Turnusgemäß hat die Polizei Dortmund die Ergebnisse der Videobeobachtung an der Münsterstraße bilanziert. Ergebnis:
Die Straftaten seien seit der Überwachung deutlich zurückgegangen. Der stellv. Behördenleiter Achim Stankowitz hat deshalb die Verlängerung der Maßnahmen um ein weiteres Jahr bis zum 30. Mai 2027 angeordnet.
Das teilte die Dortmunder Polizei am heutigen Freitag mit, 5. Juni.
Was sie nicht erwähnt: Stadtweit sank die Zahl der klassischen Straßen-Gewaltdelikte (wie Raubüberfälle auf Straßen und Plätzen) im vergangenen Jahr lediglich um etwa 3 % – und das Niveau mit täglich rund 9 bis 10 erfassten Gewalt- und Sexualstraftaten bleibt in Dortmund extrem hoch.
„Bereits seit dem 31. Mai 2021 sind die Kameras im Bereich der Münsterstraße aufgeschaltet. Nicht rund um die Uhr, sondern immer nur zu den Uhrzeiten, an denen es auch üblicher Weise zu Straftaten kommt“, erinnert Stankowitz.
„Nachdem es im ersten Jahr des Bestehens zu einem deutlichen Anstieg gekommen war, verzeichnet die Polizei seit 2022 einen konstanten Rückgang. Von 385 Delikten (01.05.22 bis 30.04.23) auf 223 festgestellte Straftaten (01.05.2025 bis 30.04.2026).“
Den Löwenanteil machen hierbei die Eigentumsdelikte aus, die von 233 (gemäß Eingangsstatistik im Vorjahr) auf 130 Taten (2025/2026) zurückgegangen sind.
Annähernd 2700 Personalstunden wurden zur Live-Beobachtung am Monitor und zur Auswertung von gesicherten Aufnahmen geleistet.
Hierzu Achim Stankowitz:
„Die Videobeobachtung ist ein wichtiger Baustein in unserer Sicherheitskonzeption. Wir haben so die Möglichkeit, in ausgewählten Bereichen schnell auf sich entwickelnde Situationen sehr kleinteilig zu reagieren.
Die Videobeobachtung ist nicht separat zu betrachten, sondern fügt sich ein in einen Maßnahmenkatalog. Ihre besondere Wirkung entfaltet sie insbesondere auch zusammen mit der strategischen Fahndung als Rechtsgrundlage für verdachtsunabhängige Kontrollen und verstärkter polizeilicher Präsenz, was wir regelmäßig auch im Zusammenhang mit unseren PK Fokus Maßnahmen im Bereich der Dortmunder Innenstadt feststellen.
Ich freue mich über den Rückgang an Straftaten, den wir derzeit feststellen. Zur Verstetigung dieser Entwicklung habe ich daher die Fortsetzung der Maßnahme angeordnet.“
Quelle PM Polizei DO
Das verstetigte Problem besonders im Norden: Die Gewalt
Die Entwicklung der Kriminalität in Dortmund und insbesondere in der bevölkerungsreichen Nordstadt mit ihrem hohen Ausländeranteil war in den letzten Jahren von einer spürbaren Berg- und Talfahrt geprägt. Nach einem deutlichen Anstieg nach den Coronajahren zeigt die Kurve durch massiven polizeilichen Druck zuletzt wieder nach unten.
1. Die Gesamtentwicklung in Dortmund (2022–2025)
- 2022 bis 2024 (Der Anstieg): Nach dem Ende der Pandemie-Beschränkungen stiegen die Fallzahlen spürbar an. Das Vor-Corona-Niveau wurde schnell wieder erreicht und 2024 kletterte die Gesamtkriminalität noch einmal um gut 4,2 % auf knapp über 73.000 Fälle. Vor allem Straßenkriminalität, Diebstähle und Gewaltkriminalität (oft unter Einsatz von Messern) bereiteten Sorgen.
- 2025 (Die Trendwende): Die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 brachte erstmals seit vier Jahren wieder einen Rückgang. Die Gesamtzahl der Straftaten sank um 5,4 % auf 69.256 Fälle. Auch die Gewaltkriminalität ging stadtweit in diesem Zuge zurück.
2. Die Lage im Dortmunder Norden
Die Nordstadt gilt traditionell als Kriminalitätsschwerpunkt (insbesondere in den Bereichen Straßen-, Gewalt- und offene Drogenkriminalität wie dem Handel mit Crack). Die Entwicklung hier lief parallel zur Gesamtstadt, wurde jedoch mit extrem spezifischen Gegenmaßnahmen beantwortet:
- Der Kontrolldruck ab 2023: Weil die Zahlen 2022 und Anfang 2023 (allein im Frühjahr 2023 gab es zeitweise ein Plus von 20 % in der Nordstadt) massiv nach oben gingen, startete die Polizei im Sommer 2023 die „Präsenzkonzeption Fokus“ (PK Fokus). Unterstützt durch Hundertschaften der Bereitschaftspolizei wurde die Präsenz auf den Straßen massiv erhöht.
- Einführung von Messertrageverboten: Da Konflikte immer häufiger mit Waffen ausgetragen wurden, verhängte die Polizei ab Mai 2024 in bestimmten Bereichen der Nordstadt (und Innenstadt) strenge, individuelle und teils flächendeckende Messertrageverbote. Wer seither mit einer Stichwaffe erwischt wird, muss mit drastischen Bußgeldern rechnen. Über den Erfolg dieser Maßnahme wird gestritten.
- Videoüberwachung als Bremsklotz: Die fest installierten Kameras an Kriminalitätsschwerpunkten wie der Münsterstraße und im Dietrich-Keuning-Park wurden aufgrund des Erfolgs fortlaufend verlängert. Laut Polizei führte die Videoüberwachung an der Münsterstraße zu einem Rückgang der Straßenkriminalität im Sichtbereich um rund 26 %.
Aktuelles Fazit
Der Dortmunder Norden bleibt durch die Mischung aus sozialer Dynamik und offenem Drogenhandel eine Herausforderung für die Sicherheitsbehörden. Die Kombination aus massiver Polizeipräsenz (PK Fokus) und Videoüberwachung trug zwar offenbar dazu bei, dass die Kriminalitätszahlen im öffentlichen Raum zuletzt (Kriminalstatistik 2025) in vielen Deliktsbereichen rückläufig sind.
Wenn man tiefer in die Zahlen blickt, muss man das Bild der vermeintlichen Entspannung deutlich korrigieren. Es gibt zwei ganz wesentliche Gründe, warum du das absolut richtig im Kopf hast:
1. Massiver Anstieg bei Gewalt gegen Beamte
Der stadtweit größte Sprung nach oben betrifft eine ganz bestimmte Form der Gewalt: Widerstand und tätliche Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte.
- Allein im Jahr 2025 gab es hier in Dortmund einen massiven Zuwachs von 38,3 % (auf insgesamt 884 Fälle).
- Die Polizei selbst spricht hier von einer besorgniserregenden Zunahme von Respektlosigkeit und Aggressivität im Alltag, was gerade bei den massiven Kontrollen im Dortmunder Norden (wie bei der PK Fokus) zu häufigeren Eskalationen führt.
2. Das Paradoxon der Gewaltstatistik 2024 vs. 2025
Bis Ende 2024 gingen die Rohheits- und Gewaltdelikte (Körperverletzung, Raub) drastisch nach oben – das war genau die Phase, die dir vermutlich im Gedächtnis geblieben ist und die überhaupt erst zu den Messertrageverboten geführt hat.
Im Jahr 2025 sank die reine Zahl der klassischen Straßen-Gewaltdelikte (wie Raubüberfälle auf Straßen und Plätzen) statistisch leicht um etwa 3 % – das Niveau mit täglich rund 9 bis 10 erfassten Gewalt- und Sexualstraftaten bleibt in Dortmund extrem hoch.
Das Fazit:
Zwar greifen die Kontrollmaßnahmen auf der Straße bei der klassischen „Straßenkriminalität“ langsam, aber die Aggressivität bei Begegnungen mit der Staatsgewalt ist massiv explodiert, und das allgemeine Niveau der Gewalt ist nach wie vor auf einem beunruhigend hohen Stand.





































