NRW-Lehrerverband: Coronakrise entlarvt digitale Versäumnisse

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Die technische Infrastruktur gleiche einem Flickenteppich, jetzt durch die Coronakrise werden die digitalen Versäumnisse an den nordrhein-westfälischen Schulen offensichtlich.

Dies stellt kritisch der NRW-Lehrerverband fest. „Die aktuelle Situation legt deutliche Mängel bei der Umsetzung des Digitalpaktes offen. Auch aus dem Homeoffice sollen Lehrkräfte Schüler zurzeit jeden Tag zum Lernen animieren, beispielsweise mit Lektüre, Aufgaben, Referaten.“

Jedoch sei die dafür nötige technische Infrastrukturen in den Schulen oft nur unzureichend oder sogar überhaupt nicht vorhanden.

„Die Corona-Krise zeigt die Schwachstellen bei der Digitalisierung von Schulen. Ein abwechslungsreicher digitaler Unterricht ist hierzulande flächendeckend nicht möglich“, sagt Andreas Bartsch, Präsident des Lehrerverbands.

Zwar besäßen viele Schüler mobile Endgeräte oder Computer, doch an den Schulen selbst fehle die entsprechende Infrastruktur: „Die Umsetzung des Digitalpakts läuft im Schneckentempo.“

Der im Mai 2019 verabschiedete Digitalpakt sieht vor, dass die Kommunen in Abstimmung mit den Schulen die notwendigen Voraussetzungen schaffen müssen, damit digitaler Unterricht gelingt.

Die fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt für NRW stehen davon etwa 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung – werden aber nur zögerlich abgerufen.

Bislang seien erst 30 Prozent der Mittel nachgefragt worden, berichtet der NRWL. „Es gibt durchaus Schulen, die in der Vergangenheit schon für eine gute technische Infrastruktur wie W-LAN oder Notebooks gesorgt haben. Doch das Bild gleicht eher einem Flickenteppich, flächendeckend stecken wir hier in NRW noch in den Kinderschuhen“, bedauert Bartsch.

In der Coronakrise müssen Lehrkräfte jetzt mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln arbeiten und oftmals improvisieren. „Die Mehrzahl der Beteiligten versucht kreative Lösungen zu finden und geht mit der Situation konstruktiv um“, berichtet Bartsch.

Viele Lehrkräfte stehen mit ihren Schülern durch E-Mails in Verbindung. „Die Zusammenarbeit läuft hier in der Regel gut, die Schüler sind täglich mehrere Stunden beschäftigt. Viele Eltern begleiten und unterstützen die Arbeit der Kinder. In dieser Ausnahmesituation, die alle ja völlig unvorbereitet getroffen hat, können wir den Lehrkräften, aber auch den Eltern ein großes Lob aussprechen“, bekräftigt Bartsch.

Grundsätzlich müsse es aber auch andere digitale Kanäle für den Austausch geben. Denn eine Aufgabenverteilung ausschließlich via Mailing führe zu einer Flut an E-Mails, was Schüler und auch Lehrkräfte auf Dauer überfordere.

Andreas Bartsch: „Die Erfahrungen gerade jetzt zeigen, dass wir in Sachen Digitalisierung dringend besser werden müssen. Hier wird sich der Druck auf Kommunen und Schulleitungen erhöhen.“ Problematisch sei, dass manche Schulserver der hohen Auslastung aktuell nicht gewachsen sind und versagen. Gerade die Corona-Krise zeige aber, wie sehr Schulen auf gute Kommunikationsplattformen angewiesen sind.

NRW hat es bislang nicht geschafft, eine funktionierende digitale Schulplattform aufzubauen. Seit 2015 wird LOGINEO NRW im Auftrag des Schulministeriums entwickelt. Wegen technischer Probleme wurde die Einführung im Oktober 2017 zeitweise ausgesetzt. Mittlerweile wird die Plattform an Schulen unterschiedlicher Schulformen getestet und weiter optimiert.  „Das Fehlen einer offiziellen schulischen Kommunikationsplattform macht sich jetzt bemerkbar bei denen, die ausschließlich auf LOGINEO NRW gewartet haben“, sagt Bartsch.

Seiner Ansicht nach geht es grundsätzlich nicht nur darum, die technische Ausstattung an den Schulen zur Verfügung zu stellen. Als große Aufgabe sieht es der NRWL an, Konzepte für digitalen Unterricht zu entwickeln. „Über den Digitalpakt hinaus müssen Lehr- und Lermittel und auch Fortbildungen angeboten und finanziert werden. Lehrkräfte müssen ja auch wissen, wie sie die technischen Neuerungen nutzen und in den Unterricht einbinden“, erläutert der Präsident des NRWL.

Quelle: https://www.nrwl.de

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