an?

Auch hierzu hatte der Gesundheitsminister Zahlen parat:

  • Mehr als jeder Dritte (33 Prozent) infiziert sich demnach  im privaten Umfeld (darin eingeschlossen sind private Feiern mit bis zu 150 Besuchern),
  • ca. ein Viertel der Positivtests entfällt auf Reiserückkehrer.
  • Lediglich 6 Prozent der Ansteckungen passiert bei öffentlichen Veranstaltungen (Kultur jeder Art, Versammlungen…).

Keine Extrawurst für Jecken

Dennoch zeigt sich der NRW-Gesundheitsminister nicht gewillt, für die kommende Karnevalssession einen Freibrief auszustellen. Sie beginnt am 11. 11., das ist nicht mehr so lange hin.

Laumann verwies auf die Schützenfeste, die in Westfalen eine ebensolche Tradition hätten wie der Karneval im Rheinland. Trotzdem habe in diesem Sommer kein einziges Schützenfest stattgefunden, und die Vereine hätten dies mit größtem Verständnis akzeptiert.

Laumann, selbst Westfale, machte unmissverständlich deutlich, dass er nicht gewillt ist, den rheinischen Jecken hier eine Extrawurst zu braten. „Karneval in der Form, wie wir ihn sonst gewohnt sind, sehe ich in dieser Saison nicht.“ In zwei bis drei Wochen wolle die Landesregierung dieses Thema mit den Karnevalsvereinen gemeinsam zu einer Entscheidung führen.

Das Gebot der Stunde ist für Minister Laumann Solidarität – durch konsequentes Abstandhalten und Maske. Denn:

„Die Menschen sind sehr unterschiedlich betroffen. Die einen merken keine Auswirkungen, etwa im öffentlichen Dienst, andere sind in Kurzarbeit und spüren die Krise heftig.“ Am Wochenende, merkte er an, habe er in Münster ein Gespräch mit einem Schausteller geführt, der in dritter Generation ein Fahrgeschäft betreibe: „Dieser Mann hat mir klipp und klar gesagt,  er sei praktisch ruiniert.“

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