Vier Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus in Hemmerde und Lünern verlegt

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Schüler trugen Texte vor. (Foto Stadt UInna)

Seit Jahrzehnten erforschen die Mitglieder des VHS-Arbeitskreises Spurensuche idie Schicksale der NS-Opfer aus Unna, von denen oft noch nicht einmal die Angehörigen etwas wussten.

So schilderte es nun in Hemmerde Susanne Dieterich, eine Nachfahrin von Johann Mendrina, genannt Hans, für den ein Stolperstein an der Hemmerder Dorfstraße verlegt wurde.

„Wir verdanken den Archiven, dass wir heute seine Geschichte erzählen können“, sagte Dieterich. Sie selbst habe nichts über Hans gewusst. „Seine Geschichte war ein Familiengeheimnis und es herrschte eisiges Schweigen, wenn das Thema angesprochen wurde.“ So sei es in der Nachkriegszeit in vielen Familien gewesen.

Die Stolperstein-Verlegung wurde von einer Schülergruppe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums begleitet, die Statements gegen Ausgrenzung vorbereitet hatten.

„Johann Mendrina ist ab heute nicht mehr vergessen, sondern zurück in unserer Mitte“, so ein Schüler. Auch für Friedrich Mühlenschmidt aus Hemmerde sowie für Helene Kötitz und Else Michalik aus Lünern wurden am 16. Juni Stolpersteine an ihren früheren Wohnanschriften verlegt.

Wer war Johann Mendrina?

Geboren 1910 in Unna, beginnt Johann Mendrina 1924 eine Lehre bei einem Friseur in Unna. Spätestens 1935 wohnt und arbeitet er beim Friseur Werner Brasse im Haus Hemmerde 76, heute Hemmerder Dorfstraße 74. Später wird er von der Heilanstalt Lüneburg nach Warstein gebracht und von dort am 26. Juli 1943 in die „Zwischenanstalt“ Weilmünster in Hessen weiter transportiert. Dort verstirbt Johann Mendrina im Alter von 33 Jahren. Die Umstände seines Todes sind unbekannt. Die in der Sterbeurkunde eingetragene Diagnose „Progressive Paralyse“, eine schwere Spätfolge der Neurosyphilis, erscheint wenig glaubwürdig, wird sie doch bei auffällig vielen Opfern der sogenannten Euthanasie genannt.

Wer war Friedrich Mühlenschmidt?

Geboren 1913 in Hemmerde, besteht Friedrich Mühlenschmidt 1933 die Abiturprüfung. Sein Plan, Theologie zu studieren, scheitert. Stattdessen übernimmt er aushilfsweise Büroarbeiten und geht freiwillig zum Militär. Am 26. Januar 1938 liefern Sanitäter ihn in die Provinzial-Heilanstalt Warstein ein. Die Aufnahmediagnose „Schizophrenie der hebephrenen Form“ bestätigt sich. Dabei kommt es vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu Störungen des Denkens und des Ausdrucks von Emotionen, zu verschnörkelten Bewegungsabläufen oder einer Sprache mit versponnener Wortwahl und gestelzter Ausdrucksweise. Die seinerzeit üblichen Therapien können Friedrich nicht helfen. Als im Herbst 1938 die vom Erbgesundheitsgericht angeordnete Sterilisierung droht, veranlasst sein Betreuer die Verbringung in eine geschlossene Anstalt, um den Eingriff aufzuschieben. Dort stirbt er am 11. Mai 1940 im Alter von 27 Jahren.

Wer war Helene Kötitz?

Helene Kötitz wird 1904 in Lünern geboren. In der Schule, sagt sie später, habe sie schlecht gelernt, sei zweimal sitzen geblieben und das Rechnen sei ihr schwer gefallen. Sie ist 19, als sie in Unna in einem privaten Haushalt als Dienstmagd anfängt, mehrmals wechselt sie die Stelle. Im Alter von 22 Jahren fällt sie das erste Mal psychiatrisch auf, wenig später versucht sie, sich das Leben zu nehmen. 1928 wird sie in die Provinzialheilanstalt Gütersloh eingewiesen, von wo sie am 24. Juni 1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Scheuern in Nassau an der Lahn verlegt wird. „Zwischenanstalten“ wie Scheuern sammeln die behinderten Menschen und zwingen sie nach Aufruf mit einem der grauen Omnibusse der „Aktion T4“ in eine „Tötungsanstalt“. Am 23. Juli 1941 wird Helene nach Hadamar bei Limburg an der Lahn verbracht, wo sie mit Gas ermordet wird. Die Sterbeurkunde ist nicht aufzufinden. Dem Standesamt Unna wird der 11. August 1941 mitgeteilt, was jedoch frei erfunden sein dürfte.

Wer war Else Michalik?

Else Michalik kommt 1903 in Königsborn zur Welt. Sie ist fünf, als sie mit ihren Eltern und sieben Geschwistern 1908 in ihr neu erbautes Haus in Lünern zieht. Ab ihrem 18. Lebensjahr arbeitet sie bei verschiedenen Arbeitgebern als Hausgehilfin. Im Januar 1934 kommt sie in die Heilanstalt Aplerbeck. Über ihr Schicksal in der Psychiatrie ist wenig bekannt. Im Oktober 1939 ordnet Adolf Hitler die als Euthanasie verharmloste Tötung „lebensunwerten Lebens“ an – die „Aktion T4“. Dazu werden sechs „Tötungsanstalten“ eingerichtet, die jeweils von „Zwischenanstalten“ umgeben sind. Am 24. Juli 1941 wird Helene in die „Zwischenanstalt“ Eichberg eingewiesen. Dort lässt man sie durch gezielte Unterernährung und Medikamente mit 39 Jahren sterben.

PM Stadt Unna

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